Sohn von Avalon

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    Dies sind die Aufzeichnungen von Markus, Ritter Elythrias und Krieger im Dienste der sieben Königreiche der Eurale.
    Dies sind die Chroniken eines Kampfes gegen ein fremdes Volk in einer Zeit, in der die Welt von Schwertern und Magie beherrscht wird.


    Die Geschichte handelt von der Belagerung der Festung Avalon im Grenzland von Oriam durch eine Rasse namens Sha'ahoul, angeführt durch einen Schamanen namens Mithras.
    Es ist die Zeit von Kriegern, von echten Helden, die ihr Leben dafür gegeben haben, Avalon zu verteidigen.
    Und es ist die Geschichte eines Mannes, der eigentlich nur die ihm gestellten Aufgaben erfüllte und dennoch in allen sieben Königreichen zur Legende wurde.
    Ja, es ist die Legende von mir. Ich bin dieser Mann. Ich bin der strahlende Held, der Avalon den langersehnten Frieden brachte.


    Fragt man mich, wie ich das gemacht habe, antworte ich: "Ich habe nur meine Befehle ausgeführt. Ich bin Soldat von Avalon."



    Doch lest selbst...




    Der Neue


    Diese Reise dauert schon viel zu lang. So langsam habe ich das Gefühl, wir werden niemals ankommen...
    Das Wasser ist rauh und der letzte Angriff aus dem Nebel hat unser Schiff fast zum kentern gebracht. Wir konnten den Feind in dieser Waschküche nicht einmal sehen und fragen uns, ob es dieser Kahn überhaupt bis nach Avalon schafft. Aber unser Hauptmann macht uns Mut, es sei nicht mehr weit.


    Oh wie freue ich mich, meinen Bruder wiederzusehen. Wenn auch so düstere Zeiten uns wieder zusammenführen. 11 Monate ist es her, seit Corvus seine Heimat Elythria verlassen hat, um Avalon mit seinem Schwert zu unterstützen. Wie so viele hat er dem Ruf der Verzweiflung Folge geleistet, so jetzt auch ich.
    Nach dem Tod unseres Vaters vor 6 Wochen gab es nichts mehr, was mich noch zu Hause hielt. Mutter ist zu ihrer Schwester gereist, es ist momentan das Beste für sie.
    Jetzt werde ich alles in meiner Macht stehende tun, um mein Vaterland als eines der sieben Königreiche der Eurale zu verteidigen. Nein, der Krieg findet nicht in Elythria statt. Sonst befände ich mich jetzt nicht auf einem alten Kahn, umringt von lauter seekranken Männern, die mit bleichen Gesichtern über der Schiffsreling hängen. Nein, der Krieg führt mich in den entlegensten Winkel Oriams - nach Avalon. Eine Festung, belagert von einer Horde Wilder, so wie es uns erzählt wurde. Doch frage ich mich, ob primitive Wilde imstande sind, eines der festesten Bollwerke dieses Landes monatelang in Schach zu halten...


    <Ist es noch sehr weit, Hauptmann Nicophorus?>
    <Seht nach Backbord, mein Sohn, und überzeugt Euch selbst.>
    <...Ich sehe nur Nebel, mein Hauptmann.>
    <An der Westseite von Avalon ist es immer neblig.>


    Doch dann sehe ich es: turmhohe Zinnen, die aus dem Nebel hinaus richtung Himmel ragen; die Umrisse einer Festung, die so stolz und schön zu sein scheint, dass nichts auf dieser Welt ihr etwas anhaben könne. Aber wenn es so wäre, was mache ich dann hier, zusammen mit den anderen Soldaten?
    Die Backbordreling füllt sich und alle starren in den dicken Nebel, wie kleine Kinder, die als erste den Blick auf Avalon erhaschen wollen.
    Unser Schiff macht am Kai fest und zwischen den Zinnen ragen die Köpfe der Wachen empor, die mit eisernem Blick und dem Bogen in der Hand den nebelverhangenen Fluß Voél im Auge behalten. Man hat uns schon bemerkt, bevor wir die Festung überhaupt sehen konnten, und jetzt blicken dutzende Augen auf uns herab, als wollten sie sagen <Schaut mal, das sind die Neuen, die uns angeblich helfen sollen, schaut sie euch an...> Irgendwie fühle ich mich ein bisschen wie auf dem Präsentierteller. Was wird wohl schlimmer sein? Gegen die Wilden zu kämpfen oder die stechenden Blicke von Avalons Soldaten zu ertragen?
    Andererseits kann ich die Sorge der Soldaten Avalons gut verstehen. Unser Schiff ist das einzige, dass die Burg überhaupt erreicht hat. Wir gehörten zu einer Flotte von 3 Schiffen, die Proviant, Waffen und Soldaten nach Avalon bringen sollten. Die anderen beiden Schiffe wurden im Nebel versenkt und unser Kahn hat inzwischen mehr Löcher als Planken. Mehr als die Hälfte unserer Ladung liegt auf dem Grund des Flusses, aber wenigstens haben alle Männer an Bord überlebt.


    Ein Wachtrupp passt uns am Anleger ab. Langweilige Begrüßungsformeln, bevor sie uns endlich abladen lassen. Nur das Nötigste haben wir mitnehmen dürfen: Kleidung zum Wechseln und Wegzehrung für den Seeweg. Waffen bekommen wir in Avalon, hat man uns gesagt. Ein Jammer, mein gutes Schwert zu Hause lassen zu müssen. Vater hat es damals für mich anfertigen lassen, als ich noch ein Junge war. Ach, es ist sicher auch besser so. Wir werden hier viel trainieren müssen und bald werde ich sicher zu stark für mein altes kleines Schwert sein. (so langsam klinge ich schon wie Vater...)


    Man geleitet uns durch das Westtor hinein in einen langen Korridor, der Westflügel genannt wird. Keine Zeit, die tollen Wandbehänge bestaunen zu können, der wachhabende Offizier hat einen ganz schönen Schritt drauf. Wir verlassen den Korridor durch ein kleines Tor weiter innen und sehen uns auf einmal dem hellen Sonnenlicht ausgesetzt. Ich muss meine Augen schließen; die ganze Zeit nur dichter Nebel und dann das! Als ich meine Augen wieder aufmachen kann, höre ich ein Raunen durch meine Kompanie gehen. Vor uns liegt ein Blumenmeer und überall verstreut stehen Stände der avalonischen Händler - wir sind im berühmten Innenhof von Avalon gelandet. Aber keine Zeit zum Staunen - der Offizier brüllt <Was glotzt ihr so? Das sind nur Blumen! Weiter, hurtig! Ich muss euch in eure Quartiere bringen, sonst reißt mir Hauptmann Avourus eigenhändig den Kopf ab!>
    Wir passieren ein großes Tor an der Südseite des Innenhofes und kommen auf einen langen breiten Gang, der von 2 schwer gepanzerten Männern bewacht wird und auf dem jede Menge Patrouillen auf und ab gehen.
    Man führt uns eine Treppe hinauf zu den Quartieren der gewöhnlichen Soldaten. Die Ritter und die Adligen sind im Bergfried untergebracht, sagt man uns widerwillig.
    Die Unterkünfte sehen nicht sonderlich komfortabel aus, aber was erwarte ich in solch schweren Zeiten. Aber Mühe haben sie sich gegeben, die Avalonier: In allen 6-Bett-Zimmern hängt eine Flagge des Königreiches, dessen Soldaten darin schlafen. Stolz blicke ich auf zu dem grünen Drachen, dem Wappen meiner Heimat Elythria.
    In einer Truhe neben meinem Bett liegen saubere Hemden, Hosen und Tuniken. Schwerter bekommen wir später, sagt der Offizier, der uns einquartiert hat.
    Wir werden aufgefordert, uns in den Speisesaal der Außenburg zu begeben, sobald wir unser Hab und Gut auspackt haben. Seit der langen Seefahrt haben wir nichts anständiges mehr gegessen. Danach werden wir wieder in unsere Quartiere gehen und ein paar Stunden schlafen. Wir sind ziemlich müde von der langen Überfahrt...

    Und Gott sprach:
    "Lächle und sei froh, es könnte schlimmer kommen."
    Und so lächelte ich und war froh
    ... und es kam schlimmer.

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    • Official Post

    Ich habe viel zu fest geschlafen. Mein Stubenkamerad sagte mir, wenn ich jetzt nicht von allein aufgewacht wäre, hätte mich unser brüllender Freund mit den Füßen voran aus dem Bett gezogen!
    <Wenn man vom Teufel spricht, Markus. Da kommt er auch schon.>
    <Willkommen zurück unter den Lebenden, Rekruten. Ihr alle wisst, warum ihr hier seid. Nehmt es nicht persönlich, wenn einige von uns etwas schroff erscheinen - ich eingeschlossen - aber wir stehen seit Monaten unter Belagerung und können nicht hinaus aus der Festung. Wir sind euch allen sehr dankbar, dass ihr gekommen seid. Wir stehen im Krieg und starke Männer sind gefragter denn je. Wenn ihr eure Bettstätten gemacht habt, werde ich einen Dienstboten nach euch schicken, der euch zu euren Ausbildern bringt. Dort werdet ihr auch Schwerter erhalten. Erwartet keine Prunkstücke, wir sind rar an gutem Stahl und die letzte Lieferung ist lange her.>
    Na, das macht ja Mut zum Kämpfen. Ich werde die Wilden wohl mit dem Schwertgriff erschlagen müssen, weil die Klinge zu stumpf zum Schneiden ist...


    Wer klopft denn an die Tür, wenn ich mich für die Ausbildung vorbereite? <Herein!> Es antwortet niemand. Will mich einer meiner Stubenkameraden auf den Arm nehmen? Na warte, alter Halunke! Was zum...?!
    <Na, dass du mir gleich in die Arme läufst, hätte ich aber nicht erwartet, kleines Brüderchen.>
    <Corvus!!! Wie schön, dich zu sehen, Bruder.>
    <Gleichfalls. Du hattest sicher eine lange Reise, wie ist es dir ergangen? Hast du Nachrichten von zu Hause für mich?>
    <Ja, aber leider nicht sehr gute. Mutter ist in Trauer. Vater ist vor 6 Wochen von uns gegangen.>
    <Oh nein, das sind wahrlich keine guten Neuigkeiten. Auch wenn ich mich mit ihm nie besonders gut verstanden habe, betrübt es mich doch, das zu hören.>
    <Zuhause können wir nichts mehr tun. Ich habe Mutter zu ihrer Schwester gebracht.>
    <Gut. Jetzt sind wir schließlich beide hier und wir sollten nach vorn schauen.>
    <Du hast recht. Sag, hast du nachher Lust auf einen Trunk? Wir müssen unser Wiedersehen feiern.>
    <Das muss leider warten, kleiner Bruder. Ich bin zu einer wichtigen Mission berufen worden, ich soll mit General Ovorons Truppen hinaus ins Dorf reiten. Wir versuchen, die Fuhrwerke der Sha'ahoul zu überfallen, um ihre Versorgung abzuschneiden.>
    <Könnt ihr noch ein weiteres Schwert gebrauchen?>
    <Nein, wir haben genügend Männer im Korps und du bist gerade erst angekommen. Finde dich erstmal zurecht in dieser Burg. Wir sehen uns, wenn ich zurückkomme.>
    <Ist gut, pass auf dich auf.>
    <Hier, das hätte ich beinah vergessen - ein Offizierspatent. Damit kannst du dich beim Quartiermeister ausrüsten lassen. Vielleicht kriegst du dort auch ein besseres Schwert als die, die sie im Außenhof den Rekruten geben. Das war leider das höchste, was ich durch unseren guten Namen erreichen konnte.>
    <Danke, Bruder. Ich werde nachher dort vorbeischauen.>


    Aha, Sha'ahoul werden die Wilden also genannt. Mal sehen, ob ich mehr über sie in Erfahrung bringen kann...



    Kaum ist Corvus um die Ecke verschwunden, kommt auch schon der Page, von dem der Offizier erzählt hat.
    <Gefreiter Markus, Ihr sollt euch sofort unten im Außenhof bei Hauptmann Avourus melden!>
    <Ist gut, danke.>


    Ich gehe die Treppe hinunter und stehe vor einem großen Holztor mit Stahlbeschlag, dass mir beim Nähertreten auch sofort geöffnet wird.
    Oh mein Gott, das hier ist das genaue Gegenteil zum blumenbedeckten Innenhof; hier ist alles so grau und kahl. Lange Gräser zäumen die Pferdekoppel in der Mitte des Außenhofes, Wachen in lumpigen Gewändern stehen an den Pforten und der Gestank der Gerber-Werkstatt zieht in meine Nase. Widerlich!
    Von unten her winkt mich jemand heran. Ich sollte schnell machen, an meinem ersten Tag will ich nicht negativ auffallen. Als ich am Trainingsplatz ankomme, sehe ich schon etliche Soldaten trainieren. Einige üben am Bogenschieß-Platz, andere bearbeiten mit Schlagstöcken die Übungs-Puppen.
    <Ah, Frischfleich für den Wolf! Ihr könnt gleich anfangen.>
    <Hauptmann Avourus?>
    <Der bin ich. Sagt mal Junge, Ihr erinnert mich an jemanden, der vor einigen Monaten auch hier angekommen ist. Wie hieß er noch? Corax? Co...>
    <Ihr meint sicher Corvus. Ihr habt ein gutes Gedächtnis, er ist mein älterer Bruder.>
    <Ihr seht ihm wirklich sehr ähnlich. Er hat auch bei mir trainiert, wisst Ihr? Achja, dort hinten steht Euer Sparringspartner, er erwartet Euch schon *grinst breit*>


    Oh mein Gott, wo haben sie den Kerl denn hergeholt? Sind das zwei Männer in einem?
    <Mein Name ist Mulduc und ich soll Euch trainieren!>
    Er wirft mir ein rostiges Schwert zu und los gehts.



    Dieser Ochse hat mich ganz schön geschafft. Junge Junge, hat der eine Kraft. Wenn die Wilden, gegen die ich kämpfen muss, genauso stark sind, muss ich noch eine Menge trainieren.
    Hauptmann Avourus sagt, ich könne mich nun ausruhen gehen. Wenn ich wieder trainieren will, soll ich einfach zum Übungsplatz kommen und Bescheid sagen. Für heute sei es genug. Die Nacht bricht schon herein und die anderen Soldaten haben sicher auch schon ihr Nachtquartier eingerichtet.


    Mal sehen, was der morgige Tag bringt.

    • Official Post

    Ich sollte Corvus' Ratschlag Folge leisten und mich zu Winchell, dem Quartiermeister der Außenburg begeben. Ich musste extra Deman, den Wächter der Feste fragen, wo er zu finden ist. Avalon ist für einen Neuankömmling wie ein Labyrinth...
    Ich bin grade auf dem Weg durch den langen Ostflur, da fällt mein Blick hinunter auf den Boden und ich sehe eine getrocknete rote Rose, umwickelt mit einem Blatt Papier. Nun gut, ich will nicht neugierig erscheinen, aber ich muss einfach mal hineinblicken. Und was ich sehe, ist ein Liebesbrief an einen Soldaten, geschrieben von seiner Liebsten. Ich werde dieses kleine Anekdot vorerst an mich nehmen, vielleicht begegne ich ja dem Besitzer. Außerdem ist eine rote Rose ein echter Farbtupfer in diesen sonst so grauen Hallen.
    Als ich um die Ecke komme, staune ich nicht schlecht. Ich stehe auf einer großen breiten Diele, zu deren Seiten größere Quartiere eingerichtet sind. 20 Betten fassen sie wohl. Von einem Soldaten erfahre ich, dass dies die Kammern der Männer sind, die schon vor fast einem Jahr hier angekommen sind. Viele davon sind seitdem Stubenkameraden geblieben. Ob Corvus wohl auch hier einquartiert war? So wie er allerdings gestern aussah in seiner prunkvollen Kleidung, schläft er wohl eher wie einer der Adligen im Bergfried, so scheint es mir. Ob er schon zum Ritter geschlagen wurde? Ich muss ihn heut abend unbedingt danach fragen.
    Die Stube des Quartiermeisters war nicht schwer zu finden. Eine hübsche Dienstmagd kommt mir entgegen, als ich in die Tür treten will. Sie hat mich angelächelt, sie hat mich angelächelt... Der Meister Winchell kommt mir schon entgegen.
    <Was habt Ihr da für mich, mein Sohn?>
    Ich gebe ihm die Schriftrolle.
    <Ein Offizierspatent, mh mh mh.>
    (Der Ton gefällt mir gar nicht. Sind Offiziere hier nicht gern gesehen?)
    <Nun dann, junger Offizier, will ich Euch mal mit dem Nötigsten ausstatten, was einem Mann Eures Ranges gebührt.>
    Das verschmitzte Lächeln des Mannes lässt mich allerdings feststellen, dass er mich nur testen wollte. Ich denke, ich habe bestanden.
    <Hier habt Ihr erstmal ein gepolstertes Wams für die kalten Nächte im Dorf, falls Ihr dort mal hinausgeschickt werdet. Der Wind ist dort sehr sehr kühl um diese Jahreszeit. Und hier ist ein Schwert. Ich weiß, es ist nicht besonders schön und austariert erst recht nicht, aber es ist eines der besten, die wir momentan zur Verfügung haben. Ich hoffe, es leistet Euch gute Dienste. Für einen Schild fragt bitte später den Schmied Lucan, Ihr findet ihn am Südtor.>
    <Besten Dank, mein Herr.>


    Als ich wieder auf den Flur trete, stehen dort viele Soldaten versammelt und fröhnen ihren Unterhaltungen. Ich glaube, man kann hier allerlei Klatsch und Tratsch hören, wenn man darauf steht. Einer der Männer kommt auf mich zu. Ich erfahre von ihm, dass er aus dem fernen Cathea angereist ist. Er hatte sicherlich eine längere Reise als ich. Allerdings hat sein Kampfmut ihn verlassen, seit er den Brief seiner Liebsten verloren hat.
    <Ist dies vielleicht der Brief, den Ihr sucht? Ich fand ihn auf dem langen Flur dort drüben, unter dem Türspalt einer Stube. Diese Rose war auch dabei.>
    <Gepriesen seid ihr, guter Elythrianer. Auf Euresgleichen kann man sich eben verlassen! Dieser Brief bedeutet mir sehr viel, wisst Ihr? Die Rose dürft Ihr als Zeichen meiner Anerkennung behalten. Sie hat hinten eine Anstecknadel, Ihr könnt sie an Eurem Revers tragen. Sie steht Euch gut. Nochmals meinen höchsten Dank!>
    <Gern geschehen. Gott beschütze Euch.>


    Ich habe es mir vorgenommen, wieder einen von Corvus' Ratschlägen zu beherzigen: ich werde mir diese Burg ein bisschen näher ansehen. Ich glaube, ich fange mit dem Erdgeschoss an. Mein erster Weg führt mich wieder hinab in den Speisesaal, welcher seit gestern abend gespenstisch leer aussieht, alle Stühle sind auf die Tische gestellt worden. An einem der Tische steht eine Magd und schwingt ihren Putzlappen.
    <Ah!>
    <Verzeiht. Ich wollte Euch nicht erschrecken.>
    Welch ein hübsches Kind... Dass ein Mädchen mit solch einem Antlitz zum Tischeschrubben verdonnert wird.
    <Das macht nichts. Ihr könnt nichts dafür. Ich bin nur ein wenig durcheinander wegen vorhin...>
    <Verzeiht noch einmal, ich habe mich Euch noch gar nicht vorgestellt: ich bin Markus aus Elythria. Ich bin mit dem letzten Schiff angekommen.>
    <Ich heiße Bonnie und ich bin Küchengehilfin von Anora, der Küchenchefin. Und sie sieht es gar nicht gern, wenn ihre Angestellten hier herumstehen und plaudern.>
    <Ich will Euch nicht von Eurer Arbeit abhalten, aber sagt, wovon spracht Ihr eben? Hat Euch etwas erschreckt?>
    <Um ehrlich zu sein, ich glaube, im Keller spukt es...>
    <Spuken?>
    <Als ich vorhin hinunterging, um Vorräte zu holen, hörte ich seltsame Geräusche. Ich dachte, es wären vielleicht Ratten, wie wir sie schon öfter dort unten hatten. Aber dann sah ich einen Schatten an der Wand, der mir folgte und dann hörte ich dieses unheimliche Zischen... *sie erschauert*>
    <Könnten es nicht vielleicht wirklich Ratten gewesen sein?>
    <Nein, der Schatten war zu groß für eine Ratte. Ich konnte nicht erkennen, was es war. Ich habe meinen Eimer fallen lassen und bin so schnell wieder hoch gerannt, wie ich konnte. Anora wollte davon natürlich nichts hören. Sie sagte, das wären wieder Hirngespinste von kleinen Mädchen, oder wie auch immer.>
    <Ich bin froh, dass Euch nichts geschehen ist. Würde es Euch etwas ausmachen, wenn ich Anora auf diese Vorkomnisse anspreche? Vielleicht bekomme ich ja heraus, was Euch solch einen Schrecken eingejagt hat.>
    <Das würdet Ihr für mich tun? Nun, ich danke Euch, schicker...äh, ich meine edler Herr.>


    Die Küche riecht etwas streng nach Spülwasser und faulen Abfällen in der Ecke, ist aber ansonsten ganz sauber. Anora, die Küchenchefin brauche ich nicht lange zu suchen, sie kommt mir schon mit stampfenden Schritten entgegen.
    <Was habt Ihr in meiner Küche zu suchen?>
    <Guten Tag, Herrin. Mein Name ist Markus und ich bin neu hier in der Burg.>
    <Das war keine Antwort auf meine Frage!>
    <Ich traf gerade die Dame Bonnie im Saal und sie erzählte mir, sie hätte etwas erschreckt im Keller.>
    <Sie fantasiert wahrscheinlich wieder einmal. Das tut sie öfter.>
    <Sie war aber ganz außer sich und völlig fertig mit den Nerven. Wenn Ihr es mir erlaubtet, würde ich gern selber hinunter in den Keller gehen, um mich von den Vorkommnissen dort zu überzeugen. Vielleicht habt Ihr ja Recht und dort ist nichts. Aber wenn dort wirklich etwas Unheimliches lauert, wäre es doch angebracht, einen Krieger mit Schwert hinunter zu schicken, bevor einer Eurer Angestellten wirklich noch etwas zustösst...>
    <Das klingt logisch. Ihr habt meine Erlaubnis, hinunter zu gehen. Aber erstattet mir Bericht, wenn ihr wiederkommt. Ich möchte gern wissen, was in meiner Küche vor sich geht!>


    Na, das war ja ein guter Start. Vermutlich werde ich beim nächsten Abendessen nur noch die halbe Ration bekommen...
    Als ich die Kellertreppe hinunter gehe und die schwere Holztür knarrend aufmache, überkommt mich doch schon ein kalter Schauer.
    (Reiß dich zusammen, du bist ein Krieger Elythrias. Du wirst dich doch nicht in einem Küchenkeller fürchten!)
    Der Keller riecht modrig und es ist stockdunkel. Nur der bleiche Schein der Wandfackel spendet dem Raum ein wenig Licht. Ich schleiche mich mit gezogenem Schwert zwischen den Regalen hindurch.
    DORT! - Ein Schatten! Und dieses Geräusch, von dem Bonnie gesprochen hat. Es läuft mir eiskalt den Rücken hinunter. Ich muss schnell sein, meinen Gegner überraschen. Meine Hand umklammert den Schwertgriff. Jetzt oder nie. Ich springe hinter dem Regal hervor und.....


    Was zum Teufel ist das?! Ich hatte entweder mit einem untoten Ungeheuer oder einem menschlichen Spaßvogel gerechnet, aber was in drei Teufelsnamen ist das? Riesige Käfer, circa ein Dutzend. Sie reichen mir bis zu den Knien. Sie müssen von dort hinten gekommen sein. Dort ist ein Loch in der Wand. Na wartet, ihr Viehzeug, Euch werd' ich Beine machen!


    Nach dem erfolgreichen Vernichten der Käfer kehre ich zurück in die Küche, um Anora Bericht zu erstatten.
    <Anora, ich bin den unheimlichen Vorkommnissen auf die Schliche gekommen. Es handelte sich nicht um kindliche Spinnerei.>
    <Was war es dann?>
    <Riesenkäfer. Ein gutes Dutzend. Sie sind durch ein Loch in der Wand gekommen und haben sich an Euren Vorräten vergangen. Aber ich habe alle getötet. Das Loch sollte schnellstmöglich abgedichtet werden, sonst kommen sicher neue Viecher herein.>
    <Meint Ihr, diese Käfer hätten einem Menschen gefährlich werden können?>
    <Dessen bin ich mir sicher, die waren nicht gerade klein. Ich habe noch nie solche Käfer gesehen. Die ernähren sich sicher nicht allein vorn Hirse und Körnern...>
    <Ich bin Euch sehr dankbar, Markus. Bitte, seid so nett und sagt dem Soldaten Davet im Speisesaal Bescheid, er soll das Loch so schnell wie möglich stopfen. Und wenn er sich weigert, bestellt ihm, dass ich ihm dann eine Woche Küchendienst aufbrumme, diesem Faulpelz!>


    <Wart Ihr im Keller, Markus? Was habt ihr gefunden?> ruft mir die Dame Bonnie entgegen.
    <Ihr habt gut daran getan, wegzulaufen. Ich habe dort unten eine Käferplage beseitigt. Aber keine gewöhnlichen Käfer - Riesenkäfer! Sie hätten Euch sicher angegriffen, aber jetzt sind sie tot. Ich sage noch schnell der Wache Davet Bescheid, er dichtet das Loch ab, durch das diese Kreaturen gekommen sind.>
    <Ich möchte mich bei Euch bedanken, Ihr habt mir ja quasi das Leben gerettet. Wer weiß, was passiert wäre, wenn ich das nächste Mal hinuntergegangen wäre?> *gibt einen Kuss auf die Wange*
    <Nicht der Rede wert. Es war mir eine Ehre, Dir zu helfen, schöne Magd.>


    <Seid ihr Davet? Anora hat befohlen, dass Ihr das Loch im Keller abdichtet. Von dort ist Ungeziefer hereingekommen.>
    <Ich habe Wichtigeres zu tun. Verzieht Euch!>
    <Faulenzen, nehme ich an. Anora sagte, sie brummt Euch 1 Woche Küchendienst auf, wenn ihr Euch weigert, diese simple Aufgabe zu erfüllen.>
    <Wenn da so ist, mache ich mich gleich an die Arbeit.>


    Mal sehen, was für Überraschungen mich in dieser Burg noch erwarten...

    • Official Post

    Ich glaube, ich werde den Tag nutzen und mir die Burg noch etwas genauer ansehen. Ich werde mit dem Kellergeschoss der Außenburg anfangen.
    Die Treppe ist nur wenig ausgeleuchtet und im Korridor ist es leider nicht viel besser. Hier scheinen sie mit den Fackeln gespart zu haben. Naja, ich denke nicht, dass hier viele Leute herunterkommen, also ist viel Licht wohl nicht von Nöten.
    Die einzigen Menschen, die ich hier sehe, sind 3 Wachen - schwer bewaffnet.


    <Was habt Ihr hier unten verloren?> schallt es mir entgegen.
    <Ich bin neu hier und sehe mich in der Burg um. Was ist hier unten und warum sind die Wachen hier schwerer bewaffnet als die im Obergeschoss?>
    <Hier unten befindet sich außer den Vorratskammern noch der Zellentrakt.>
    <Ihr meint, hier sind die Gefangenen untergebracht?>
    <DER Gefangene.>
    <Hier sitzt bloß ein einziger Mann ein?>
    <Wir stehen unter Belagerung, Jungchen. Die Einzigen, die eingesperrt gehören, lauern vor dem Tor.>
    <Aber was ist das dann für ein Mann, der hier einsam sein Dasein fristet?>
    <Das hat uns niemand gesagt. Angeblich ein Zauberer. Niemand spricht über ihn. Keine Ahnung, wie lange er schon einsitzt.>
    <Was hat er verbrochen?>
    <Das weiß niemand. Oder niemand will es sagen. Die Männer nennen ihn nur den "Cheater". Geht in den Trakt und schaut in die Zelle, wenn Ihr wollt. Aber sehr gesprächig ist er nicht. Genau genommen hat er, solange ich hier bin, noch kein Wort gesagt.


    "Cheater" - seltsamer Name für einen Mann, über den man gar nichts weiß. Oder es nicht wissen will...


    Ich glaube, ich verlasse diesen trostlosen Ort und schaue mich noch einmal genauer im Außenhof um. Meine Augen könnten mal wieder Sonnenlicht vertragen nach dem Gang durch den Kerker.
    Der Außenhof wirkt nun doch erheblich belebter, als es den Anschein hatte. Auch hier gibt es Händler und ein paar Blumen sieht man auch in den Ecken blühen.
    Ein Mann in schwerer Rüstung und avalonischer Überjacke steht mitten im Hof. Vielleicht kann ich durch ihn ein bisschen mehr über Avalon in Erfahrung bringen.


    <Verzeiht Herr, ich bin neu hier und möchte gern wissen, wer Ihr seid.>
    <Ich bin Penrith, Befehlshaber der Hofwache. Tut mir leid Junge, aber ich habe momentan wenig Zeit für einen Plausch, ich suche einen jungen Offizier, der kürzlich hier angekommen ist. Sein Name ist Markus; kennt Ihr ihn?>
    <Das bin ich, Herr. Was ist los?>
    <Ich muss Euch betrübliche Kunde überbringen. Euer Bruder wird vermisst!>
    <Was sagt ihr da? Vermisst? Seit wann? Wo?>
    <Die Expedition ins Dorf, bei der Euer Bruder mit dabei war, ist nicht zur Burg zurückgekehrt. Die Torwache sagt, sie seinen in einen Hinterhalt geraten und übel aufgerieben worden. Euer Bruder wurde verfolgt und ist seitdem nicht mehr gesehen worden.>
    <Ich muss ihn sofort suchen gehen!>
    <Junge, da draußen ist Feindgebiet! Wenn Ihr dort hinausgeht, ereilt Euch dasselbe Schicksal wie die Männer Ovorons.>
    <Aber was kann ich jetzt tun?>
    <Meldet Euch bei Sir Roth, er ist Avalons General und Feldmarschall. Er hat kürzlich auch einen Trupp ausgesandt, um nach Eurem Bruder zu suchen. Ihr findet ihn nordwestlich im Obergeschoss der Außenburg.>
    <Danke Herr. Ich werde ihn sofort aufsuchen.>


    Gerade angekommen und schon so eine Hiobs-Botschaft... Dabei gab es so vieles, was ich Corvus heute abend bei einem Becher Met fragen wollte. Ich muss eine Möglichkeit finden, hinaus ins Dorf zu gehen. Aber ich sollte Penrith's Vorschlag Folge leisten und Sir Roth aufsuchen.
    Die Wachen vor der Tür versperren mir den Weg.


    <Halt! Name und Begehr! Dies ist der Besprechungsraum der Avalonischen Heerführer und sie dürfen nicht gestört werden.>
    <Ich bin von Penrith geschickt worden. Ich muss Sir Roth sprechen, es ist wichtig! Mein Bruder ist verschwunden und ich...>
    <Dann seid ihr Markus. Sir Roth erwartet Euch bereits. Ihr dürft passieren.>


    <Ah, da ist er ja.> Ruft es mir entgegen.
    Ein Mann mit kurzgeschorenen Haaren und kräftiger Statur kommt mir entgegen. An seiner Rüstung und Tracht lässt sich erkennen, dass es jemand von hohem Rang sein muss. Aber ich brauche nicht lange raten, er stellt sich sofort vor.
    <Meine Name ist Sir Roth Hildebrandt, Feldmarschall von Avalon, und Ihr müsst Markus sein. Es freut mich, Euch kennenzulernen. Aber kommen wir gleich zur Sache: es tut mir sehr leid, was passiert ist. Eine unangenehme Situation für alle Beteiligten.>
    <Sagt, was ist passiert?>
    <Die Truppe unter dem Befehl von General Ovoron ist in einen Hinterhalt geraten. Keiner hat den Angriff überlebt - bis auf Euren Bruder. Ich habe mit der Torwache gesprochen und sie sagen, er konnte sich von dem Gefecht loseisen und fliehen - wobei man dazu sagen muss, dass Euer Bruder einer der Letzten ist, die in einem Gefecht fliehen - aber das war kein Gefecht, es war ein Gemetzel! Nun ja, er hat viele Sha'ahoul getötet und ist in eine Seitengasse gelaufen. Danach verliert sich leider seine Spur.>
    <Sir Roth, könnt Ihr mir die Erlaubnis geben, im Dorf nach meinem Bruder zu suchen?>
    <Nein, mein Junge, das kann ich nicht. Dort draußen ist Feindgebiet.>
    <Aber ich muss wissen, ob mein Bruder noch am Leben ist.>
    <Hmpf, nun gut. Ich denke, in Anbetracht der Umstände können wir eine Ausnahme machen. Ich weiß, dass Ihr sowieso ins Dorf gehen werdet - ob mit Befehl oder ohne.
    Aber ich kann Euch diese Erlaubnis nicht geben, dafür ist unser Kundschaftermeister zuständig. (er kritzelt etwas auf ein Stück Pergament)
    Hier, gebt das Mudam, er ist der Mann, an den Ihr Euch wenden müsst. Ihr untersteht ab sofort seinem Befehl.
    Ach ja, und Junge: Bevor Ihr hinaus ins Dorf pilgert, würde ich Euch raten, noch ein wenig mehr über die Burgbewohner in Erfahrung zu bringen. Ihre Kenntnisse über das Dorf könnten Euch von Nutzen sein. Mudam ist sowieso noch nicht in seinem Quartier. Das wäre alles, Ihr dürft wegtreten.>


    So sehr es mich auch hinaus ins Dorf zieht, um nach Corvus zu suchen, sollte ich vorher doch einige Leute nach Informationen über das Dorf ausquetschen.
    Ich werde meinen Bruder finden...!

    • Official Post

    Diese Hilflosigkeit bringt mich noch um. Ich halte den Versetzungsbefehl von Sir Roth in den Händen und kann doch nicht hinaus, da ich auf Mudam warten muss. Es ist zum Verrücktwerden...


    Ich glaube, ich sollte mich, bis es soweit ist, ein wenig ablenken. Ich werde noch früh genug ins Dorf kommen.
    Die Außenburg hat einige Gemächer, in denen ich noch nicht war. Vielleicht haben die Bewohner nützliche Informationen für mich. Ich fange gleich neben dem Gemach von Mudam an.


    An der Tür hängt ein Wappen von Taberland - unterstrichen mit dem Siegel eines Botschafters.
    <Sir?>
    <Ich habe keine Zeit!>
    Dieser Mann scheint ein wenig schroff zu sein oder einfach nur zu beschäftigt. Vielleicht komme ich später mit ihm ins Gespräch. Das nächste Zimmer, das ich mir vorgenommen habe, hat keine Tür. Man kann von draußen auf einen großen Metalltisch und 2 große Obelisken blicken. Hier muss ein Weiser oder ein Zauberer arbeiten.


    <Oh, welche Freude. Ein Besucher. Kommt herein, seht Euch ruhig um.>
    Der alte, etwas zauselig wirkende Mann mit grauem Bart und Magierrobe ist wesentlich freundlicher gesonnen als die übrigen Männer in diesem Teil der Burg. Seines Aussehens zufolge muss er der ansässige Zauberer sein und seine äußere Erscheinung lässt mich auf viel Erfahrung schließen.


    <Verzeiht mein Eindringen, Meister Zauberer. Ich bin Markus und bin neu in dieser Burg. Sagt, wer seid Ihr?>
    <Ich bin Elarath, Hofmagier von Avalon. Und das hier ist mein Assistent Sherard. Euer Name ist Markus, sagt Ihr? Und neu hier? Dann müsst Ihr zweifelsohne der Bruder von Corvus sein. Schlimme Sache, schlimme Sache, jaja...>
    <Ihr wisst davon? Ich wusste nicht, dass Gerüchte hier so schnell die Runde machen.>
    <Oh das war kein Gerücht, was es mich wissen ließ. Ich habe mich darüber mit einem Freund von mir unterhalten. Er ist ebenfalls Magier, doch beschränken sich seine Fähigkeiten eher auf die Deutung von Visionen.>
    <Ihr meint, er ist Seher?>
    <Ja. Sein Name ist Elazar. Er haust im Obergeschoss des Südtores. Ihr könnt ihm vielleicht ein paar brauchbare Informationen bezüglich Eures Bruders abzwacken.>
    <Vielen Dank, Elarath. Ach sagt, könnt Ihr mich eventuell ein wenig in Eure Künste einweisen? Ich fand Magie schon immer faszinierend, obwohl ich eher ein Krieger bin.>
    <Und ein wissbegieriger dazu *grinst*. Natürlich teile ich meine Erfahrungen gern mit Neuankömmlingen wie Euch.
    Nun, die Kunst der Zauberei erfordert viel.....>


    Nach einiger Zeit habe ich einen winzig kleinen Einblick in eine faszinierende, mir bis heute völlig unbekannte magische Welt bekommen und Elarath war sogar bereit, einen Teil seines Könnens mit mir zu teilen. Er hat mir einige Zaubersprüche beigebracht, die für einen Neuling sehr leicht zu lernen sind. Dennoch hätte ich nie gedacht, jemals Magie anwenden zu können..
    Die Zaubersprüche, die mich besonders interessierten, waren ein Heilspruch - die Fähigkeit, seine Wunden durch Magie heilen zu lassen - und der Zauber der Lähmung. Dieser macht den Gegner für eine gewisse Zeit bewegungsunfähig. Das könnte mir im Dorf sicher nützlich sein.
    Es wundert mich, dass Elarath bereit war, sein Wissen mit mir zu teilen, denn laut eigener Aussage arbeitet er momentan an einer Art Portal und diese Arbeit erfordere viel Aufmerksamkeit.


    Von Keman, einem der Wächter der Feste, erfahre ich, dass Mudam mich jetzt doch empfangen könne. Das hat natürlich in diesem Moment Vorrang!


    <Herein.>
    <Sir, ich bin Markus und habe einen Versetzungsbefehl von Sir Roth für Euch.>
    <Lasst mich sehen. Ahja, er hat mir von Euch erzählt und auch von der Sache mit Eurem Bruder. Wir alle sind von diesem Vorfall tief getroffen worden. Euer Bruder war, ich meine er IST hier sehr beliebt.
    Ach verzeiht, ich vergaß, mich vorzustellen, aber Ihr wisst ja bereits, wer ich bin. Sonst hätte Euch Sir Roth sicher nicht zu mir geschickt. Ich tue es aber trotzdem gern: Ich bin Mudam, Meisterkundschafter von Avalon und Befehlshaber der Kundschafter und Jäger der avalonischen Gebiete.>
    <Es freut mich, Eure Bekanntschaft zu machen.>
    <Ich habe schon einige meiner Kundschafter hinaus ins Dorf geschickt, aber zu meinem Bedauern muss ich sagen, dass keiner von ihnen je zurückgekehrt ist...>
    <Ihr wollt damit sagen, dass alle, die bisher im Dorf waren, tot sind???>
    <Nun, nicht ganz. Die Truppe, die von Sir Roth ausgesandt wurde, um nach Eurem Bruder zu suchen, kehrte unversehrt zurück. Das mag allerdings daran liegen, dass die Sha'ahoul nach ihrem Hinterhalt mit einem Suchtrupp gerechnet haben und besonders vorsichtig waren. Außerdem sind Ritter zu Pferd schwerer zu töten als ein Kundschafter mit Lederweste, wenn Ihr versteht, was ich meine.>
    <Ich verstehe, Sir. Habe ich Eure Erlaubnis, das Dorf nach meinem Bruder zu durchsuchen?>
    <Nun ja, sagen wir eher "Befehl". Ich lasse Euch ins Dorf, wenn auch nur unter diesen besonderen Umständen. Dafür verpflichtet Ihr Euch aber, mir jegliche ungewöhnlichen Vorkommnisse im Dorf umgehend zu melden.>
    <Das werde ich Sir, vielen...>
    <Halt mein Junge. Wollt Ihr Euch etwa ohne besondere Vorbereitungen auf den Weg machen?>
    <Wie meint ihr das, Mudam?>
    <Nun, ich spreche von den Fertigkeiten, die ein Kundschafter haben muss, um unerkannt und sicher durch das Dorf zu marschieren.>
    <Ihr sprecht von einem Kundschafter-Training?>
    <Exakt. Ich würde Euch gern ein wenig von meinem Wissen vermitteln, wenn Ihr bereit dazu seit.>
    <Ich hätte großes Interesse an allem, was Ihr mir zeigen könnt.>


    Als Kundschafter muss man auf vieles achten, das hätte ich nicht erwartet. Unterweisungen in lautloser Bewegung, Erste Hilfe im Feld und Fokussieren waren nur ein kleiner Teil dessen, was Mudam mich lehren kann. Dieser Mann verfügt wahrlich über sehr viel Erfahrung als Jäger.
    Außerdem sagte er, ich solle mich im Außenhof mit Olon, dem Händler unterhalten, wobei er das Wort "Händler" ein wenig komisch aussprach...


    <Junge, habt Ihr einen Moment Zeit für mich?> Ruft mir Elarath über den Gang entgegen.
    <Ich bin zwar mitten in einem Auftrag für Mudam, aber ich tue alles, um meinen Dienst für Avalon zu erfüllen. Womit kann ich Euch dienen?>
    <Die Arbeit an einem alten Portal wie diesem erfordert doch viel mehr als nur Muskelkraft und Zaubersprüche. Ich brauche, um es fertigzustellen, einen Gegenstand, der bei meiner Flucht aus dem Dorf wohl verlorenging. Es handelt sich um ein sehr altes Amulett, es muss immer noch in der Nähe des Wagens liegen, auf dem ich mein Hab und Gut transportierte, ehe die Sha'ahoul alles überrannt haben. Ich habe gehört, Ihr geht ins Dorf hinaus und vielleicht könntet Ihr danach Ausschau halten. Nur, wenn es nicht zu viele Umstände macht.>
    <Aber ja, Elarath. Wenn ich hinaus gehe, werde ich die Augen offen halten.>


    Irgendwie finde ich die Aussicht, das Amulett könnte sich noch immer bei dem Wagen befinden, etwas naiv, aber er wird seine Gründe dafür haben.


    Mudam sagte mir, ich sollte bei Olon im Außenhof vorbeischauen, also sollte ich das auch tun. Er steht bei den Händlern auf der Ostseite des Hofes.
    <Guten Tag, werter Herr. Sagt, seid ihr Olon?>
    <Kommt darauf an, wer das wissen will.>
    <Mein Name ist Markus aus Elythria und ich bin neu in dieser Burg. Ich bin der Bruder von Corvus, ihr habt vielleicht von ihm gehört.>
    <Wer hat das nicht? Und? Was wollt Ihr von mir?>
    <Ich unterstehe dem Befehl von Mudam und werde mich bald nach draußen ins Dorf begeben und er sagte mir, dass Ihr vielleicht ein paar nützliche Informationen für mich hättet.>
    <Das sagt er, ja?>
    <In der Tat. Er sagte, ich sollte Olon den "Händler" aufsuchen. Könnt Ihr Euch vorstellen, warum er das Wort Händler dabei so komisch ausgesprochen haben könnte?>
    <Nun, da wo ich herkomme, war ich eher als Meister der Fingerfertigkeit bekannt.>
    <Heißt das, Ihr wart Dieb?>
    <Mir hat die Berufsbezeichnung Gauner immer besser gefallen.>
    <Nun gut, was sind das für Informationen, die Ihr mir geben könnt?>
    <Nur nicht so schnell, mein Junge. Informationen sind mein Geschäft und in der Regel nicht billig.>
    <Hört mal, ich verdiene nur Soldatensold. Ich will nicht Euren Laden kaufen, ich möchte nur verhindern, dass mir im Dorf etwas passiert, worauf ich mit den nötigen Informationen hätte vorbereitet sein können...>
    <Klug gesprochen. Nun gut, wenn Mudam Euch aufgetragen hat, Euch mit mir zu unterhalten, dann setzt er sicher auf meine gute Menschenkenntnis. Und ich denke, Ihr werdet es noch weit bringen hier in Avalon; und wir beide werden davon profitieren.>
    <Was meint Ihr damit?>
    <Nicht so wichtig. Nun zu den Informationen. Ich sagte ja, dass Informationen mein Geschäft sind, aber es geht nicht immer nur um Geld. Geschäfte kann man auch mit Gefallen bezahlen.>
    <Ihr wollt, dass ich Euch einen Gefallen tue, damit Ihr mir Informationen über das Dorf gebt?>
    <Euer Verstand ist genauso schnell wie meine Finger, Markus.>
    <In Ordnung. Was ist das für ein Gefallen?>
    <Eine Freundin von mir hat ein Problem. Es wäre nett, wenn Ihr Euch ihrer annehmt und versucht, ihr zu helfen. Ihr Name ist Pell. Sie ist meist bei der Pferdekoppel zu finden. Wenn Ihr ihr geholfen habt, werde ich Euch Informationen geben.>
    <Wir werden uns bald wiedersehen, Olon.>


    Fürwahr ein komischer Kauz. Ein Halsabschneider, wie er im Buche steht. Obwohl, einen Mann wie ihn auf meiner Seite zu haben, wäre sicher nicht schlecht. Informationen kann man immer gebrauchen - und Olon scheint DER Mann zu sein, wenn man Informationen nötig hat - auch wenn er dafür seinen Preis fordert...

    • Official Post

    Olon scheint ein Mann von Wort zu sein und er erwartet sicher von seinen Mitmenschen, dass sie auch zu ihrem Wort stehen. Das scheint besonders für die Art Leute zu gelten, die ihm einen Gefallen schuldig sind. Aber wie sagte Olon selbst: "Einen Gefallen erwidere ich immer!" Ich kann es nicht oft genug betonen - ich glaube, dass ich noch das eine oder andere Mal in seiner Schuld stehen werde...


    Nun, um von Olon ein paar Kenntnisse über das Dorf zu bekommen, soll ich einer Freundin von ihm helfen. Pellandrian, Magierin aus Fornax.
    Er sagte, sie trüge ein blaues Kleid und sei immer bei den Pferden an der Südkoppel zu finden. Nunja, ein blaues Kleid sollte in diesem sonst so kargen Hof wohl eindeutig herausspringen.
    Und da steht sie auch schon - eine schlanke, junge Frau mit blauem Kleid und langen feuerroten Haaren. Eine Augenweide ist sie, ganz ohne Frage. Doch Olon sagte mir, dass sie eine der mächstigsten Zauberinnen sei, denen er je begegnet ist und er hält sie in gewissem Maße für nicht ungefährlich...


    <Verzeiht, Mylady.>
    <Oh, wer seid Ihr denn? Ich möchte momentan keinen Besuch. Geht wieder.>
    <Olon schickt mich. Er sagte, dass Ihr vielleicht Hilfe bei etwas benötigt.>
    <Olon, Gott sei Dank. Ich dachte schon, er hätte es vergessen.>
    <Nun, wollt Ihr mir nicht einfach erzählen, was Euch bedrückt?>


    Was ich von ihr erfahre, ist zuviel, um es hier niederzuschreiben. Es geht um ihre Beziehung zu einem Mann namens Lahren. Sie verliebte sich einst in ihn und er sich in sie. Doch auf der Reise nach Avalon gab es einen Zwischenfall. Ihr Treck wurde von Sha'ahoul angegriffen und Pellandrian setzte sich zur Wehr. Doch was sie freisetzte, versetzte alle - Lahren inbegriffen - in einen Schock. Die meisten Sha'ahoul-Leichen konnten am Ende nicht einmal mehr erkannt werden. Sie wusste wohl selbst nicht, wie stark sie ist.
    Nun, auf jeden Fall hat dieser Zwischenfall einen Pflock in die Liebe zwischen Lahren und Pell getrieben. Lahren, der einst selbst Magier war, schwor von da an der Zauberei ab, um sich ganz dem Leben eines Schriftkundlers und Gelehrten zu hinzugeben.


    Bei dem folgenden Gespräch mit Lahren erfahre ich, dass er jegliches Selbstbewusstsein verloren hat. Zumindest, was Pell angeht.
    Pell, so nennt er sie, denn der Name Pellandrian ist ihm zu lang.
    Er würde ihr so gerne sagen, was er noch für sie empfindet, aber er glaubt, sie würde ihn hassen. Hassen dafür, dass er sie nach dem Überfall verlassen hat - innerlich zumindest.


    Der langen Rede kurzer Sinn: meine Aufgabe besteht darin, die beiden wieder zusammenzubringen. Mein Plan sieht folgendermaßen aus:
    Ich möchte, dass Lahren zu Pell geht und ihr ein Zeichen seiner Liebe überbringt. Er will, dass es etwas ist, dass die Farbe blau an sich hat, denn Pell liebt blau über alles.

    • Official Post

    Nachdem ich Pellandrian und Lahren über ihre Liebe zueinander ausgefragt habe, sollte ich wieder zu Olon gehen und ihn über meine Fortschritte unterrichten.


    <Ihr kehrt schon zurück, Markus?>
    <Habt Ihr mich jetzt noch nicht erwartet, Olon?>
    <Nun, dass Ihr Pell so schnell helfen konntet, hätte ich nicht erwartet.>
    <Tja Olon, genau da liegt das Problem. Es ist nicht an Pell, sondern an Lahren. Er liebt Pell, doch hat er scheinbar überhaupt kein Selbstvertrauen mehr, es ihr ins Gesicht zu sagen.>
    <Und wie gedenkt Ihr, dieses Debakel zu lösen?>
    <Ich habe Lahren vorgeschlagen, er solle Pell ein Geschenk zum Zeichen seiner Liebe überbringen. Er sagte, sie liebt blau. Aber wo soll ich hier etwas auftreiben, was sich als Geschenk lohnt?>
    <Ihr könntet es im Dorf versuchen.>
    <Im Dorf??? Aber dort draußen ist alles zerstört!>
    <Ich meine ja auch nicht in den Häusern. Wenn Ihr dort draußen Sha'ahoul begegnet, könntet Ihr sie ja vielleicht ein wenig durchsuchen.>
    <Ihr meint, ich soll Leichenfledderei begehen?>
    <Nennen wir es einfach "Zurückholen von gestohlenem Gut".>
    <Ich kann es ja versuchen. Vermutlich haben die sowieso nichts bei sich. Habt vielen Dank Olon, ich...>
    <Nicht so schnell, Markus. Ihr wolltet doch Informationen über das Dorf haben und jetzt rennt Ihr einfach so davon?>
    <Was könnt Ihr mir denn sagen, Olon?>
    <Nun, zum einen könnt Ihr den Friar Massus von der Kapelle zum Dorf befragen. Er hat dort in der Kirche immer seine Messen abgehalten und kennt sich sehr gut im Dorf aus. Und zum zweiten habe ich gehört, dass die Mönche Hilfe benötigen. Auch die könnten Euch helfen.>
    <Habt vielen...>
    <Und nochmals Moment, Markus! Wenn Ihr jetzt bald aufbrecht, um das Dorf zu infiltrieren, habe ich noch einen kleinen Auftrag für Euch.>
    <Noch ein Auftrag?>
    <Nicht so spöttisch, wenn ich bitten darf. Es wird sich nicht nur für mich, sondern auch für Euch lohnen, Markus. Haltet bitte im Dorf Ausschau nach einem Haus, das gegenüber den anderen Häusern noch ziemlich intakt ist. Ihr werdet dort drinnen eine verschlossene Truhe finden. Der Schlüssel kann nicht weit sein. Schließt die Truhe auf und bringt mir anschließend den Schlüssel wieder. Den Inhalt der Truhe dürft Ihr behalten, quasi als Entschädigung.>
    <Ich werde die Augen offen halten. Habt Dank, Olon. Mögen die Geister Euch beschützen.>


    Dieser Kerl kann einen manchmal in den Wahnsinn treiben. Dabei kenne ich ihn erst seit kurzem. Andererseits sind seine Informationen wirklich nützlich. Ich kann es kaum erwarten, bis er MIR mal einen Gefallen schuldet...


    Olon sagte, ich sollte den Friar Massus und die Mönche über das Dorf ausfragen. Aber da ich gerade im Außenhof bin, möchte ich mich vorher noch mit einigen Leuten bekannt machen. Dem Schmied zum Beispiel.


    <Guten Tag, Schmied.>
    <Ach, wieder ein neuer Rekrut. Bei mir gibt es keine Schwerter. Die bekommt Ihr bei Winchell, dem Quartiermeister.>
    <Oh, da war ich schon und ich habe dort auch ein Schwert bekommen.>
    <Ach, und was wollt Ihr dann von mir?>
    <Ich sehe mich nur um. Ich bin neu hier und Euch kenne ich noch nicht.>
    <Nun, mein Name ist Freeman und ich bin einer von Avalons Waffenschmieden.>
    <Es gibt mehr als nur einen Schmied in Avalon?>
    <Die Burg ist groß. Außer mir gibt es noch Lucan, er rüstet die Soldaten am Südtor aus. Und dann wäre da noch Tempest im Bergfried. Er fertigt die Waffen für die Ritter und die Thronwache an.>
    <Ihr sagtet eben, bei Euch gäbe es keine Schwerter für Neuankömmlinge. Warum nicht?>
    <Weil wir knapp an gutem Stahl sind. Kurzum, wir müssen sparen.>
    <Wann war die letzte Stahllieferung?>
    <Das weiß ich schon gar nicht mehr. Wir sollten noch Nachschub mit einem der Schiffe bekommen, aber es ist nie in Avalon angekommen. Wir nehmen an, dass die Sha'ahoul es versenkt haben.>
    <Schade, ein gutes Schwert könnte ich im Dorf gut gebrauchen.>
    <Ihr geht ins Dorf? Hört zu, ich habe Gerüchte gehört, es soll im Dorf noch einen geheimen Vorrat an Stahl geben. Es mag nur ein Gerücht sein, aber wenn Ihr die Augen offen haltet, könntet Ihr das Versteck eventuell finden. Wenn Ihr mir den Stahl bringt, mache ich Euch ein gutes Schwert, das verspreche ich Euch.>
    <Versteckt, sagt Ihr? Könnt Ihr mir nicht eine Karte vom Dorf zeichnen, damit ich mich besser zurechtfinde?>
    <Unmöglich. Ich habe viel zu tun und außerdem ist das Dorf total zerstört, sodass dort eh alles anders aussieht wie früher. Haltet einfach die Augen offen und meldet Euch bei mir, falls Ihr den Stahl findet. Lebt wohl.>


    Die Aussicht auf ein gutes Schwert sollte ein kleiner Ansporn sein. Jetzt sollte ich aber schleunigst Informationen über das Dorf einholen. Olon erwähnte den Friar Massus. Mein Weg führt mich also in die Kapelle.


    Bruder Massus hatte wirklich nützliche Informationen über das Dorf, aber er hatte auch eine Bitte an mich: Ich soll ein Artefakt aus der Kirche bergen, sofern es noch nicht in die Hände der Sha'ahoul gefallen ist - den "Kelch des Lebens". Ein geweihter Goldkelch, dem die Avalonier magische Kräfte zusprechen. Wenn ich ihn wiederbeschaffe, würden die Soldaten wieder neuen Mut fassen, sagte Massus.
    Mein nächstes Ziel ist nicht unweit der Kapelle: die Krankenstation. Die Mönche des avalonischen Klosters fungieren in Kriegszeiten als Heiler und versorgen die Verletzten.
    <Hallo, junger Herr. Mein Name ist Bruder Mo. Was führt Euch zu uns?>
    <Sowohl die Neugier als auch die Tatsache, dass ich Informationen über das Dorf suche. Ich gehe in Kürze dort hinaus, um meinen Bruder zu suchen.>
    <Leutnant Corvus? Ich habe davon gehört und bin sehr erschüttert. Aber wie kann ein Ordensmann Euch helfen?>
    <Wisst Ihr etwas über das Dorf, dass mir weiterhelfen könnte?>
    <Ich nicht, aber der Friar Massus könnte Euch helfen.>
    <Von ihm komme ich gerade.>
    <Dann habe ich nichts, was Euch nützen könnte. Aber Ihr könntet uns helfen, wenn es Eure Zeit erlaubt. Unsere Heilmittelvorräte neigen sich dem Ende und wir kommen nicht aus der Burg hinaus, um Heilkräuter zu sammeln. Wenn Ihr ins Dorf hinaus geht, könntet Ihr bitte Ausschau nach meinem alten Kräutergarten halten? Sofern er noch nicht zerstört ist, wachsen dort Büsche mit Knollen, die eine heilende Wirkung haben.>
    <Ich werde die Augen offenhalten. Avalons Heiler sind für unser Überleben entscheidend. Mögen die Götter Euch beschützen, Bruder Mo.>


    Nun, ich sollte mich beeilen, es ist schon dunkel und ich sollte die Nacht nutzen, um unbemerkt durch das Dorf zu schleichen. Da ich, um nach draußen zu gelangen, eh durch das Südtor muss, kann ich dort gleich noch einige Besuche machen.
    Der Schmied Lucan erzählt mir leider das gleiche, was Freeman mir bereits sagte. Stahl ist knapp und Schwerter sind rar. Aber einen relativ guten Schild konnte er mir geben. Außerdem war er bereit, mich ein wenig in seinen Kampfkünsten zu unterrichten. Er war früher selbst Soldat und ein Kampftraining ist vor dem Aufbruch ins Dorf sicher sinnvoll.
    Elarath erwähnte, dass ein Freund von ihm, der Seher Elazar, im Obergeschoss des Südtores wohnt. Ihn sollte ich auch besuchen.
    Vor seinem Gemach steht ein kräftiger Mann mit einem schweren Morgenstern. Ist das der Bewacher eines Magiers? Die brauchen doch gewöhnlich keinen Schutz...
    <Verzeiht Herr, mein Name ist Markus aus Elythria. Wer seid Ihr?>
    <Mein Name ist Calum, Befehlshaber der Torwache und Schlüsselmeister.>
    <Ist dies das Gemach des Sehers Elazar? Ich muss dringend zu ihm.>
    <Ja. Aber Ihr dürft ruhig an mir vorbei gehen. *grinst von einem Ohr zum anderen* Ich bin nicht seine Leibwache. Ich habe mir nur eine kurze Auszeit zum Verschnaufen gegönnt.>
    <Vielen Dank, gehabt Euch wohl.>


    <Verzeiht. Zauberer Elazar?>
    <Was habt Ihr hier zu suchen?>
    <Ich bin Markus. Elarath schickt mich. Er sagte, Ihr hättet vielleicht Informationen über meinen Bruder für mich.>
    <Ja, das habe ich. Ich hatte kürzlich eine Vision, in der Euer Bruder durch das Dorf gehetzt wurde. Er wurde schwer verwundet, aber ich kann seine Lebenskraft noch spüren.>
    <Das heißt, er ist noch am Leben?>
    <Soviel ich sagen kann, ja. Es sind zwar nur Visionen, aber sie haben bisher immer die Wahrheit gezeigt. Ich glaube, dass Euer Bruder noch lebt, aber er ist schwer verletzt. Es steht nicht gut um ihn. Wenn Ihr ihn finden wollt, dann beeilt Euch.>
    <Vergelts Gott, guter Seher. Ich stehe in Eurer Schuld.>


    Jetzt ist es an der Zeit, durch das Tor zu schreiten und das Ungewisse zu betreten. Aber beim Hinuntergehen der Treppe fallen mir zwei Wachen auf, die den Gang in den Südtor-Keller bewachen. Beim Nähertreten pöbeln sie mich an.
    <Verzieht Euch, Knabe.> <Ja, verschwindet. Kein Zutritt!>
    <Danke für die Warnung, Jungs. Verschwendet ja keine Zeit für Freundlichkeiten.>


    <Psst.>
    <Was? Wer?>
    <Hier drüben, Sir.>
    <Wer seid Ihr?>
    <Mein Name ist Holt. Wenn Ihr eine gute Rüstung braucht, bin ich der richtige Mann für Euch. Niemand hat bessere Waren als der gute Holt.>
    <Dann lasst Eure Ware sehen, Holt.>
    Die Rüstungen, die Holt auf Lager hat, sind von ausgezeichneter Qualität, aber seine Preise übersteigen den Sold eines Soldaten um Längen.
    <Sagt mal, teurer hättet Ihr sie wohl nicht machen können, was?>
    <Das ist 1A Qualität. Und Qualität hat eben ihren Preis.>
    <Ihr erinnert mich irgendwie an jemanden, den ich kenne.>
    <Ach, Ihr meint sicher Olon. Ich habe mit ihm gelegentlich geschäftlich zu tun.>
    <Lassen wir das. Wisst Ihr zufällig, was die beiden Wachen dort drüben bewachen? Sie sind ziemlich unfreundlich.>
    <Keine Ahnung, aber sie gehören zu General Ovorons Leuten. Ovoron ist ja nicht zurückgekehrt, aber die beiden rühren sich keinen Millimeter. Ich weiß nicht, was dort unten ist, aber wir hören seltsame Kratzgeräusche aus dem Keller. Vielleicht Ratten...>
    <Oder wieder Käfer.>
    <Wie meinen?>
    <Ach, nichts. Vermutlich haben sie nur den selben Job, den ich neulich in der Küche verrichtet habe. Habt vielen Dank, Holt.>


    Nun wird es aber allerhöchste Zeit, zu gehen. Ich rufe noch schnell der Torwache hoch, sie solle das Tor aufziehen. Mit einem ohrenbetäubenden Knatschen öffnet sich das Eisengitter und vor mir liegt ein Trümmerfeld, wo früher einmal ein Dorf stand...

    • Official Post

    Es ist schon sehr dunkel und ich kann kaum die Hand vor meinen Augen erkennen. Einige hundert Meter vor mir kann ich die Silhouetten der Ruinen der Häuser sehen. Dass hier einmal ein blühendes Dorf stand, in dem reges Treiben herrschte...
    Für gewöhnlich stehen hier vor dem Südtor zwei schwer bewaffnete Männer Wache, aber in diesen Zeiten wurden sie vom Tor abgezogen. Die Sha'ahoul-Kundschafter würden sie aus der Dunkelheit heraus sicher sofort mit ihren Pfeilen töten.
    Ich weiß nicht, was mich dazu bewegt hat, hier hinaus zu gehen, aber der Gedanke, meinen Bruder lebend zu finden, lässt mich an meiner Mission festhalten. Ich sollte mich möglichst nicht in offenem Terrain aufhalten, sondern in der Dunkelheit den Schutz der Hausmauern suchen. Allerdings sollte ich auf der Hut sein - in den Häusern halten sich mit Sicherheit Feinde versteckt. Um ehrlich zu sein, erwarte ich Letzteres sogar.
    Das erste Haus, dass ich passiere, steht glücklicherweise schon mal leer. Der Eingang in den Keller ist durch Schutt versperrt. Hier erwarten mich keine Überraschungen. Hinter dem Haus befindet sich ein verwilderter Kräutergarten. Ist dies vielleicht das Haus von Bruder Mo? Ich muss den Garten durchsuchen, vielleicht wächst dieses Heilkraut noch hier, von dem der Mönch gesprochen hat.
    Beim Betreten des Gartens hätte ich mit Feindeskontakt gerechnet, jedoch nicht damit: überall zwischen den Sträuchern laufen seltsame Tiere herum. Tiere, die sich über die Kadaver von Ratten und Kaninchen hermachen. Sie gehen mir bis zur Taille! Sie müssen mich gewittert haben, denn sie greifen mich einer nach dem anderen an... Doch gegen eine Klinge haben sie wenig Chancen und nach ein paar Minuten sind die Viecher tot - genau wie die Käfer im Küchenkeller. Und dort hinten ist auch der Strauch, von dem Bruder Mo sprach! Und es sind tatsächlich noch 2 Knollen eines Krautes daran.
    Bevor ich mich weiter hinaus ins Dorf begebe, sollte ich diesen Fund sofort den Mönchen melden. Denn damit können sie sicher etwas mehr gegen die Wunden der Soldaten unternehmen.


    Die Torwache zögert, das Tor aufzuziehen. Verständlich in diesen Zeiten. Als sie jedoch sehen, dass ein Soldat Avalons Einlass erbittet, wird das Tor hochgezogen.
    (Ich werde dem Torwächter eine Kanne Schmieröl bringen müssen - dieses Knarren macht einen Mann ja taub...)


    <Ihr seid aber schnell wieder zurück, Markus. Habt Ihr kalte Füße bekommen?> ruft es mir von den Zinnen entgegen.
    <Nein, aber Ihr könnt mir gern Gesellschaft leisten, dann könnt Ihr Euch selbst von den Schrecken des Dorfes überzeugen!>
    <Ihr könnt hier aber nicht alle paar Minuten ein und aus gehen. Das Öffnen des Tores ist ein Kraftakt, dass kann ich Euch versichern!>
    <Ich bin nur hier, um den Mönchen etwas Wichtiges zu bringen. Wenn ich gleich wieder hinaus gehe, werde ich wohl einige Zeit weg sein - dann könnt Ihr erst einmal verschnaufen.>


    Mein Gott, diese Kerle sind wirklich zu bedauern. Stehen den ganzen Tag auf ihrem Posten und müssen gelegentlich ein wenig Kraft aufwenden, um das Tor aufzuziehen...
    Wo ich schon einmal wieder im Südtor bin, werde ich nochmals den Seher Elazar aufsuchen. Ich glaube, er könnte mir bei einer weiteren Suche behilflich sein...


    <Was wollt Ihr denn schon wieder hier? Ich habe Euch bereits alles über Euren Bruder gesagt, was ich weiß!>
    <Deswegen bin ich auch nicht hier, Seher. Ihr kennt doch Elarath?>
    <Selbstverständlich, wir sind befreundet. Außerdem gehören wir derselben Innung an.>
    <Er sagte mir kürzlich, ich sollte im Dorf nach einem Gegenstand suchen, den er bei seiner Flucht verloren hatte. Es handele sich um ein altes Amulett. Ich dachte, Ihr könntet mir vielleicht etwas über seinen Verbleib sagen. Ich meine, durch Eure hellseherischen Fähigkeiten wäre es Euch vielleicht möglich, das Amulett ausfindig zu machen.>
    <Ha! Dafür brauche ich keine Visionen. Der alte Zausel... Hier, dies ist vermutlich das Amulett, das Elarath sucht.>
    <Was hat das zu bedeuten?>
    <Elarath hat mir das Amulett gegeben, als wir fliehen mussten. Ich sollte es für ihn verwahren, damit er es nicht verliert. Gebt es ihm mit meinen besten Wünschen. Und sagt ihm, dass die Mönche etwas haben, dass gegen Vergesslichkeit hilft.>
    <Danke, Elazar. Er wird sich sicher freuen. Zumindest über das Amulett. Gehabt Euch wohl.>


    Na, das hätte ja schön enden können... Vermutlich hätte ich im Dorf jeden Zentimeter nach diesem blöden Gebimmsel abgesucht und wäre am Ende von einem Sha'ahoul-Pfeil aufgespießt worden. Aber nun hat sich das ja erledigt - eine kleine Sorge weniger. Jetzt aber erst einmal zu den Mönchen.


    <Belinda, wo ist Bruder Mo?>
    <Dort drüben. Er hilft Bruder Kay.>


    <Markus. So schnell wieder zurück? Hat Euch etwa der Mut verlassen?>
    <Fangt Ihr bitte nicht auch noch an. Ich habe etwas für Euch. Deshalb bin ich so schnell zurück gekommen.>
    <Das Heilkraut! Den Göttern sei Dank. Dann existiert mein Kräutergarten also noch? Haben ihn die Wilden noch nicht geplündert?>
    <Nun, die Wilden nicht. Aber Euer Garten ist von unbekannten Kreaturen bevölkert, vermutlich Aasfresser. Sie waren sehr groß und griffen mich an. Aber an Euer Kraut bin ich trotzdem gekommen.>
    <Nur zwei Knollen? Nun ja, wir sollten dem Schöpfer danken für alles, was uns helfen kann. Aus einer Knolle kann ich genug Saft pressen, um es den Verwundeten zu geben. Die zweite Knolle gebe ich Euch.>
    <Aber was soll ich damit? Ihr könnt doch damit den Verletzten helfen.>
    <Falls Ihr Euren Bruder findet und er schwer verletzt ist, gebt ihm das zu essen. Es wirkt fiebersenkend und schmerzstillend. Es schmeckt zwar wie eine alte Socke, aber wie heißt es doch so schön: "Was nicht schmeckt, hilft!"
    <Wie Recht Ihr habt, Bruder Mo. Ich danke Euch.>
    <Oh, ich danke Euch. Ihr habt ein gutes Werk getan und ich glaube, Ihr werdet noch viel Gutes tun in Eurer Zeit in Avalon. Möge Euch der Herr beschützen.>


    Die Freundlichkeit der Mönche ist erfrischend und das Lob von Bruder Mo geht runter wie Balsam.
    Nun aber schnurstracks zu Elarath und das Amulett abgeben.


    <Elarath. Verzeiht mein Eindringen.>
    <Aber Markus, Ihr stört doch nicht. Wie könnte ich meinem jungen Schüler denn den Eingang verwehren?>
    <Nun, ich bin eher ein Krieger, Elarath. Ich glaube nicht, dass ich als Zauberlehrling viel taugen würde. Zwar reizt mich die Magie ein wenig, aber ich töte meine Feinde lieber mit dem Schwert, wenn Ihr versteht.>
    <Oh ja, natürlich. Aber Ihr seid doch sicher nicht so schnell zurückgekehrt, um mit mir zu plaudern.>
    <Nein, natürlich nicht. Nach einem harten Kampf ist es mir gelungen, Euer Amulett zurückzubekommen!>
    <Oh, hatte der Feind es in seiner Obhut? Musstet Ihr viele Feinde töten, um es zurück zu erhalten?>
    <*lach* Nein, Elarath. Um ehrlich zu sein, Euer Freund Elazar hatte es in Verwahrung. Er sagte mir, Ihr solltet vielleicht etwas gegen Eure Vergesslichkeit unternehmen.>
    <Stimmt, das wollte ich vor einiger Zeit schon tun. Doch leider ist mir das wohl entfallen...>
    <Ähm, ja. Gut Elarath. Viel Glück bei Eurem Portal, ich muss jetzt wieder ins Dorf hinaus. Gehabt Euch wohl.>
    <Ja, Ihr auch, Markus. (wo hab ich das Amulett gerade eben hingelegt?...)>


    Ein zauseliger, aber fürwahr freundlicher alter Knabe, dieser Elarath. Doch ich glaube, dass hinter dieser senil wirkenden Hülle ein sehr fähiger Zauberer steckt, der sicher mehr auf dem Kasten hat als so manch junger Magier. Immerhin kommt er aus Fornax, dieses Königreich bringt seit Jahrhunderten die besten Magier hervor.


    Nun ist es aber an der Zeit, mich wieder hinaus ins Dorf zu wagen. Es ist schon spät und ich möchte zurück sein, bevor der Morgen graut. Denn das Tageslicht könnte meine Mission um so gefährlicher machen...

    • Official Post

    Ich sollte schnell durch das Südtor laufen, bevor Holt mir wieder eine seiner teuren Rüstungen andrehen will...
    Die Torwache guckt ein bisschen streng, weil ich schon wieder passieren muss.
    Solang ich nicht wieder in 5 Minuten zurückkomme, werden sie mich wohl wieder reinlassen.


    Das Dorf wirkt nun noch gruseliger als bei meinem letzten Ausflug. Aber ich habe eine Mission und ich darf nicht ängstlich sein!
    Ich schleiche mich so leise wie möglich an den Häusermauern vorbei, zumindest waren es einmal Mauern. Jetzt sind es nur noch Ruinen, vernichtet durch Feuer und Axt... Das Haus von Bruder Mo habe ich ja bereits unter die Lupe genommen, doch das Dorf ist groß und ich weiß nicht, was mich erwartet.
    Man kann immerhin noch die Straße erkennen, die früher durchs Dorf führte.
    Als ich ein Haus infiltriere, dass direkt links an der Straße liegt, höre ich knackende Geräusche. Sie klingen wie Schritte. Sollte ich hier vielleicht meinem ersten Feind begegnen? Ich weiß ja nicht einmal, wie die Sha'ahoul aussehen und wie kräftig sie sind. Von ihrer Bewaffnung ganz zu schweigen...


    Mein Gehör hat mich nicht getäuscht - es waren tatsächlich Stiefelschritte, die ich gehört habe. Als ich durch den Hauseingang schaue, sehe ich jemanden mitten im Raum stehen. Eine Kreatur, ungefähr so groß wie ein Mensch, aber die Haut ist grünlich und über und über tätowiert. Sein Gesicht hat keine menschlichen Züge und er hat 2 große Reißzähne am Mund. Diese Sha'ahoul müssen zur Gattung der Orks gehören. Oder zumindest eine Mischlingsrasse. Denn normale Orks sind kleiner als Menschen.
    Ich muss mich leise anschleichen und ihn überraschen. Obwohl das Meucheln eines Gegners so gar nicht im Sinne eines Kriegers ist. Aber mit einem Kampfschrei auf ihn loszustürmen wäre höchst unklug. Vermutlich würde das sofort weitere Krieger alamieren und im Nu hätte ich die ganze Meute am Hals...
    Er hat mich glücklicherweise noch nicht gesehen. Ich schleiche leise durch den Raum, Zentimeter für Zentimeter an meinen Feind heran. Er merkt nichts. Doch eine knarrende Holzbole auf dem Fußboden verrät mich! Durch das Knacken aufgeschreckt fährt der Sha'ahoul sofort um sich und zieht seine Waffe.
    Ich weiß nicht, ob ich in genau diesem Moment glücklich darüber sein soll, endlich meine Kampfausbildung testen zu können. Sei es, wie es sei - Respekt sollte man vor jedem Gegner haben, auch wenn er nur mit einer Handaxt ausgestattet ist, so wie dieser Feind vor mir.
    Er stürmt auf mich los und schwingt seine Axt, doch weit kommt er damit nicht. Jetzt zahlt sich alles aus, was mein Vater mich früher gelehrt hat. Dass Ausweichen genau so wichtig ist wie das Angreifen. Als der Sha'ahoul ins Leere schlägt, hat er diese Schlacht bereits verloren. Ein kräftiger Schwerthieb in den Rücken, als er an mir vorbeistolpert, bedeutet sein Ende. Und nun überkommt mich der Gedanke, dass so ein Ende auch mir vorbestimmt sein könnte. Denn nicht alle Sha'ahoul werden so leicht zu besiegen sein... Außerdem sah dieser Gegner eher nach einem Kundschafter aus. Er trug nur eine Patchwork-Hose, gefütterte Stiefel und ein Lederbandelier am Oberkörper.
    Doch was ist das? Er hat eine kleine Tasche am Hosenbund. Mir kommt in den Sinn, was Olon mir sagte. Vielleicht hat dieser Feind ja eine wertvolle Kleinigkeit bei sich. Und tatsächlich! Ein Fingerring befindet sich in der Tasche. Ich weiß nicht, wem er einmal gehörte und ob der Besitzer den Ring vermisst. Doch in Kriegszeiten nimmt jeder an sich, was er kriegen kann - solange es kein Diebstahl ist. Und der Tote vor mir kann mit diesem Gegenstand nicht mehr viel anfangen.
    Als ich den Ring überstreife, überkommt mich ein seltsames Gefühl... Aber kein schlechtes Gefühl - ganz im Gegenteil. Ich spüre, dass sich mein Wohlbefinden verbessert und ich fühle mich ein wenig stärker. Bilde ich mir das nur ein? Oder ist dies einer von vielen Zauberringen, die überall verstreut zu finden sind? Zauberringe sind in den sieben Königreichen nicht selten, man findet sie überall und die Sha'ahoul sind vermutlich ganz wild danach. In den letzten Jahrhunderten gab es viele Ringe, die von Magiern, oder jene die sich dafür hielten, mit einem Zauber belegt wurden.
    Gut, ich sollte weitergehen und das Dorf absuchen. Ich rechne damit, dass überall im Dorf noch Sha'ahoul herumlungern.


    Glücklich über diesen Fund und den Sieg über meinen ersten Gegner verlasse ich stapfend das Haus. Dass dies nicht die klügste Art und Weise ist, ein Haus zu verlassen, wenn man unerkannt bleiben will, wird mir schnell bewusst, als eine Schwertklinge an meinem Kopf vorbeisaust und sich neben mir in den Türpfosten bohrt. Um ein Haar hätte er mich erwischt. Dieser Sha'ahoul ist jedenfalls besser auf der Hut als sein Vorgänger - und leider auch als ich... Das Überraschungsmoment lag eindeutig auf seiner Seite - ich habe ihn gar nicht wahrgenommen. Der Kampf mit ihm entpuppt sich als wesentlich schwieriger als der vorige. Aber es handelt sich auch nur um einen Kundschafter und wieder einmal zeigt sich, dass sich meine Ausbildung gelohnt hat. Auch dieser Gegner fällt durch mein Schwert. Es soll nicht der letzte gewesen sein...


    Je weiter ich mich ins Dorf vorwage, desto größer wird die Wahrscheinlichkeit, Feinde anzutreffen. Doch glücklicherweise verfügen die offensichtlich über wenig Kampferfahrung und stellen kein großes Problem dar. Doch ich sollte nicht leichtsinnig werden. Es werden mehr kommen. Und sicher auch Krieger, die schwerer zu töten sind. Und wenn ich den Gerüchten Glauben schenken kann, sollen die Sha'ahoul auch mächtige Magier hervorbringen, die sogenannen Sha'men. Sie sollen so stark sein, dass selbst erfahrene fornaxianische Zauberer Respekt vor ihnen haben.


    Was die Suche nach meinem Bruder betrifft: Ich hatte es mir ja schon schwierig vorgestellt, die Häuser zu durchsuchen, aber in den meisten Häusern gibt es auch noch einen Keller. Wenn ich mich vor Feinden verschanzen müsste, würde ich ein solches Versteck vorziehen. Möglich, dass Corvus sich in einem Keller befindet. Doch was in den meisten Kellern auf mich wartet, würde die meisten Leute zu Tode erstarren lassen...
    Jeder, der Angst vor Spinnen hat, würde einen großen Bogen um diese Kellerräume machen. Denn die werden nicht von gewöhnlichen Hausspinnen bewohnt, sondern von Riesenspinnen! Selbst für einen Krieger wie mich ist es doch ziemlich schwer, den Ekel vor den behaarten Monstern abzustreifen - insbesondere, weil diese Spinnen eine Größe von ca. 1 Meter haben. Doch diese Biester sind noch nichts im Vergleich zu den Kreaturen, die ich auf dem Friedhof antreffe.
    Ich habe ja schon viele Geschichten über Monster oder seltsame Kreaturen gehört, aber dies sind wahrlich schaurige Gesellen: Werwürmer. 2 Meter große Würmer, die aus dem Boden geschossen kommen, um ihre Beute zu verschlingen. Und diese Beute bin in diesem Falle ich! Aber nicht mit mir. Ein Krieger Elythrias lässt sich nicht von einem Wurm verspeisen. Meine Klinge ist scharf genug, diese Bestien zu vierteln.
    Das wird mir in der Burg doch niemand glauben. Werwürmer und Riesenspinnen... Ich sollte eine Spinne mitnehmen und in der Festung präsentieren. Doch den Gedanken, mit einer 1 Meter großen Spinne auf dem Rücken weiter durch das Dorf zu marschieren, verwerfe ich schnell wieder. Igitt!


    Der gute Olon hatte Recht, als er mir von einem fast intakten Haus erzählte. Hier mittem im Dorf steht tatsächlich ein Haus, das gegenüber den anderen Häusern noch relativ gut aussieht. Die Türen sind angelehnt. Ich muss vorsichtig sein, vielleicht versteckt sich ein Feind drinnen. Und tatsächlich steht ein Sha'ahoul mittem im Raum. Seiner Erscheinung nach muss es sich diesmal um einen Krieger handeln, denn er ist besser gerüstet und bewaffnet als seine Kumpane im Dorf. Diesmal liegt das Überraschungsmoment auf meiner Seite. Ich stürme auf ihn los. Doch dieser Krieger beherrscht sein Handwerk mindestens genauso gut wie ich. Der Kerl ist zäh. Erst nach einigen Minuten gelingt es mir, ihn zu überwältigen und ihm einen Schlüssel abzunehmen. In der Ecke eines Zimmers steht die Truhe, von der Olon gesprochen hat. Und der Schlüssel passt in das Schloss. Ich bin gespannt, was mich erwartet.


    Na toll. Ich renne durch das halbe Dorf, gehetzt von axtschwingenden Wilden, um was zu finden? Ein paar Stiefel! Die sollte ich Olon um seine langen Ohren hauen.
    Aber halt! Diese kohlrabenschwarzen Stiefel sehen seltsam aus. Und sie fühlen sich auch komisch an: das Leder ist so weich, dass man sich damit beinah lautlos bewegen kann. Gleichermaßen ist es jedoch so zäh, dass es Schwerthiebe abhält. Robust und doch leicht und weich. Können dies etwa die sagenumwobenen Schattenstiefel sein? Jenes Schuhwerk, dass schon seit Jahrhunderten existiert und irgendwann verloren gegangen ist? Und jetzt entdeckt von einem Krieger Elythrias - in einem avalonischen Haus...
    Olon sagte, ich darf den Inhalt der Truhe behalten und soll ihm lediglich den Schlüssel mitbringen. Diese Stiefel hätte ich sowieso behalten. Sie können mir sehr nützlich sein.


    Ausgerüstet mit dem wohl legendärsten Schuhwerk dieser Welt mache ich mich weiter auf den Weg durch das Dorf. Auf die Suche nach meinem verschwundenen Bruder...

    • Official Post

    Das Dorf ist größer, als es den Anschein hatte. Hinter der Siedlung befinden sich Felder und dahinter noch einige größere Bauernhöfe. Ich werde wohl nicht die Zeit haben, alles zu infiltrieren. Außerdem hat man uns gesagt, dass Avalon von einer Armee von über 10.000 Kriegern belagert wird - ich gehe davon aus, dass sich auf den Feldern die Heerschar befindet. Dort komme ich nie ungesehen durch... Also bleibt mir nichts anderes übrig, als mich im näheren Umfeld der Festung zu bewegen. Allein schon in Anbetracht der Tatsache, schnell zurückkehren zu können, sollte ich verwundet werden. Zu alledem wird General Ovorons Truppe wohl nicht zu weit in Feindesgebiet hineingeritten sein; und mich beschleicht dieses seltsame Gefühl, dass sich mein Bruder ganz in der Nähe befindet.


    Überall im Dorf haben sich Kundschafter der Sha'ahoul verschanzt. Und diese haben nicht nur gestohlene Güter bei sich, sondern auch Schriftrollen. Vermutlich sind es Befehle ihrer Vorgesetzten, sofern es bei Sha'ahoul auch Rangordnungen gibt. Über diese Rasse ist ja ziemlich wenig bekannt. Vielleicht werde ich Lahren fragen, er ist ja Gelehrter und zudem auch Linguist. Die Schriftrollen bestehen aus gegerbter Haut und sind in einer Sprache geschrieben, die ich nicht entziffern kann. Ich werde diese Schreiben vorerst an mich nehmen und bei meiner Rückkehr meinem Vorgesetzten präsentieren. Mudam wird sicher stolz auf mich sein.


    Der Friar Massus erwähnte seltsame Vorkommnisse in der alten Kirche - diese sollte ich besonders gründlich inspizieren. Ich denke nicht, dass er über die Werwürmer auf dem Friedhof Bescheid weiß, insofern meinte er sicher, dass die Sha'ahoul dort drinnen irgendwas treiben. Ich ziehe langsam und leise die schwere Kirchentür auf, die nach dem Angriff der Sha'ahoul nur noch in ihren Angeln hängt. Doch sie wirkt gegenüber den anderen Gebäuden ziemlich intakt; die Sha'ahoul müssen dieses Bauwerk als eine Art Kommandozentrale benutzen. Wieso sonst sollten sie die Kirche unversehrt lassen, die anderen Gebäude jedoch nicht?
    Im hinteren Teil des Kirchenschiffs, hinter dem Altar, stehen zwei Kundschafter, vermutlich Wachposten. Das Anschleichen kann ich vergessen... In der Kirche hallt jeder Stiefelschritt wie ein Echo nach. Und da haben mich die beiden Schurken auch schon bemerkt. Sie kommen brüllend und schwertschwingend auf mich zugestürmt. Bis jetzt hatte ich es immer nur mit einem Feind zu tun, aber jetzt muss ich mit 2 Gegnern zugleich fertig werden. Den einen zu bekämpfen und zeitgleich den anderen im Auge zu behalten, ist gar nicht so einfach - die beiden sind stark und zäh. Es gelingt mir jedoch, dem Schlag des einen auszuweichen, sodass sein Schwert seinen Kumpan trifft, der daraufhin leblos zu Boden sinkt. Jetzt ist es wieder ausgeglichen! Dachte ich zumindest....
    Das Kampfgebrüll der beiden Wachen und das Klirren unserer Klingen hat andere Sha'ahoul aufgeschreckt und jetzt stürmen noch zwei weitere Gegner auf mich zu! Na ganz toll - drei gegen einen; das ist nun doch ein wenig unfair. Ich kann mich nicht auf alle drei stürzen, ich muss mir ein bisschen Platz zum Bewegen schaffen. Es bleibt mir nichts andres übrig, als über die Kirchenbänke zu steigen.
    Jeder Zuschauer hätte dieses Bild sicher amüsant, oder zumindest faszinierend gefunden: 1 Krieger, gehetzt von 3 Angreifern, kraxelnd über Kirchenbänke... Aber so dumm es sicher ausschauen mag - ich denke, ich schlage mich ganz gut, als ich sehe, wie diese 3 Tölpel über die Bänke stolpern. Ich selbst habe leider die letzte Bank übersehen und falle rückwärts genau vor den Altar. Einer der Sha'ahoul stürmt auf mich zu und will mich durchbohren, doch meine Klinge war schneller. Ich ziehe mein Schwert aus seinem Körper und bin froh, nur noch die 2 anderen am Hals zu haben. Zu meinem Glück ist die letzte Kirchenbank unter mir auseinander gebrochen und ich kann sie anheben. Mit einem kräftigen Wurf trifft sie einen der beiden Angreifer und bricht ihm das Genick. Der andere hält sich tapfer, doch uns beiden geht langsam die Puste aus. Einige Minuten lang dreschen wir aufeinander ein, bis er versehentlich ins Stolpern gerät und ich ihm den Garaus machen kann. Er fällt rücklinks gegen einen Kerzenständer. Als sich dieser nach hinten biegt, höre ich ein lautes Knarren und eine Wand verschiebt sich hinter dem Kerzenständer. Dort geht eine Treppe hinunter...
    Hier unten ist tatsächlich Licht, ein paar Wandfackeln leuchten an den Wänden. Ein Zeichen dafür, dass die Sha'ahoul sich hier eingenistet haben.
    Als ich um die Ecke gucke, sehe ich einen Bogenschützen in einem Seitengang stehen. Der Kerl wird sicher nicht leicht zu überlisten sein. Bogenschützen sind meist gut auf der Hut... Wie soll ich bloß an ihn heran, ohne einen Pfeil abzubekommen? Ein Wurfmesser, dass ich einem Sha'ahoul im Dorf abgenommen habe, könnte Abhilfe schaffen. Er hat nicht einmal gezuckt. Zeit, mich neu zu bewaffnen. Sein Bogen und der Köcher kommen wie gerufen. Wer weiß, was mich in dem großen Raum dort hinten erwartet.
    Seltsam... Hier sind die Wände total schwarz und verrußt - so als hätte hier ein Feuer gewütet. Aber die Balken sind alle noch intakt. Und es ist unerträglich heiß hier unten. Was ist das?! Ich verstecke mich schnell hinter einer Ecke und hoffe, dass er mich nicht gesehen hat...
    Er - das ist kein Kundschafter und auch kein Krieger. Er ist seltsam gekleidet und von ihm geht eine starke Aura aus. Auch wenn ich kein Magier bin, kann ich es doch spüren. Dies muss ein Shaman sein. Einer jener mächtigen Sha'ahoul Zauberer, die so unglaublich stark sein sollen. Von ihm geht auch diese merkwürdige Hitze aus. Als ich um die Ecke blicke, sehe ich, dass er etwas in der Hand hält, auf das er Magie auswirkt. Es sieht aus wie ein Becher. Nein! - das ist der Kelch!!! Der Kelch des Lebens. Und er versucht, die Magie dieses heiligen Artefaktes einzufangen oder auszusaugen. Deshalb ist hier alles so verkohlt. Das war das Feuer des Shamans. Ich muss ihn aufhalten! Ich muss den Kelch retten. Wenn ich versage, wird mir das der Friar Massus niemals verzeihen... Meine Faust umklammert den Schwertgriff und ich kneife meine Augen zusammen. Wie soll ich diesen Gegner bloß bezwingen können? Ich weiß doch so ziemlich gar nichts über.... ?!
    Das ist es!!! Der Zauberspruch, den mich Elarath gelehrt hat: Lähmen. Das könnte die Lösung sein. Ich muss es versuchen. Mit Magie und Schwert muss ich ihn besiegen.
    An diesen Gegner kann ich mich nicht heranschleichen, er steht mitten im Raum. Mir bleibt nichts anderes übrig. Ich springe hinter der Ecke hervor und stehe genau im Eingang des Raumes, sodass er mich sehen kann. Er guckt ein bisschen verblüfft, er hat sicher keinen Besuch erwartet. Die Angst in mir schnürt mir die Kehle zu, aber ich darf mir nichts anmerken lassen. Der Schweiß läuft mir die Stirn hinunter. Ist es nur der Hitze wegen oder ist es der Angstschweiß? Das ist jetzt egal, ich muss den Kelch wiederbeschaffen. Ich darf keine Angst zeigen, sondern muss dem Gegner Angst einflößen.
    <Hey du! An deiner Stelle würde ich den Kelch lieber aus der Hand legen. Es sei denn, du möchtest, dass ich dich vierteile!>


    Er sagt etwas in einer Sprache, die ich nicht verstehe.
    <Nun gut, du hast es nicht anders gewollt!>


    Ich stürme auf ihn los, doch kann mich plötzlich nicht mehr bewegen. Ich kann alles um mich herum sehen, doch regen kann ich mich keinen Millimeter. Er muss den gleichen Zauberspruch beherrschen wie ich. Und er ist schließlich Magier. Ich muss mich doch irgendwie befreien können.
    Endlich verliert der Lähmen-Spruch seine Wirkung und ich kann mich wieder bewegen. Das merkt auch der Shaman, als er einen Schwertstreich an seinen Oberarm bekommt. Er schleudert mir 2 Feuerbälle entgegen und gleich ein paar fliegende Steine hinterher. Was ist das für eine Magie?!
    Er schleudert mit Feuer um sich, als wenn es ihm innewohnte. Mein Schild ist schon total verrußt. Ich muss es schaffen, ihm näher zu kommen. Ich muss ihn in Schwertreichweite bekommen. Er versucht es erneut mit einem Feuerball und rennt dabei auf mich zu. Das ist meine Chance! Ich weiche dem Feuerball in letzter Sekunde aus und belege ihn mit dem Lähmen-Zauber. Ich bin nicht so kundig in Magie und so hält der Zauber nur knappe 2 Sekunden an. Doch Zeit genug, ihn mit meiner Klinge zu durchbohren. Ich habe es geschafft - ich habe einen Shaman besiegt. Das war ganz schön knapp.
    Es handelt sich bei dem Becher in seiner Hand tatsächlich um einen goldenen Kelch, auf dem alte Runen eingraviert sind. Als ich ihn in die Hand nehme, spüre ich, wie eine starke Macht von ihm ausgeht. Er beginnt in meiner Hand zu leuchten. In der Hand des Shamans hat er nicht geleuchtet... Ist dies ein Zeichen? Was hat der Feind noch bei sich? Einen Siegelring. Das Siegel ist mir bekannt. Meine Eltern hatten mal ein Buch mit vielen verschiedenen Familiensiegeln. Es ist das Siegel von Latigid. Und dieser Ring soll laut einer Legende den Träger bzw. seine Rüstung leichter machen, sodass er sich besser bewegen kann. Was hat der Shaman noch dabei? Eine weitere Schriftrolle. Die werde ich auch an mich nehmen, wer weiß, welche Befehle in ihr stecken. Und er hat etwas am Revers seiner Weste: eine Art Orden. Oder ein Abzeichen. Das kommt mir bekannt vor. Dieses Abzeichen ähnelt denen, die wir Menschen benutzen. Ja, es ist das Abzeichen eines Leutnants. Die Sha'ahoul haben also auch Rangordnungen. Und sie benutzen fast dieselben Zeichen als Markierung für die Ränge. Dieser Shaman war also ein Leutnant. Irgendwie eine große Ehre für mich als Offizier, gegen einen Leutnant bestanden zu haben. Wenn er auch zu einer anderen Rasse gehört. Mein Bruder ist auch Leutnant und gegen ihn hätte ich nicht den Hauch einer Chance...
    Nun gut, es wird Zeit, wieder hinaus ins Dorf zu gehen, um nach meinem Bruder zu suchen. Außerdem muss ich dringend meine Wunden versorgen, die mir der Shaman zugefügt hat. Glücklicherweise war ich so wissbegierig auf den Heilspruch von Elarath. Doch was ist das da hinten?
    Dort ist eine Wand aufgestemmt worden. Dort führt ein Tunnel hinein. Gräbt dort jemand einen Tunnel? Doch wohin? Na klar doch - nach Avalon!!! Sie wollen uns überraschen, indem sie unterirdisch in unsere Festung graben... Das muss ich verhindern. Meine Wunden müssen warten. Jetzt gilt es erstmal diesen Arbeitern den Garaus zu machen.
    Diese Kerle waren im Gegensatz zu den Kundschaftern im Dorf nun wirklich kein Problem. Sie schienen mir normale Arbeiter zu sein, spärlich bekleidet und nur mit einer Pike zum Steine schlagen bewaffnet. Graben tut hier sicher keiner mehr. Doch ich muss schnell Mudam Bescheid geben, bevor noch mehr Sha'ahoul kommen und meine Tat bemerken.
    Einer der Arbeiter trug einen Fingerring, den er vermutlich beim Schürfen entdeckte. Er ist besetzt mit einem Saphir. Ein edles und teures Stück. Aber er eignet sich nicht zum Verkaufen, viel eher als Geschenk für Lahren. Ein Saphir ist blau und dies wäre genau das Richtige Geschenk, dass Pell annehmen würde.
    So, nun aber wieder raus ins Dorf. Mittlerweile überrascht mich hier wirklich nichts mehr...

    • Official Post

    Als ich die Kirche verlasse, fängt es am Horizont schon fahl an zu dämmern. Ich muss mich beeilen. Wenn der Tag herein bricht, steht meine Mission auf Messers Schneide. Bei Tageslicht bin ich hier nicht mehr sicher.
    Glücklicherweise habe ich den Großteil des Dorfes schon absuchen können.
    Aber es gibt noch einige Gebäude, die ich unter die Lupe nehmen muss. In einem der Häuser befindet sich ein ziemlich großer Kellerraum - dies muss die Vorratskammer eines Wirtshauses gewesen sein. Und auch dieser wird von Riesenspinnen heimgesucht. Sie sind nicht schwer zu töten, doch es ist schon ein schauriger Anblick, wenn eine riesige Spinne auf einen zugelaufen kommt.
    Dort hinten in der Ecke ist eine Truhe. Was dort wohl drin sein mag? Sie ist verschlossen. Aber das ist für eine Axtschneide kein Problem. Mit einem lauten Schlag ist die Truhe offen und verbirgt...
    Den Stahl!!! Ich dachte, Freeman sei verrückt, als er mir von einem Versteck erzählte. Es gibt ihn wirklich. Und dies sind einige Kilos. Ich kann den ganzen Stahl unmöglich allein zurück zur Festung schleppen. Ich muss einen Klumpen mitnehmen, um Freeman einen Beweis zu liefern. Dann müssen Männer ausgeschickt werden, um den Stahl zu holen. Dies ist fürwahr ein großartiger Fund. Vielleicht in dieser Schlacht noch wichtiger als der Kelch des Lebens. Denn mit einem Kelch kann man keine Schlacht schlagen, mit einer guten Klinge aus Edelstahl jedoch schon.
    Jetzt gibt es nur noch ein einziges Gebäude, dass ich noch nicht inspiziert habe: die alte Bibliothek. Sie ist völlig zerstört. Die meisten Bücher sind verbrannt worden und die wenigen, die noch übrig sind, liegen verstreut auf dem Boden herum. Was für eine Schande, all das Wissen verbrannt zu sehen...
    Hinter der Bücherei ist eine Kellertreppe. Doch ich kann nicht hinunter, der Eingang ist durch einen riesigen Felsbrocken versperrt, den ich unmöglich zur Seite wuchten kann.
    Ich könnte ja ein paar Sha'ahoul fragen, ob sie mir mal eben mit anpacken helfen...
    Doch genug der Ironie, selbst eine solche Aktion wäre zum Scheitern verurteilt, denn es gibt in diesem Abschnitt des Dorfes keinen Feind mehr, der meinen Weg kreuzen würde - ich habe alle getötet, die sich mir in den Weg gestellt haben.
    Aber was hat es mit diesem Stein auf sich? Es braucht mindestens 4 oder 5 Männer, einen solchen Brocken zu bewegen. Die Sha'ahoul müssen ihn hierhin transportiert haben. Sicher, um etwas einzusperren. Aber was?


    CORVUS!!! Aber klar. Mein Bruder ist dort unten... Er wurde verfolgt... Durch die Gassen gehetzt... Hat sich versteckt... Und nun wurde er eingesperrt. Aber warum haben sie ihn nicht getötet? Er war sicher verwundet und sie waren in der Überzahl. Ich muss zurück nach Avalon und Verstärkung holen. Glücklicherweise kommt niemand an dem Stein vorbei, denn es ist kein Feind mehr hier.
    Ich muss sofort zurück in die Burg. Hier habe ich alles ausgekundschaftet und vielleicht sogar das Versteck meines Bruders gefunden.
    Ich laufe so schnell es geht die alte Straße entlang, immer damit rechnend, dass ein Sha'ahoul aus einem Gebüsch gesprungen kommt, um mich aufzuspießen... Doch ich komme heil am Tor an.


    <Markus! Wie schön, Euch unbeschadet wiederzusehen. Wartet, ich mache Euch auf.>
    Mein Gott, ist dieser Kerl plötzlich freundlich zu mir. Hat er auf meine Rückkehr gewettet und gewonnen?
    Ich muss sofort zu Mudam, um ihm...


    <Markus?>
    <Was wollt Ihr, Holt? Ich habe zu tun.>
    <Kommt schnell hier rüber, es ist wichtig. Die beiden Wachen dort haben vorhin fluchtartig ihren Posten verlassen und sind die Treppe hinunter gegangen.>
    <Ja und?>
    <Findet Ihr es nicht auch ein wenig merkwürdig, dass sie die ganze Zeit dort stehen und auf einmal nach unten rennen?>
    <Vielleicht mussten sie ja mal dringend.>
    <Sehr witzig. Komisch daran ist nur, dass sie nach unten gelaufen sind, sobald das Kratzen aufgehört hat...>
    <Das Kratzen? Was sagt Ihr da?>
    <Ich habe Euch doch von den kratzenden Geräuschen erzählt.>
    <Kratzen? KRATZEN! Oh nein... Ich hoffe, es ist nicht das, was ich denke!>
    <Was meint Ihr damit, Markus?>
    <Versteckt Euch, Holt. Sucht Schutz oder lauft weg, hier wird es gleich furchtbar brenzlig!>


    Das kann ich nicht glauben. Ich denke, ich weiß, was dieses Kratzen verursacht hat: es graben nicht nur Sha'ahoul von außen nach innen, es kommen ihnen auch Männer von innerhalb entgegen. Wir haben es mit Verrätern am eigenen Volke zu tun. Und diese beiden Wachen waren schwer bewaffnet und wer weiß, wer sonst noch dort unten ist. Ich brauche Verstärkung. Zum Glück habe ich einen guten Draht zu den Südtor-Wachen.
    <Grimbold! Avery! Ich brauche Verstärkung!>
    <Was ist denn los, Markus? Was schreit Ihr so?>
    <Ich glaube, wir haben es mit Verrätern zu tun. Stellt bitte keine Fragen, vertraut mir einfach. Wenn die Männer, die vorhin hier standen, mich angreifen, brauche ich Rückendeckung. Falls ich mich irre, könnt ihr mich wegen falscher Verdächtigung einkerkern lassen!>
    <Avery, komm! Es gibt endlich was zu tun.>


    Glauben die Jungs, das sei ein Spiel? Wenn sie was zu tun brauchen, können sie sich in der Küche melden. Anora findet sicher Arbeit für sie...
    Aber die beiden sehen kräftig aus und sind kaum noch zu bremsen, als wir die Treppe nach unten nehmen.
    Unten angekommen, werden wir sofort angegriffen von den beiden Wachen, die oben standen. Ein dritter Mann kommt um die Ecke gelaufen. Auch er greift uns sofort an. Drei gegen drei - das nenne ich mal ausgeglichen. Die Wachen sind gut gerüstet, aber Grimbold trägt eine schwere Streitaxt und Avery - ein junger Mann, nicht viel älter als ich - kämpft mit einem großen Breitschwert. Ich muss ganz schön staunen, wie die beiden ausholen und die Rüstungen der beiden Wachen verbeulen. Gegen diese beiden Kerle möchte ich nicht kämpfen. Ich schnappe mir den dritten Verräter und lasse ihn meine Klinge spüren. Auch er ist gut ausgerüstet, aber ich weiß mein Schwert klug einzusetzen und kann ihn bezwingen. Und das Gute hat gesiegt - Grimbold, Avery und ich haben die Verräter Lügen gestraft.
    Hinten in der allerletzten Ecke des Untergeschosses sind ein paar Arbeiter zu Gange und graben einen Tunnel nach draußen. Doch nachdem die Arbeiter zu Fall gebracht worden sind, gelten die Arbeiten wohl als eingestellt.
    Das muss sofort Mudam berichtet werden.
    <Danke, Grimbold und Avery. Ihr habt mir sehr geholfen. Gebt der Torwache Bescheid, sie sollen besonders vorsichtig sein. Vielleicht befinden sich hier noch mehr Verräter.>

    • Official Post

    Ich muss sofort Mudam aufsuchen und ihm Bericht erstatten. Aber halt! Ich habe ja noch die Schriftrollen bei mir. Es wäre klug, vorher Lahren aufzusuchen, um mir die Schriften übersetzen zu lassen, sofern Lahren in der Sprache der Sha'ahoul kundig ist. Bei der Gelegenheit kann ich ihm auch gleich den blauen Ring geben und Olon aufsuchen. Dieser ist immer in der Nähe von Lahren zu finden. Außerdem arbeitet Freeman ja im Außenhof, ich kann also 3 Fliegen mit einer Klappe schlagen.
    Lahren ist nirgendwo zu sehen. Also erst zu Olon.
    <Olon.>
    <Ah, Markus. Welch ein Glück, Ihr seid unbeschadet aus dem Dorf zurückgekehrt. Habt Ihr etwas passendes für Pell gefunden?>
    <Ja, ich habe diesen Saphirring entdeckt.>
    <Oh, fürwahr ein schönes Stück. Gebt ihn Lahren, ich denke, es ist genau das Richtige für Pell. Was habt Ihr über das Haus herausgefunden?>
    <Ich habe es entdeckt. Es war in der Tat in einem soliden Zustand.>
    <War darin eine Truhe?>
    <Ja.>
    <Habt Ihr sie geöffnet?>
    <Ja, das habe ich.>
    <Dann war meine Information also richtig. Den Inhalt habt Ihr Euch schon zu Eigen gemacht, wie ich sehe. Es ist ein Geschenk, Ihr dürft es behalten. Alles was ich möchte, ist der Schlüssel für die Truhe.>
    <Hier ist er, Ihr hängt wohl aus sentimentalen Gründen daran... Sagt Olon, wie kommt es, dass Euer Haus gegenüber den anderen noch nicht zerstört wurde?>
    <Mein Haus? Ich habe nie erwähnt, dass es mein Haus ist.>
    <Wie auch immer. Ich muss weiter, gehabt Euch wohl.>


    Dieser Kerl überrascht mich immer wieder. Ein Ganove, wie er im Buche steht. Ich kontrolliere nach jedem Besuch bei ihm meine Taschen, ob nichts fehlt...


    <Lahren. Lahren!>
    <Markus. Ihr seid zurück, den Göttern sei Dank.>
    <Lahren, meine Suche war erfolgreich. Ich habe Euch ein Geschenk für Pell mitgebracht.>
    <Oh mein Gott, der Ring ist ja bildschön! Wo habt Ihr den denn gefunden?>
    <Er lag im Dorf zu meinen Füßen.>
    <Ihr seid ein ganz schlechter Lügner, wisst Ihr das?>
    <Okay, ich habe ihn einem Sha'ahoul abgenommen. Gebt ihn Pell, sie wird sich freuen.>
    <Das werde ich. Aber Ihr seht besorgt aus. Möchtet Ihr mir noch etwas sagen, Markus?>
    <Ja, da wäre noch etwas. Ihr seid doch Linguist. Kennt Ihr die Sprache der Sha'ahoul?>
    <Ja, ich habe sie studiert. Warum fragt Ihr?>
    <Ich habe diese Schriftrollen gefunden. Könnt Ihr sie entziffern?>
    <Ja, ich kann es versuchen. Es ist auf Haut geschrieben, wie es die Sha'ahoul schon seit vielen Zeiten machen. Hier steht etwas wie 'Alle Mischlinge und Ahoul sollen sich in der Nacht im Dorf einfinden. Kein Dreckwühler soll die Kirche betreten.' Mit Dreckwühler meinen sie uns.>
    <Was steht in den anderen Rollen?>
    <Hier steht etwas wie 'Ein Dreckwühler wurde durch das Dorf gehetzt. Im Ort der Bücher - vielleicht die Bücherei - hat er sich versteckt und eine große Kreatur ist bei ihm. Stein vor die Tür geschoben. Der Shaman soll hingehen und die Kreatur und den Dreckwühler töten, weil die Männer Angst haben.>
    <Der Shaman ist tot, das also wird nicht geschehen.>
    <Ähm ja... Hier steht weiter 'Vielleicht werden die Kreatur und der Dreckwühler einander töten'.>
    <Oh Corvus...> <Was steht in der letzten Rolle?>
    <Die ist nicht aus Haut, sondern aus Pergament! Stammt sie aus Avalon? Wie kann das sein? Die Symbole sind unregelmäßig, so als hätte sie ein Kind geschrieben. 'Das Projekt verläuft gut. Loch in Wand hat Insekten zu Nahrung geführt. Tunnel bald fertig. Falscher Kampf...' Das ergibt keinen Sinn.>
    <Doch tut es, Lahren. Es sind Verräter unter uns! Ich muss sofort zu Mudam. Vielen Dank für Eure Hilfe.>
    <Ich danke Euch, Markus. Mögen die Götter Euch beschützen.>


    Da ich aber noch im Außenhof bin, werde ich jetzt zuerst zu Freeman gehen.
    <Hallo Knabe, ähm ich meine Krieger.>
    <Vergesst die Förmlichkeiten, Schmied. Ich habe den Stahl gefunden!!!>
    <Wollt Ihr mich auf den Arm nehmen? Das mit dem Stahl war nur ein Gerücht! Haut ab, bevor Ihr Euch noch mehr lächerlich macht!>
    <Ihr wollt einen Beweis? Hier ist er. Dieser Klumpen ist aus Edelstahl. Und wo ich ihn fand, gibt es noch mehr davon. Zuviel, um ihn allein tragen zu können.>
    <Ich wusste es! Ich habe es immer gewusst.>
    <Natürlich Freeman. Ähm, was ist mit meinem Schwert?>
    <Schwert? Was faselt Ihr da? Ich habe zu tun, verzieht Euch.>
    <Ihr habt mir ein Schwert versprochen, wenn ich Euch den Stahl bringe. Und ein feines noch dazu.>
    <Ach ja, richtig. Aber ich brauche mehr Stahl. Und wenn es, wie Ihr sagt, zuviel für einen Mann ist, muss Penrith Männer hinaus schicken, um ihn zu holen. Sprecht zuerst mit ihm, dann bekommt Ihr Euer Schwert.>
    <Ich werde bald wiederkommen, Freeman. Sehr bald...>


    Diese Belagerung scheint die Leute kirre zu machen. Zumindest ist Freeman dem Wahnsinn schon ziemlich nahe. Oder er hat einfach die Faxen dicke, dass jeder ein gutes Schwert von ihm haben möchte.


    <Penrith, ich habe Nachrichten für Euch.>
    <Was gibt es denn?>
    <Ich bin im Dorf über den Stahl gestolpert, von dem Freeman immer sprach. Ihr müsst Männer hinaus schicken, um ihn zu bergen.>
    <Das würde ich gerne tun, aber der Dorfabschnitt befindet sich in Feindeshand. Ich muss erst sicher sein, dass dort keine marodierenden Sha'ahoul mehr herumschleichen, sonst laufen meine Männer in den sicheren Tod.>
    <Ist bereits erledigt, Penrith. Ich habe alle Feinde beseitigt, die dort herumlungerten.>
    <Dann werde ich gleich eine Schar meiner Männer hinausschicken, damit sie den Stahl bergen, bevor der Feind ihn findet. Habt tausend Dank, Markus.>


    <Freeman, da bin ich wieder.>
    <Und? Schickt Penrith Männer hinaus?>
    <Das tut er. Ihr habt bald wieder Rohstoff zum Schmieden von guten Klingen, Freeman.>
    <Dann gehört das hier Euch, würde ich sagen. Ihr stimmt mir sicher zu, dass dies ein feines Schwert ist.>
    <In der Tat. Ich hätte es allerdings gebrauchen können, bevor ich mich auf ins Dorf gemacht habe. Aber sei's drum, es wird mir noch gute Dienste leisten. Gehabt Euch wohl, Schmied.>


    Eine wahrhaft gute Klinge. Ein Offiziersschwert, wie es in der Burg womöglich nicht oft vorkommt. Die Schneide ist sehr scharf und es liegt gut in der Hand. Außerdem ist es perfekt ausbalanciert, sodass die Klinge sich gut führen lässt. Freeman hat wirklich gute Arbeit daran geleistet.


    Bevor ich zu Mudam gehe, sollte ich noch den Kelch des Lebens bei Bruder Massus abliefern. Er wird sich sicher darüber freuen.
    Die Wachen am Außenhoftor begrüßen mich freundlich und sind froh, mich unversehrt zurück zu haben. Genau genommen bin ich der einzige Kundschafter, der bisher lebend zur Festung zurückgekehrt ist. Aber einmal muss ich noch hinaus - ich muss meinen Bruder befreien!


    <Markus! Den Göttern sei Dank, Ihr habt die Schrecken des Dorfes überlebt.>
    <Friar Massus, ich bringe Euch gute Neuigkeiten. Ich habe den Kelch des Lebens geborgen.>
    <Ich kann es kaum glauben. Das ist ein großer Sieg für die Allianz. Jetzt werden alle neuen Mut fassen.>
    <Dessen bin ich mir sicher, guter Mönch.>
    <Ihr habt Avalon heute einen großen Dienst erwiesen, Markus. Ich und meine Bruderschaft werden Euch diese Tat niemals vergessen. Ihr seid hier in meiner Kapelle jederzeit willkommen.>
    <Danke für das Angebot. Aber jetzt muss ich dringend zu Mudam hoch, ich habe wichtige Neuigkeiten für ihn. Gott behüte Euch.>


    Ich habe viel zu viel Zeit vertrödelt. Andererseits hatte ich ja auch Aufträge zu erfüllen. Nicht nur den von Mudam. Aber jetzt hetze ich so schnell die Treppe hinauf, wie es nur eben geht.


    <Mudam. Mudam, seid Ihr da?>
    <Markus! Gott sei Dank, Ihr seid lebend zurück gekehrt. Was ist los? Ihr seid ja völlig außer Atem.>
    <Ich habe einen Verrat aufgedeckt. Leute aus unseren Reihen haben Avalon verraten!>
    <Verrat an Avalon? Das ist ein schwerer Vorwurf, Junge. Ihr solltet besser einen triftigen Grund für solche Verdächtigungen vorweisen.>
    <Das kann ich, Mudam. Im Keller des Südtores erwischte ich einige Arbeiter und Wachen, wie sie einen Tunnel hinaus ins Dorf gegraben haben. Sie griffen mich an und ich musste sie notgedrungen töten.>
    <Einen Tunnel aus Avalon hinaus?!>
    <Es kommt noch schlimmer: in der alten Kirche im Dorf sah ich einige Sha'ahoul-Arbeiter, wie sie einen Tunnel vom Kirchenkeller in Richtung Festung gruben. Hätte ich sie nicht aufgehalten, wären die beiden Tunnel aufeinander gestoßen.>
    <Was sagt Ihr da? Sha'ahoul, die nach Avalon und Avalonier, die nach draußen graben? Wie lange hätte es gedauert, bis die beiden Tunnel aufeinander gestoßen wären?>
    <Nicht einmal mehr 2 Tage.>
    <Oh mein Gott. Dann hätten die Sha'ahoul ungehindert direkt in die Festung marschieren können... Das habt Ihr gut gelöst, mein Junge. Euch gebührt mein Dank und der von ganz Avalon. Habt Ihr sonst noch etwas zu berichten?>
    <Ja. Ich glaube, ich habe das Versteck meines Bruders gefunden. Es ist versperrt und ich brauche Verstärkung.>
    <Die kann ich Euch leider nicht gewähren. Ich kann keinen meiner Männer entbehren. Allein Euch ziehen zu lassen, hätte ich nie erlauben dürfen. Es tut mir leid, Markus, wenn Ihr noch einmal ins Dorf hinaus geht, um Euren Bruder zu suchen, müsst Ihr das allein bewältigen.>
    <Dann werde ich mich jetzt wieder auf den Weg machen. Ich muss ihn finden! Und ich werde zur Festung zurückkehren - mit meinem Bruder.>
    <Viel Glück Euch. Mögen die Götter über Euch wachen, Markus.>


    Ich hatte schon damit gerechnet, dass ich keine Verstärkung bekomme. Ich werde diesen Felsbrocken vor der Bücherei-Treppe allein zur Seite wuchten müssen. Aber ich werde es schaffen, selbst wenn ich alle Kraft aufwenden muss, die ich habe.

    • Official Post

    Jetzt wird es aber höchste Zeit, ein weiteres Mal ins Dorf hinaus zu gehen. Es dämmert schon und ich könnte gesehen werden. Jetzt muss alles sehr schnell gehen.


    <Markus? Ich habe eine Frage an Euch.>
    <Dann macht bitte schnell, Grimbold, ich muss sofort wieder ins Dorf.>
    <Die Wachen, die wir vorhin getötet haben, kannten wir. Wir hätten nie erwartet, dass es sich dabei um Verräter handelt.>
    <Das ist ja das heimtückische am Verrat: er geht immer von jenen aus, von denen man es am wenigsten erwartet.>
    <Doch wenn es noch mehr Verräter hier am Südtor gibt? Wie sollen wir sie erkennen? Wem sollen wir jetzt noch vertrauen?>
    <Vertraut Euch selbst, Grimbold. Ich kann Euch nicht sagen, dass es nicht vielleicht einer Eurer Freunde ist. Ihr müsst wachsam sein und am besten alle ungewöhnlichen Vorkommnisse Eurem Vorgesetzen melden.>
    <Vielen Dank, Markus. Ich wünsche Euch Glück bei der Suche nach Eurem Bruder.>
    <Dank Euch, Grimbold.>


    Der Tag bricht herein. Die ersten leichten Sonnenstrahlen erhellen den Boden und tauchen dieses Trümmerfeld in einen trügerischen goldenen Schein. Das Morgenlicht verschönert vieles, doch kann es selbst die dunkelsten Schatten nicht vertreiben.
    Ich kann mich nicht erinnern, das letzte Mal im Dorf so leise gewesen zu sein. Im Tageslicht bin ich leichte Beute für die Bogenschützen. Ich muss es bis zur Bibliothek schaffen.
    Die Götter sind mir wohlgesonnen, ich habe die Bücherei ohne Feindkontakt erreicht. Doch was ist das? Der Stein ist bewegt worden. Aber hier ist doch niemand, der das hätte machen können... *BUMM*
    Mit einem lauten Knall fängt der Stein an zu wackeln. Was ist das??!! *BUMM*
    Und noch ein weiteres Mal wackelt der Stein. Diesmal gefolgt von einem lauten Brüllen. Ich springe ein paar Meter zurück. Ich habe Gänsehaut am ganzen Körper. Was immer dort unten ist, es will raus! Und es ist mit Sicherheit kein Sha'ahoul... Was zum Teufel geht hier vor? *BUMM*
    Als der Stein sich ein weiteres Mal bewegt, entsteht ein schmaler Spalt. Gerade so breit, dass ein ausgewachsener Mann hindurch schlüpfen kann.
    Wenn man Bruder wirklich dort unten ist, muss ich hinunter. Dort unten muss diese mysteriöse Kreatur lauern, von der in den Schriftrollen der Sha'ahoul die Rede war. Falls Corvus noch lebt, muss ich ihn vor dieser Bestie retten. Wenn ich nur wüsste, was das für ein Biest ist. Es gibt nur einen Weg, das herauszufinden.
    Als ich den schmalen Durchlass passiere, sehe ich im fahlen Schimmer des Morgenlichts die Treppenstufen zu meinen Füßen, aber noch keine Kreatur, die auf mich wartet. Ich schleiche mich also möglichst leise die Stufen hinunter und blicke um die Ecke in den Bücherei-Keller.
    Oh nein, ich hätte es wissen müssen! Dieses Brüllen und diese Kraft, den Stein zur Seite zu bewegen - das kann nur eine Kreatur vollbringen: ein Oger! Ein verdammt großer, stinkender Oger steht direkt vor mir und schaut mir ins Gesicht... Ein ca. 2,50 Meter großes Monster mit einer großen Holzkeule in der Hand. Er hat versucht, sich Corvus' Rüstung anzulegen. Der Kürass und die Schulterschoner hängen seitwärts an seinem Rücken herunter. Er schwingt die Keule in meine Richtung. Ich kann mich in letzter Sekunde bücken und die Keule reißt ein Stück aus der Wand hinter mir heraus. Oh Gott, wie soll ich diesen riesigen Kerl denn zur Strecke bringen? Ich habe zwar ein neues Schwert, aber das wird gegen diesen Riesen nicht viel ausrichten können. Mein Wurfmesser bleibt in seiner Bauchhaut stecken und scheint ihm nicht das geringste anzutun. Er kommt auf mich zu und schwingt ein weiteres Mal seine Keule. Auch dieses Mal kann ich im letzten Moment ausweichen und die Keule zerschlägt einen Stützpfeiler der Bücherei. Ein lautes Knarren und Staub und Holzteile regnen auf mich herab. Als ich über eine Holzbole stolpere, denke ich, mein Ende ist gekommen. Der Oger beugt sich über mich und ich kann seinen fauligen Atem riechen. Er hebt seine Keule und ich sehe mein bisheriges Leben an meinen Augen vorbeiziehen. Ich schließe meine Augen und spreche mein letztes Gebet. Ein lauter Knall und ich denke, es ist vorbei. Er hat mich erwischt. Als ich meine Augen wieder öffne, rechne ich damit, im Elysium zu stehen, doch ich bin immer noch im Keller. Der Oger vor mir liegt flach auf dem Boden, über ihm ein schweres Bücherregal aus dem Erdgeschoss. Darüber ein Loch in der Decke. Ohne den Stützpfeiler ist das Holz zusammengebrochen und hat den Oger unter sich begraben. Das war haarscharf. Als ich meine Sinne wieder gesammelt habe, höre ich ein leises Stöhnen aus dem hintersten Kellerraum. Dieses Stöhnen kenne ich!


    <Corvus! Ich wusste es, ich habe es die ganze Zeit gewusst!>
    <Kleiner Bruder... Was machst du denn hier?>
    <Na was wohl? Ich bin gekommen, um dich zu retten. Du bist verwundet.>
    <Hör zu, ich muss dir etwas Wichtiges sagen.>
    <Das kann warten. Erst bringen wir dich zur Burg zurück.>
    <Hör mir jetzt zu! Diese Nachricht wirst du vielleicht allein überbringen müssen *hust*>
    <Allein? Rede keinen Unsinn. Deine Verletzungen können die Mönche schon behandeln.>
    <Falls ich hier draufgehe, musst du eine wichtige Nachricht an die Heerführer Avalons weitergeben. General Ovoron ist ein Verräter am eigenen Volke. Er hat Avalon und ganz Eurale verraten.>
    <Was sagst du da?>
    <Als unsere Truppe in den Hinterhalt geriet, sah ich, wie sich Ovoron und einige seiner Hauptmänner vom Gefecht entfernten. Sie trafen sich etwas abseits mit Mithras. Mit Mithras höchstselbst! Sie setzten sich auf den Boden und plauschten miteinander - wie nach einem Ausritt am Sonntag nachmittag...>
    <Das ist unglaublich. Was ist weiter passiert?>
    <Das Geschrei der Männer, die abgeschlachtet wurden, schien sie nicht im Geringsten zu stören. Ich sah, wie Ovoron an Mithras einen Tornister übergab. Man braucht nicht viel Fantasie, um zu erraten, was der Inhalt war: Schlachtpläne. Als unsere Kompanie immer mehr aufgerieben wurde, ritt ich zurück, um das sofort Sir Roth zu melden. Man hat mich natürlich entdeckt. Noch bevor ich die Brücke erreichen konnte, traf ein Pfeil mein Pferd, dass unter mir zusammensackte. Einige Sha'ahoul versperrten mir mein Weiterkommen, sodass ich ins Dorf rennen musste. Hinter der Bücherei fand ich ein Versteck, wo meine Füße fester Boden erwartete. Ich brach durch die Decke und befinde mich seitdem hier, mal wach, mal ohnmächtig.>
    <Und der Oger? Seit wann ist er hier?>
    <Keine Ahnung, ich war ziemlich benommen. Ich weiß nur, dass er die ganze Zeit auf irgendwas einschlug und laut brüllte. Er hat sich wohl zum Glück nicht die Mühe gemacht, um die Ecke zu schauen. Alle meine Freunde sind an einem Tag gestorben, Markus. Alle durch Verrat!>
    <Dein Kopf ist ja brandheiß, du hast starkes Fieber. Hier, iss dieses Kraut, das wird dir helfen.>
    <Bleib mir weg mit diesem Zeug. Was ist das überhaupt?>
    <Medizin. Bruder Mo hat es mir gegeben und du wirst das jetzt essen!>
    <Ja Mama. Igitt, das schmeckt ja scheußlich. Und es geht mir kein bisschen besser.>
    <Es wird dir bald besser gehen, das verspreche ich dir. Aber jetzt müssen wir zurück zur Burg, es ist schon Morgen. Komm, ich helfe dir...>


    Der Weg zurück zur Burg war nicht so gefahrvoll, wie ich angenommen hatte. Kein Sha'ahoul weit und breit.


    <Torwächter! Zieht auf!>
    <Jungs, lasst das Gatter hoch, 2 Soldaten begehren Einlass.>
    Die Wachen wollen mir sofort unter die Arme greifen, als ich mit meinem schwerverletzten Bruder das Südtor passiere. Aber ich winke dankend ab, wir müssen sofort zu Sir Roth. Aber weit brauchen wir nicht zu gehen, als wir das Tor zur Außenburg durchschreiten, kommt uns Sir Roth schon entgegen.
    <Corvus, Ihr lebt. Dann hatte Euer Bruder die ganze Zeit über den richtigen Riecher.>
    <Sir Roth, wir haben eine beunruhigende Nachricht für Euch.>
    <Was ist es?>
    <Es geht um Ovoron, Herr.>
    <General Ovoron?>
    <Nein, jetzt nicht mehr. Er hat sein Heimatland und die sieben Königreiche verraten, als er einen Pakt mit Mithras geschlossen hat. Mein Bruder hat es mit eigenen Augen gesehen.>
    <Oh nein, das ist nicht gut. Ovoron war Ratsmitglied, er wusste alles! Ich muss sofort den anderen Heerführern Bescheid geben, sie wissen, was jetzt zu tun ist. Und Ihr, Markus, Ihr bringt Euren Bruder auf die Krankenstation, er soll sich von den Mönchen behandeln lassen. Erstattet besser noch Mudam Bericht, er ist schließlich Euer Befehlshaber. Dann dürft Ihr Euch ein wenig ausruhen. Ihr habt für heute schon genug Dienste geleistet.>


    <Bruder Mo, Bruder Curley! Helft mir!>
    <Was habt Ihr, Markus? Corvus! Ihr seid ja noch am Leben...>
    <Ja, aber nicht mehr lange, wenn er nicht sofort ein Bett und Medizin bekommt. Ich überlasse ihn Eurer Obhut, Bruder Curley.>


    Ich hätte nie gedacht, dass ich ihn wirklich finde. Andererseits habe ich die Hoffnung nie aufgegeben. Jetzt werde ich noch schnell Mudam Bescheid sagen und mich dann für ein paar Stunden aufs Ohr hauen. Ich denke, das habe ich mir verdient.


    <Markus. Ihr seid wieder zurück.>
    <Ja Mudam. Ich habe meinen Bruder gefunden, er erholt sich auf der Krankenstation. Die Mönche kümmern sich um ihn.>
    <Eine gute Nachricht. Schön, dass er überlebt hat.>
    <Da wäre noch etwas. General Ovoron wurde mit sofortiger Wirkung seines Amtes enthoben. Er hat einen Pakt mit dem Feind geschlossen und ist des Hochverrats schuldig.>
    <Irgendwie habe ich mit so etwas schon gerechnet. Dieser Mann hatte immer schon seinen eigenen Kopf und war immer nur um sein eigenes Wohl bemüht. Aber dass er einen Pakt mit dem Feind schließt... Was geschieht jetzt als nächstes?>
    <Sir Roth beruft eine Ratssitzung ein. Man wird entscheiden, wie man mit Ovoron weiter zu verfahren hat. Aber nach wie vor befindet er sich unter des Feindes Obhut.>
    <Ihr habt heute große Dienste geleistet, Markus. Ihr dürft Euch jetzt ein wenig ausruhen, sofern Sir Roth Euch das noch nicht erlaubt hat. Schlaft ein paar Stunden. Ich entlasse Euch vorerst aus meinen Diensten, denn momentan brauche ich keinen weiteren Kundschafter. Wenn Sir Roth oder ich etwas für Euch haben, schicken wir einen Pagen nach Euch.>
    <Vielen Dank, Mudam. Für alles.>


    Na bitte. Das waren meine ersten Tage in Avalon und was habe ich jetzt schon erlebt...
    Ich habe meinen Bruder aus den Klauen eines Ogers befreit; ich habe den Kelch des Lebens gefunden; ich habe neue Freunde gewonnen; und und und.


    Ich bin gespannt, welche Überraschungen diese Festung noch für mich bereithält...

    • Official Post

    Meine Zimmergenossen waren besonders leise und haben mich bis zum Mittag schlafen lassen. Sie alle gehen ihren Pflichten nach: einige üben auf dem Trainingsplatz, andere sind als Wachen eingeteilt worden. Mir hat man bis jetzt noch keine Pflichten auferlegt. Mudam sagte ja, man würde mir einen Pagen schicken, wenn man mich bräuchte. Das ist ein Privileg. Aber bisher war noch niemand der anderen Soldaten neidisch darauf. Ganz im Gegenteil, sie waren größtenteils stolz auf meine Erfolge, besonders was das Finden meines Bruders und den Kelch des Lebens angeht.
    Es klopft an der Tür. Als ich öffne, steht ein Page vor mir.
    <Gefreiter Markus?>
    <Ähm, Offizier, um genau zu sein.>
    <*steht stramm* Ich habe Nachrichten für Euch, mein Herr.>
    <Ähm, rührt Euch, Page. Nicht so förmlich, ich bekomme noch Angst vor mir selbst.>
    <Danke sehr. Sir Roth schickt mich. Ihr sollt schnellsmöglich zu ihm kommen. Er hat Befehle für Euch.>
    <Danke, Page.>


    Als ich jedoch in das Besprechungszimmer gehen will, ist niemand dort.
    <Hallo Markus. Willkommen zurück. Wenn Ihr Sir Roth sucht, er ist nicht in diesem Raum. Er wartet in seinen Gemächern auf Euch.>
    <Wo sind seine Gemächer?>
    <Im Burgfried. Ihr müsst durch das große Tor auf der Nordseite und dann direkt durch den Innenhof gehen. Im Burgfried geht ihr vor dem Thronsaal rechts die Treppe hinauf. Und dann haltet Ihr Euch links und geht den Gang bis zum Ende, dort befindet sich sein Gemach.>


    Vermutlich werde ich mich verlaufen. Das hört sich ja nach Labyrinth an.
    Als ich das Nordtor der Außenburg durchschreite, muss ich durch den großen Innenhof ganz nach Norden spazieren. Ich würde so gern einmal innehalten, um die Schönheit dieses Ortes einfangen zu können oder einmal kurz mit den Händlern schwatzen. Aber ich habe dazu keine Zeit. Zumindest nicht im Moment. Im Norden des Innenhofes stehe ich vor einem riesigen hohen Tor, das in den Burgfried führt.
    Als ich eintrete, fällt mir beinahe die Kinnlade herunter. Ich stehe auf einem 50 Meter langen Gang, auf dem ein breiter roter Teppich ausgelegt ist. Am anderen Ende kann man den Eingang zum Thronsaal erkennen. Ich fühle mich in meinen Gewändern ein wenig fehl am Platz. Selbst die Pagen sind hier besser angezogen als ich. Hätte ich kein Kettenhemd unter meiner weißen Überjacke, würde man mich vermutlich für einen Bediensteten halten. Dort vorne ist auch schon die Treppe, von der die Wache sprach.
    Als ich hinauf gehe, staune ich schon wieder. Überall an den Wänden hängen Wandteppiche. Alles sieht so prunkvoll aus. Hier stehen sehr viele Gemächer. An allen hängen Wappen des Köngreiches Elythria. Hier sind sicher die elythrianischen Ritter untergebracht. Ich muss unbedingt ein wenig Zeit finden, mit ihnen ins Gespräch zu kommen. Sie können sicher ein wenig von ihren Erfahrungen mit mir teilen. Schließlich bin ich ein Landsmann. Das Gemach von Sir Roth brauche ich nicht lange zu suchen. Es ist sehr groß und vor der Tür steht ein Mann Wache.
    Als ich näher trete, kommt mir ein Bote entgegen, der es sehr eilig zu haben scheint. Er hätte mich beinah über den Haufen gerannt...
    <Ja, Sir Roth. Ich werde sofort mit der Warnung durchkommen!> höre ich ihn rufen.


    <Ihr habt nach mir geschickt, Sir Roth?>
    <Ah, da ist er ja. Seid gegrüßt. Ich wollte Euch noch einmal für Eure Verdienste danken. Ihr seid schon das Gespräch beim Mittagessen gewesen, welches Ihr vermutlich verschlafen habt.>
    <Danke, Sir. Aber Ihr habt mich doch sicher nicht rufen lassen, um mir zu danken.>
    <Richtig erkannt. Ich habe einen Auftrag für Euch. Ich habe extra nach Euch schicken lassen, weil ich denke, dass Ihr nach Euren gestrigen Taten der geeignete Mann dafür seid. In Euch steckt mehr von Eurem Bruder, als Ihr denkt.>
    <Sagt, wohin ist dieser Bote unterwegs?>
    <Das sind Staatsgeschäfte, Junge. Darum braucht Ihr Euch nicht zu kümmern.>
    <Verzeiht. Um was für einen Auftrag handelt es sich?>
    <Unterhalb dieser Festung befindet sich ein weitverzweigtes Höhlensystem, falls Ihr noch nicht davon gehört habt. Laut einer Legende befindet sich dort irgendwo ein mächtiges Artefakt, genannt der Erdstein. Dieses Artefakt soll die Macht besitzen, Avalon zu zerstören. Wir haben einen Seher damit beauftragt, hinunter zu gehen, um den Stein ausfindig zu machen, damit ihn die Sha'ahoul nicht in ihre Hände bekommen.>
    <Der Seher ist allein dort unten?>
    <Nein, wir haben ihm natürlich Geleitschutz zur Seite gestellt. Einen Ritter und eine Kundschafterin. Doch wir haben von dem Trio seit langem nichts gehört.>
    <Sind sie verschollen?>
    <Genau das ist Euer Auftrag, Markus. Ihr sollt herausfinden, was der Gruppe zugestoßen sein könnte.>
    <Verzeiht, aber soll ich diesen Auftrag allein ausführen?>
    <Nein, wir wissen ja nicht, was in diesen Höhlen so alles lauert. Ihr dürft Begleiter mitnehmen. Aber nicht mehr als zwei Leute. Wir sind sowieso schon rar an Verteidigern und ich kann nicht noch mehr entbehren. Lasst Euch Zeit bei der Wahl Eurer Begleiter, Ihr müsst diese Aufgabe nicht jetzt sofort antreten. Schaut Euch ein wenig um im Burgfried und im Innenhof. Aber lasst Euch auch nicht zu lange Zeit, wir müssen wissen, was dort unten vorgefallen ist.>
    <In Ordnung, Sir Roth. Ich werde Euch nicht enttäuschen.>
    <Etwas wäre da noch, Markus. Um in die Höhlen zu gelangen, müsst Ihr durch das Kellergeschoss gehen. Wacian überwacht, wer dort ein und aus geht. Meldet Euch bei ihm, er weiß Bescheid, dass ich Euch geschickt habe. Ach, und was die Begleiter angeht: besucht doch einmal den Weisen Phelic, er wohnt hier im Obergeschoss, den langen Gang entlang. Sein Lehrling brennt schon seit langem darauf, die Höhlen besuchen zu können. Er würde Euch sicher gern begleiten.>
    <Wäre sonst noch etwas, Sir?>
    <Nein, geht jetzt bitte. Ihr habt noch viel zu tun.>


    Sicher kein ungefährlicher Auftrag. Ich weiß nicht, nach welchen Kriterien ich meine Begleiter auswählen soll. Ich werde sehr genau suchen müssen. Außerdem ist der Burgfried ziemlich groß, ich werde mich erst einmal umschauen müssen. Und auch der Innenhof reizt mich zu einem Abstecher, ich möchte unbedingt schauen, was die Händler anzubieten haben. Vielleicht kann ich Rüstungsgegenstände gegen etwas von dem Kram tauschen, das ich im Dorf gefunden habe. Die Händler sind sicher ganz scharf auf Raritäten.
    Also führt mich meine Neugier zuerst in den Innenhof. Dieses Blumenmeer ist überwältigend.
    <Hey, Ihr da! Ein Fuß auf mein Beet und Ihr bekommt meine Harke zu spüren!>
    Oh mein Gott. Beinah hätte ich ein Stiefmütterchen zertreten. Die Gärtner hier scheinen entweder ziemlich schroff, oder sehr stolz auf ihre Pflanzen zu sein. Ich sollte mich zu den Händlern gesellen.
    <Hallo. Habt Ihr Neuigkeiten für einen Soldaten?>
    <Seid Ihr nicht derjenige, der hinaus ins Dorf gepilgert ist, um seinen Bruder zu retten?>
    <Nun ja, der bin ich. Warum?>


    Auf einmal bildet sich eine Menschentraube um mich herum. Alle Händler wollen gleichzeitig mit mir reden.
    <Moment Jungs, nicht alle auf einmal. Was ist los?>
    <Ihr habt doch sicher den Sha'ahoul einiges abgenommen.> <Ja, genau. Was habt Ihr erbeutet? Ist es wertvoll?>
    <Nun, einiges davon ist sicher wertvoll. Ringe, Armbänder, Waffen. Ich habe ein wenig einstecken können.>
    <Was haltet Ihr von einem Geschäft, junger Offizier?>
    <Ich könnte etwas an Rüstung gebrauchen. Aber wehe, Ihr haut mich übers Ohr - dann muss ich Euch leider töten!>


    Der Mann guckt erschrocken, doch alle anderen Händler lachen laut. Dann bemerkt auch dieser Mann, dass ich ihn nur auf den Arm genommen habe.
    <Junge, ich merke schon, der Wahnsinn in dieser Festung schwappt langsam auf Euch über.>
    <Wenn Ihr wissen wollt, was wahnsinnig ist, dann empfehle ich Euch, bei Nacht hinaus ins Dorf zu gehen...>
    <Ich glaube, das überlasse ich besser Euch Soldaten. Was wollt Ihr denn für diesen goldenen Ring haben, Markus?>
    <Nun, er ist sehr gut geschmiedet worden und sicher nicht billig zu bekommen. Wenn ihr mir einen guten Kürass dafür geben könnt, wäre das ein gutes Geschäft für beide Seiten.>


    Das war in der Tat ein gutes Geschäft. Für 2 goldene Ringe, eine Streitaxt und ein wenig Sha'ahoul-Ausrüstung habe ich einen Kürass, ein paar Panzerhandschuhe und ein paar Beinschienen bekommen. Alle Rüstungsteile sind mit Weißstahl überzogen, was besonders edel aussieht. Einer der Händler schenkte mir sogar noch eine Überjacke mit dem Wappen von Avalon. Jetzt sehe ich in der Tat aus wie ein Soldat Avalons.
    <Markus, jetzt tragt Ihr eine Rüstung, die einem Offizier gebührt. Ihr seht schon fast wie ein Ritter aus. Manche werden Euch sicher für einen Ritter halten und vor Euch salutieren.> sagt mir einer der Händler.


    Ich fühle mich in dieser Aufmachung wirklich wohl. Sicher habe ich jetzt einen leicht eingebildeten Ausdruck in den Augen. Aber ich muss wirklich sagen, dass mir diese Rüstung verdammt gut steht. Allerdings ist sie schwerer als meine vorige Rüstung, aber daran werde ich mich gewöhnen müssen.
    Ich sollte jetzt wieder zurück in die Burg gehen. Den Rest des Innenhofes werde ich mir später anschauen, wenn ich mehr Zeit habe. Es gibt hier sogar eine Taverne, aber zuerst kommt die Pflicht, dann das Vergnügen.
    Ich muss meine Begleiter zusammentrommeln.

    • Official Post

    Der Burgfried ist mehr als doppelt so groß wie die Außenburg. Im Obergeschoss scheint die Ritterschaft untergebracht zu sein, im Erdgeschoss befinden sich unter anderem Quartiere, die Bibliothek und der Speisesaal. Ich muss erst einmal alles kennenlernen. Was im Kellergeschoss zu finden ist, weiß ich noch nicht einmal. Vermutlich Vorratsräume.
    Ich sollte jetzt erst einmal wieder nach oben gehen und die elythrianische Ritterschaft besuchen. Vielleicht wissen die ja jemanden, der mich begleiten könnte. Aber als erstes richtet sich meine Aufmerksamkeit auf einen Raum weiter hinten im Gang. Dort stehen auch große Obelisken; hier muss auch ein Weiser oder so hausen.
    <Guten Tag, Herr. Sagt, was ist das hier und wer seid ihr?>
    <Mein Name ist Fester, königlicher Alchimist. Falls Ihr mal ein Wehleiden habt oder Euch für Kräuterkunde interessiert, könnt Ihr jederzeit zu mir kommen.>
    <Vielen Dank, Fester. Ich werde vielleicht wieder vorbeischauen.>
    Der König hat einen eigenen Alchimisten. Interessant. Aber jetzt gilt meine Neugier den Quartieren der Ritter.
    <Seid gegrüßt, Herr. Mein Name ist Markus und ich bin noch ziemlich neu hier.>
    <Hallo. Mein Name ist Sir Carleon, Ritter aus Elythria. Woher kommt Ihr?>
    <Ich komme auch aus Elythria.>
    <Ah, ein Landsmann. Sagt, was wünscht Ihr von mir? Ihr seid ja sicher nicht umsonst hier reingeplatzt.>
    <Um ehrlich zu sein, suche ich jemanden, der mich bei einem Auftrag begleitet. Ich muss hinab in die Höhlen. Wüsstet Ihr jemanden?>
    <Ein Freund von mir, Sir Dinadon, wäre ein geeigneter Kandidat für so etwas. Er beherrscht sein Handwerk sehr gut.>
    <Tatsächlich? Wie gut ist er?>
    <Nun, wenn Ihr mit ihm schritthalten könnt, seid Ihr besser als so manch anderer hier in der Burg. Ihr findet ihn weiter westlich am Biertresen von Zinestra. Wir sitzen dort öfter und schwatzen über alte Zeiten.>
    <Vielen Dank für die Information. Sagt, wäre dieser Sir Dinadon auch bereit, mir einige Kampftechniken beizubringen? Ich bin immer bestrebt, meine Kampfausbildung zu verbessern.>
    <Ich kenne einige Tricks, die ich Euch beibringen könnte.>


    Dieses Training war wirklich aufschlussreich. Sir Carleon verfügt über sehr viel Erfahrung im Umgang mit dem Schwert. Er ist schon seit vielen Jahren Ritter, genau wie Sir Dinadon. Letzteren sollte ich nachher unbedingt aufsuchen. Aber vorher sollte ich noch einen kleinen Rundgang durch das Obergeschoss unternehmen. Mein nächster Weg führt vorbei an den Quartieren der Ritter Oriams. Bei einem Gemach steht die Tür weit offen und ein großer Mann von kräftiger Statur kommt auf mich zu und begrüßt mich mit überschwänglicher Begeisterung und Lautstärke.
    <Hahaha! Ein Besucher, wie schön. Sagt, wer seid Ihr und wo kommt Ihr her?>
    <Hallo erst einmal. Meine Name ist Markus aus Elythria. Sagt, wer seid Ihr und warum habt Ihr mich so lauthals empfangen?>
    <Mein Name ist Sir Ither, Ritter von Oriam. Ich freue mich eben über Besuch. Ihr sagtet eben, Euer Name ist Markus? Dann seid Ihr der junge Mann, über den im Moment alle sprechen. Um ehrlich zu sein, könntet Ihr mir vielleicht bei einem Problem helfen.>
    <Ach ja? Um was für ein Problem handelt es sich?>
    <Ein Landsmann von mir, Sir Osla, besitzt einen Brief. Der Inhalt sind Zeilen von dem Verräter Ovoron. Fragt nicht, woher ich von diesem Brief weiß, ich weiß es einfach. Geht zu Osla und lasst Euch den Brief geben. Dafür wäre ich Euch sehr dankbar.>
    <Warum holt Ihr den Brief nicht selbst, wenn Sir Osla doch ein Landsmann von euch ist?>
    <Er will nicht mit mir reden. Daher dachte ich, ein neuer Rekrut könnte vielleicht...>
    <Ich habe schon verstanden, Sir Ither. Ich werde Euch den Brief bringen.>


    Ein Brief von Ovoron? Dann geht der Verrat noch weiter, als ich gedacht hatte. Wenn selbst die oriamische Ritterschaft unterwandert ist, könnte diese Schlacht einen schlechten Ausgang nehmen. Dort vorn ist schon das Gemach von Sir Osla.
    <Guten Tag Herr, mein Name ist...>
    <Schert Euch weg! Ich will keinen Besuch!>
    <Aber ich wollte Euch...>
    <Verschwindet!>
    <Wie Ihr wollt. Aber ich komme wieder.>


    Na das lief ja toll. Ich sollte Sir Ither um Rat fragen, wie ich diesem unangenehmen Zeitgenossen beikommen kann.
    <Markus. Schon zurück?>
    <Sir Osla hat mich aus seinem Gemach geworfen. Wie komme ich an ihn heran?>
    <Versucht es mit Feder oder Schwert! Vielleicht versteht er nur diese Sprache.>
    <In Ordnung, ich werde bald zurück sein. Mit dem Brief.>


    Na gut. Ich soll Sir Osla also entweder mit Feder oder Schwert überzeugen. Gegen einen Ritter das Schwert zu ziehen, ist allerdings nicht sehr ratsam. Ich werde ihn am besten mit meinem Begehr konfrontieren.
    <Was wollt Ihr denn schon wieder hier? Habe ich Euch nicht gesagt, dass Ihr verschwinden sollt?>
    <Ich weiß von dem Brief, Sir Osla.>
    <*seufzt* Ich hatte gehofft, es würde nie herauskommen.>
    <Gebt mir bitte den Brief, Sir Osla. Ich verspreche Euch, dass sich das positiv bei Eurem Prozess auswirken wird.>
    <Wollt Ihr den Brief lesen, junger Soldat?>
    <Ob ich...? Nun, Sir Ither hat mir gesagt, dass ich...>
    <Ach so ist das? ITHER hat Euch befohlen, zu mir zu kommen? Nun mein Sohn, dann lest bitte erst den Brief. Ich glaube, Ither hat Euch nicht die ganze Wahrheit gesagt.>


    Als ich den Brief lese, wird mir klar, dass es in Wahrheit nicht Sir Osla ist, der Zeilen von Ovoron bekommen hat, sondern Sir Ither. Der ist der wahre Verräter und wollte Sir Osla die ganze Sache unterschieben.
    <Verzeiht mir, Sir Osla. Ich hatte ja keine Ahnung.>
    <Das macht nichts, Junge. Bitte, bringt den Brief Eurem Vorgesetzten, oder noch besser gleich dem König selbst. Er wird mit Ither verfahren, wie es einem Verräter gebührt.>


    Ich kann es nicht glauben. Dass ich so an der Nase herum geführt worden bin. Da empfängt mich dieser Ritter wie einen zweiten Sohn und dabei hat er mich nur benutzt, um den Verdacht von sich abzulenken. Ich muss sofort zum König, ihm den Brief bringen. Doch das Gemach befindet sich auf der anderen Flurseite, genau gegenüber von Ithers Quartier. Und als ich die Tür zum Königsgemach aufmachen will, ruft mich Sir Ither zu sich heran.
    <Und Markus? Habt Ihr den Brief?>
    <Ja, Sir Ither, das habe ich.>
    <Kann ich ihn dann bitte haben?>
    <Tut mir leid, Sir Ither. Der Brief ist jetzt Beweismittel. Ich werde ihn an den König übergeben. Für Euren Verrat werdet Ihr hängen!>


    Dass Sir Ither sein Schwert zieht und mich angreift, hatte ich erwartet. Als er auf mich zurennt, trete ich gegen die Tür, die Sir Ither mit einem heftigen Knall gegen den Kopf bekommt. Als er benommen liegen bleibt, ergreife ich die Gelegenheit und laufe hinüber zum Königsgemach.
    Die Thronwache befürchtet einen Angriff, als ich Hals über Kopf in den Raum renne.
    <Was ist das hier? Wer seid Ihr und wie könnt Ihr es wagen, hier einzudringen?> ertönt eine Stimme. Sie gehört König Ryence von Oriam.
    <Verzeiht mein Eindringen, mein König. Ich habe eine höchste dringende Nachricht für Euch.>
    Der König ruft seine Wachen zurück, die sich schon um mich geschaart haben.
    <Sprecht, mein Sohn.>
    <Mein Name ist Markus aus Elythria und ich halte einen Brief in meinen Händen, der Zeilen vom Verräter Ovoron an Sir Ither enthält. Dieser wollte Sir Osla die ganze Geschichte anhängen, um den Verdacht von sich abzulenken.>
    König Ryence liest den Brief langsam und aufmerksam.
    <In der Tat, mein Sohn. Ihr habt Recht. Wache! Lasst sofort Sir Ither wegen Hochverrats festnehmen! Mein Junge, Ihr verdient meinen Dank. Und jetzt geht bitte wieder, Staatsgeschäfte warten auf mich.>
    <Eure Hoheit.>


    Als ich den Raum wieder verlassen will, ruft eine Stimme <Wartet, junger Mann.> Diese Stimme gehört der Königin Nanesi.
    <Mylady. Wie kann ich Euch dienen?>
    <Ihr müsst der junge aufstrebende Offizier sein, von dem alle reden. Stark und bescheiden.>
    <Nun...ja ich denke, der bin ich.>
    <Wisst Ihr, Ihr erinnert mich an jemanden, der Euch ziemlich ähnelte, als er in Eurem Alter war.>
    Sie schaut lächelnd zu ihrem Gatten, dem nur ein kurzes Grinsen über das Gesicht huscht.
    <Wann habt Ihr einmal die Zeit, uns mit einem längeren Besuch zu erfreuen?>
    <Vorerst leider nicht, meine Königin. Ich habe wichtige Aufträge zu erfüllen und Sir Roth verlässt sich auf mich.>
    <Nun, dann solltet Ihr Sir Roth besser nicht enttäuschen. Er ist ein großartiger Stratege und weiß, woraum es ankommt. Gehabt Euch wohl, junger Soldat.>
    <Mylady.>


    Ich sollte jetzt noch einmal zu Sir Osla, um ihm Bericht zu erstatten.
    <Sir Osla?>
    <Was ist geschehen? Habt Ihr den Brief dem König überbracht?>
    <Das habe ich. Sir Ither ist eben von der Thronwache abgeführt worden.>
    <Gott sei Dank.>
    <Sagt, Sir Osla, warum habt Ihr den Brief nicht selbst überbracht? Sir Ither war doch der eigentliche Verräter.>
    <Wisst ihr, Ovoron war ein Landsmann von mir. Ich habe ihn verehrt. Er war quasi mein Vorbild. Ich wollte den Brief schon lange an Sir Roth abgegeben haben, aber habe auf einen geeigneten Zeitpunkt gewartet.>
    <Das ist jetzt nicht mehr von Belangen, Sir Osla. Der Verräter ist festgenommen worden. Ich wünsche Euch noch alles Gute.>


    Das wird ja immer kurioser hier. Ich bin erst seit ein paar Tagen in der Burg und habe jetzt sogar schon den König besucht; wenn auch unter sonderbaren Umständen.
    Meine Gedanken schweifen ein bisschen ab, aber nach dieser Aktion ist das wohl normal. Ich muss meine Suche nach Gefährten fortsetzen.

    • Official Post

    Der König sah sehr besorgt aus. Und noch besorgter, nachdem er den Brief von Sir Ither gelesen hatte. Ich stelle es mir schwierig genug vor, ein Land zu regieren, dass von Feinden belagert wird. Aber wenn sich die eigenen Landsleute und sogar ein Mann der Thronwache als Verräter entpuppen, kann ich verstehen, dass die königliche Stirn in Falten liegt...


    Ich sollte jetzt mal diesen Sir Dinadon aufsuchen. Er soll ein ehrenhafter Mann und ausgezeichneter Kämpfer sein. Seitdem mir Sir Carleon von ihm erzählte, kann ich es gar nicht erwarten, ihn endlich kennenzulernen. Ich sollte in die Taverne schauen, ob er sich dort aufhält.
    Die Taverne ist nur ein kleiner Raum, der durch 3 Torbögen zugänglich ist und hinten steht ein großer Stehtresen. Hinter ihm befindet sich eine Treppe, die hinunter ins Erdgeschoss führt. Die Frau hinter der Theke muss Zinestra, die Wirtin sein. Sie spült gerade Gläser und unterhält sich nebenbei mit einem Mann in elythrianischer Tracht. Vielleicht ist er das.


    <Verzeiht, Herr. Sagt, seid Ihr Sir Dinadon?>
    <Der bin ich, ja. Seid gegrüßt. Mit wem habe ich denn das Vergnügen?>
    <Mein Name ist Markus und ich bin ein Landsmann von Euch.>
    <Irgendwie erinnert Ihr mich an jemanden. Ihr kennt nicht zufällig Corvus?>
    <Natürlich, er ist mein älterer Bruder. Ihr kennt Corvus?>
    <Und ob. Wir haben schon zusammen in Schlachten gedient. Er hat mir einmal das Leben gerettet, wisst Ihr? Hey, warum genehmigen wir uns nicht einen Becher Ale, schwatzen über alte Zeiten und verfluchen die Sha'ahoul?>
    <Das würde ich nur zu gerne tun, aber ich bin mitten in einem Auftrag. Genau genommen ist das auch der Grund, warum ich Euch aufgesucht habe.>
    <Jetzt bin ich aber neugierig.>
    <Ich unterstehe dem Befehl von Sir Roth. Ich soll hinab in die Höhlen, um herauszufinden, was einer Gruppe zugestoßen ist, die auf der Suche nach einem alten Artefakt ist. Ich darf mir Begleiter aussuchen und von Euch habe ich bisher nur Gutes gehört.>
    <Ihr schmeichelt mir. Die Höhlen sagt Ihr? Das Verschwinden einer Gruppe aufklären? Eine Fahrt ins Ungewissen antreten? Das klingt ganz nach meinem Geschmack! Ich bin es satt, hier herumzustehen.>
    <Prima. Dann lasst uns aufbrechen.>
    <Da gibt es ein Problem. Ich gehöre zur persönlichen Leibwache von Botschafter Lucius. Wenn Ihr mich für Euren Auftrag rekrutieren wollt, müsst Ihr ihn um seine Erlaubnis bitten.>
    <Kein Problem. Wo kann ich ihn finden?>
    <Vor dem Königsgemach. Um hierher zu kommen, müsst Ihr dran vorbeigekommen sein.>
    <Gut, ich werde ihn sofort aufsuchen. Wartet bitte hier auf mich.>


    Das lief ja bestens. Sir Dinadon ist ganz wild darauf, mitzukommen. Und er ist auch noch ein ziemlich netter Kerl. Und er kennt meinen Bruder. Wenn alle Leute sagen, dass ich meinem Bruder so ähnle, werde ich mit Dinadon sicher gut auskommen. Aber vorher brauche ich die Erlaubnis von Lucius. Das Gemach ist nur einige Schritte entfernt.


    <Sir? Botschafter?>
    <Wer ist da? Wer stört mich?>
    <Verzeiht. Botschafter Lucius von Elythria?>
    <Wen habt Ihr denn erwartet, wenn draußen an der Tür mein Wappen hängt?>
    <Sir, ich habe eine Bitte an Euch. Ich bin im Auftrag Sir Roths unterwegs. Ich soll hinab in die Höhlen, um das Verschwinden einer Gruppe...>
    <Was interessiert mich das? Kommt zum Punkt, ich habe noch zu tun.>
    <Gut, um es kurz zu machen, ich brauche Begleiter für eine schwierige Mission. Und ich habe da an Sir Dinadon gedacht.>
    <Ha, das fehlte auch noch. Sir Dinadon gehört zu meiner persönlichen Leibwache. Er ist hier, um mich zu schützen und nicht um irgendwelche Jungen bei einer Reise zu begleiten.>
    <Bei allem Respekt, Sir: täte ich eine Reise antreten, bräuchte ich mit Sicherheit keinen bewaffneten Begleitschutz. Ich muss in die Höhlen und das so schnell wie möglich. Sir Dinadon selbst hat sich bereiterklärt, mich zu begleiten.>
    <Dinadons Platz ist aber hier an meiner Seite. Ich kann meine Männer nicht entbehren.>
    <Aber er war ganz verrückt danach, mich zu begleiten. Glaubt mir, ich konnte ihn kaum halten, als ich ihm von meiner Mission berichtete. Wie ich hörte, ist er einer der erfahrendsten Krieger in dieser Burg. Und ich glaube, er möchte etwas bewegen, wieder etwas vollbringen, wovon er in der Taverne erzählen kann. Sir, diese Mission ist äußerst heikel und ich brauche Leute mit Erfahrung, da ich selbst ja kaum welche habe. Ich bin auch Elythrianer und ich möchte irgendwann auch so ein großer Krieger werden wie Sir Dinadon. Bitte Sir, Sir Dinadon möchte sich sicher selbst wieder etwas beweisen.>
    <Hmpf, na gut Junge, na gut. Ihr dürft Dinadon mitnehmen auf Eure Mission. Wenn Sir Roth einen so jungen unerfahrenen Krieger wie Euch auf eine Mission in das Höhlenlabyrinth schickt, muss er sehr große Stücke auf Euch halten. Ich kenne Sir Roth seit vielen Jahren. Seine Entscheidungen haben mich immer überzeugt. Aber dass Ihr mir gut auf Sir Dinadon aufpasst. Aber bei einem Mann seines Kalibers sollte er wohl eher auf Euch aufpassen. *er lächelt* Ich habe Dinadon nicht umsonst in meine Dienste gestellt. Seine Erfahrung, seine Stärke, seine Schnelligkeit und nicht zuletzt seine guten Umgangsformen suchen ihresgleichen. Seine Gesellschaft wird Euch sicher von großem Nutzen sein.>
    <Ich danke Euch vielmals, Botschafter. Ich hoffe, eines Tages auch solchen Lobes würdig zu sein wie Sir Dinadon.>
    <Dann habt Ihr noch viel vor Euch, junger Krieger. Aber wie ich hörte, seid Ihr Corvus' Bruder. Wenn es stimmt, was die Leute erzählen und Ihr ihm wirklich so ähnelt, wird aus Euch sicher einmal ein großartiger Ritter werden. Aber nun sagt Sir Dinadon, dass Ihr meine Erlaubnis habt. Und viel Glück bei Eurem Unterfangen.>


    Na bitte. Ich hatte zwar ein paar Startschwierigkeiten, aber letztendlich konnte ich den Botschafter überzeugen. Auch wenn ich, was Sir Dinadons Begeisterung für meinen Auftrag betrifft, ein wenig übertrieben habe.


    <Sir Dinadon, gute Neuigkeiten.>
    <Konntet Ihr den alten Lucius überzeugen?>
    <Das konnte ich, ja. Ihr dürft mich begleiten, sofern sich Eure Meinung nicht geändert hat.>
    <Das hat sie nicht. Den Botschafter zu überzeugen ist nicht leicht, er hat eine schroffe Art, aber er ist ein gütiger Mensch. Nun gut, wollen wir aufbrechen?>
    <Nicht sofort. Ich darf noch einen Begleiter aussuchen. Außerdem möchte ich mich noch ein wenig umschauen. Wir haben noch ein paar Stunden Zeit, sagte Sir Roth.>
    <Gut, an wen hattet Ihr als zweiten Begleiter gedacht?>
    <Sir Roth erwähnte den Lehrling des Weisen Phelic. Kennt Ihr ihn?>
    <Phelic ja. Aber sein Lehrling ist mir nicht bekannt. Ich hörte nur, er soll ein regelrechter Bücherwurm sein.>
    <Dann sehen wir mal nach ihm. Aber vorher dürft Ihr mich ein wenig herumführen.>


    Mit Sir Dinadon im Schlepptau - naja, eigentlich hat er eher mich im Schlepptau - gehe ich durch den Rest des Burgfrieds, den ich noch nicht ausgekundschaftet habe. Im Erdgeschoss gibt es noch eine große Bücherei mit tausenden von Büchern. Dort laufen auch jede Menge Gelehrte herum, die eifrig die Seiten der vielen Bücher studieren und ihre Aufzeichnungen über lang vergangene Tage machen. Auf der anderen Seite des großen Ganges zum Thronsaal befinden sich noch einige Gemächer von Soldaten.
    In einem Gemach steht ein Soldat auf seinen Schild gestützt und döst vor sich hin. Als wir herein treten, bemerkt er uns nicht einmal.


    <Hallo, Soldat. Wie geht es Euch?>
    <Grmlpf...>
    <Schlaft Ihr etwa auf Eurem Posten?>
    <ZzzzZZZzzz...>
    <SOLDAT!!! Zu den Waffen! Die Sha'ahoul stürmen über die Mauer!>
    Er fährt erschrocken um sich und schaut mich mit bösem Blick an.
    <Das ist nicht lustig.>
    <Dass Ihr auf Eurem Posten schlaft, auch nicht. Ich bin Offizier und ich wünsche zu erfahren, wer Ihr seid. Oder soll ich diesen Vorfall Eurem Vorgesetzten melden?>
    <Mein Name ist Esmond. Ich bin als Wache hier unten eingeteilt worden. Hier ist nichts los und so bin ich eben eingenickt. Außerdem bin ich sowieso nicht zum Kämpfen hierher berufen worden. Ich soll nur Glück bringen.>
    <Glück? Wollt Ihr damit sagen, Ihr seid Avalons Talisman? Hört sich für mich wie eine Ausrede an.>
    <Nein Sir. Ich bin ein Glückspilz. Ihr müsstet hören, was mir schon alles wiederfahren ist.>
    <Na dann lasst mal hören, Esmond. Ich bin ganz Ohr.>
    <Naja, als die Sha'ahoul in Oriam einfielen, war ich an vorderster Front. Ein Sha'ahoul Krieger kam auf mich zugeritten und wollte mich aufspießen. Sein Pferd knickte im Galopp mit einem Bein um und er fiel vom Pferd und brach sich das Genick. Sein Speer bohrte sich zu meinen Füßen in die Erde. Und da waren noch etliche Sachen...>
    <Hört sich für mich aber eher nach Zufall an.>
    <Glaubt, was Ihr wollt. Aber deshalb bin ich nach Avalon berufen worden. Aber momentan geht es mir nicht so gut.>
    <Wieso, was habt ihr? Nicht ausgeschlafen?>
    <Haha. Nein im Ernst. Ich habe ein schlechtes Gewissen. Ich habe neulich mit einer anderen Wache namens Tracy Würfeln gespielt und er hat dauernd gegen mich verloren. Ich sagte ja, dass ich ein Glückspilz bin. Naja, auf jeden Fall hat er alles gesetzt, was er hatte und hat den Ring seines Vaters als letzten Einsatz gegen mich verloren.>
    <Und jetzt fühlt Ihr Euch schlecht, weil er Euch leid tut?>
    <Irgendwie schon. Ich konnte ja auch nichts dafür, er wollte nochmal und nochmal, in der Hoffnung, er könne wenigstens einmal gewinnen. Ich wollte ihm den Ring zurückgeben, aber der Sturkopf nahm ihn nicht an. Könntet Ihr ihm vielleicht den Ring zurückbringen?>
    <Erstens ist ein Offizier nicht der Botenjunge für einen Soldaten. Und zum anderen ist das eine Sache zwischen Euch beiden.>
    <Ich weiß, Sir. Es tut mir leid, Euch mit diesem simplen Wunsch zu belasten. Aber ich weiß nicht weiter. Tracy und ich sind eigentlich Freunde und diese Sache hat einen Keil zwischen uns getrieben. Er will nicht mit mir reden.>
    <Na gut Esmond. Ich werde Euch diesen Gefallen tun. Ich werde Tracy aufsuchen und mit ihm reden. Gebt mir den Ring, ich hoffe, er wird ihn annehmen.>


    Die beiden tun mir irgendwie leid. Dass so ein simpler Streit eine Freundschaft kaputt machen kann. Aber diese Belagerung macht viele Leute agressiv. Tracy befindet sich laut Esmond ein paar Gemächer weiter von seinem.


    <Soldat? Ist Euer Name Tracy?>
    <Ja. Aber was wollen zwei Ritter von mir? Habe ich was verbrochen?>
    <Mitnichten. Das ist Sir Dinadon und mein Name ist Markus, ich bin kein Ritter. Ich bin hier, weil ich gerade eine Unterhaltung mit einem Freund von Euch hatte. Ihr kennt doch Esmond?>
    <Was hat Euch dieser geldgierige Freak erzählt?>
    <Er hat erzählt, dass Ihr den Ring Eures Vaters beim Spielen an ihn verloren habt.>
    <Ganz recht! Er hat immer gewonnen, das ging nicht mit rechten Dingen zu. Er hat mir auch verschwiegen, dass er Nisosianer ist. Die haben immer Glück im Spiel. Ach ja, er wollte mir den Ring wiedergeben, aber ich brauche keine Almosen. Ich habe ihn verloren und basta!>
    <Hört zu, ich habe hier den Ring Eures Vaters. Esmond hat ihn mir gegeben in der Hoffnung, Ihr würdet ihn zurücknehmen. Er hat ein furchtbar schlechtes Gewissen und kann kaum noch schlafen, weil dadurch Eure Freundschaft zerbrochen ist.>
    <Daran ist auch nur er schuld.>
    <Eine Münze hat immer zwei Seiten, Tracy. Er sagte, Ihr hättet ihn zum Spielen angestachelt.>
    <Nunja, ich dachte, der Typ muss doch mal zu schlagen sein.>
    <Und Ihr hattet auch einige Becher Ale intus.>
    <Ja, ich hatte etwas getrunken, aber...>
    <Gebt es schon zu, Ihr wart betrunken.>
    <Okay, ich hatte mehr getrunken als sonst. Aber ich wollte nicht immer gegen ihn verlieren. Ich habe einfach alles gesetzt - auch den Ring meines Vaters.>
    <Hört zu, Tracy. Esmond tut es wirklich leid und er fühlt sich mindestens genauso schlecht wie Ihr. Er möchte den Ring nicht, denn er gehörte Eurem Vater. Nehmt ihn zurück und freundet Euch wieder mit Esmond an. Ihr wart doch Freunde und da soll so ein läppisches Würfelspiel einen Keil zwischen Euch treiben?>
    <Ich danke Euch, Sir. Ihr seid wirklich sehr einfühlsam. Vielen vielen Dank.>
    <Keine Ursache. Jetzt geht zu Esmond und trinkt einen Becher Ale zusammen. Aber Ihr solltet die Finger von den Würfeln lassen, Tracy. Gegen Nisosianer ist schwer zu gewinnen.>


    Im Gemach nebenan kommt mir ein großer kräftiger Mann entgegen.


    <Verzeihung Sir. Ihr seid doch der Mann, der den Kelch des Lebens zurückbrachte und seinen Bruder aus dem Dorf rettete?>
    <Ja der bin ich. Warum fragt Ihr?>
    <Nun, ich habe eine Bitte an Euch: Man sagt, Ihr habt einen guten Draht zu den Wachen am Südtor. Einige meiner Freunde wurden vor einiger Zeit dorthin versetzt, um einen Eingang zu bewachen. Könntet Ihr bei Eurem Vorgesetzten vielleicht ein gutes Wort für mich einlegen, damit ich auch zum Südtor kann?>
    <Moment. Wann wurden Eure Kameraden versetzt?>
    <Wieso?>
    <Weil ich einen Verdacht hege.>
    <V...v...v...Verdacht? Was für ein Verdacht?>
    <Die letzten Kameraden, die versetzt wurden, entpuppten sich als Verräter. Wenn Ihr nun auch zum Südtor wollt, zeigt mir das nur eines: dass Ihr mit ihnen im Bunde zu stehen scheint.>
    <Diesen Kampf können wir nicht gewinnen. Ich und meine Freunde haben mit den Sha'ahoul eine Abmachung getroffen. Wir bleiben am Leben, wenn wir ihnen Einlass zur Burg verschaffen.>
    <Das glaubt Ihr doch nicht im Ernst? Sie werden Euch töten, zusammen mit allen anderen.>
    <Ihr wisst jetzt schon zuviel. Ich werde dafür sorgen, dass Ihr keinem was davon erzählt!>
    <Ihr Narr! Eure Abmachung endet hier.>


    Der Mann zieht seine Waffe - eine schwere Streitaxt. Ich will gerade mein Schwert ziehen, da sehe ich auch schon seine Axt auf mich zukommen. Der Kerl ist zu schnell für mich. Im letzten Moment sehe ich eine Schwertklinge an mir vorbeiziehen, die sich in den Harnisch des Mannes bohrt. Blut fließt aus seiner Brust und er sackt zu Boden. Sir Dinadon hat seinen hohen Wert bereits bewiesen. Er ist wirklich verdammt schnell...


    <Danke Sir Dinadon. Ihr habt mir gerade das Leben gerettet. Der Kerl war zu schnell für mich.>
    <Damit habe ich meine Schuld gegenüber Eurer Familie beglichen. Euer Bruder hat mir einst das Leben gerettet und jetzt ich das Eure.>
    <Gut, wir sollten uns jetzt auf den Weg zu Phelic machen.>


    Als wir den langen Gang zurück zur Treppe hinauf gehen, bleibe ich mit meiner Überjacke an einer Wandfackel hängen. Als diese sich zur Seite bewegt, schiebt sich mit einem knarrenden Geräusch ein Teil der Wand nach innen und wir blicken in einen kleinen Raum.
    <Habt Ihr das gesehen, Dinadon?>
    <Unfassbar. Jetzt bin ich schon so lange hier und dennoch wusste ich bisher nichts von irgendwelchen Geheimräumen in der Festung. Los, schauen wir hinein.>
    In dem Raum steht nur eine kleine, schwere Holztruhe, die nicht verschlossen ist.
    <Seht, ein Dolch. Seltsam, dass in einem geheimen Raum, den wohl niemand so schnell finden soll, nur ein simpler Dolch herumliegt.>
    <Das halte ich für keinen normalen Dolch, seht doch nur die Symbole auf der Schneide. Das sieht aus wie alte Runen, aber ich kann sie nicht lesen.>
    <Wie auch immer, dieses Stück muss sehr alt sein. Wir werden den Weisen Phelic fragen, vielleicht weiß er was damit anzufangen. Wenn es nichts damit auf sich hat, werde ich ihn wegwerfen; so ein alter Dolch eignet sich nicht einmal zum Verkaufen.>


    Im Obergeschoss angekommen, müssen wir einen langen Gang entlang gehen. Er endet im Quartier des Weisen Phelic.


    <Guten Tag Herr. Seid Ihr der Weise Phelic?>
    <Ja der bin ich. Wer seid Ihr, wenn ich fragen darf?>
    <Mein Name ist Markus und das ist Sir Dinadon, mein Begleiter. Wir haben ein Anliegen. Ich habe eine Mission zu erfüllen, die mich hinab in die Höhlen unterhalb Avalons führt. Ich soll dort das Verschwinden einer Gruppe aufklären, die auf der Suche nach dem Erdstein war. Sir Dinadon hat sich meiner Gruppe bereits angeschlossen. Sir Roth verwies mich auf Euren Schüler, der wohl sehr begierig darauf sein soll, die Höhlen zu sehen.>
    <Das ist er in der Tat. Er hat die Höhlen bereits studiert, zumindest in seinen Büchern. Er würde sie zu gern einmal von nahem sehen. Aber es ist doch sicher gefährlich dort unten.>
    <Damit rechne ich, ja. Deshalb brauche ich Leute mit Kraft und Verstand, die mir zur Seite stehen.>
    <Nun, an Verstand mangelt es ihm sicherlich nicht, er will schließlich später einmal ein Weiser werden. Außerdem ist er kundig in Magie. Ich habe ihm schon vor einiger Zeit einige nützliche Zaubersprüche beigebracht.>
    <Nun, dann macht uns mal miteinander bekannt, Phelic.>


    Der Lehrling ist kaum aus seinen Büchern hinauszukriegen. Dinadon hatte Recht als er sagte, es würde sich um einen Bücherwurm handeln.
    <Hallo. Sagt, wie heißt Ihr?>
    <Ich habe keinen Namen, bis ich nicht meine Prüfung zum Weisen abgeschlossen habe.>
    <Ihr habt keinen Namen?>
    <Nein, den bekomme ich erst zurück, wenn ich zum Weisen befördert worden bin. Bis dahin bin ich Phelics Schüler.>
    <Nun gut. Ihr wisst sicher, dass ich in die Höhlen muss und deshalb Begleiter suche. Sir Roth sagte mir, Ihr wärt gern dabei.>
    <Oh ja, das wünsche ich mir schon so lange.>
    <Ihr wisst aber sicher, dass es gefährlich werden kann? Könnt Ihr mit einem Schwert umgehen?>
    <Ja sicher, das scharfe Ende gehört nach...>
    <Schon gut, das reicht. Ich denke, mit Eurem Verstand und Eurer Magie könnt Ihr mir mehr helfen als mit einem Schwert. Ihr dürft mich begleiten.>


    Von Phelic lasse ich mir noch schnell erklären, was es mit dem Erdstein auf sich hat und warum er so wertvoll sein soll. Dazu aber später mehr.


    <Ach, fast hätte ich es vergessen, Phelics Schüler. Ich habe diesen Dolch gefunden. Könnt Ihr mir vielleicht etwas darüber sagen? Er sieht sehr alt aus und Ihr habt nicht zufällig etwas in Schriftrollen oder Büchern darüber gelesen?>
    <Ich habe viele Bücher gelesen, in denen von alten Waffen die Rede ist. Waffen, die heutzutage kaum noch jemand kennt. Die meisten haben sogar Namen.>
    <Nun gut, hier ist der Dolch. Ich wollte ihn eigentlich schon wegwerfen.>
    <Großer Gott, nein! So etwas könnt Ihr nicht wegwerfen. Wisst Ihr nicht, was für ein Dolch das ist? Das ist die Mystische Klaue.>
    <Mystische Klaue? Noch nie gehört.>
    <Dieser Dolch ist sehr alt. Ich glaube, nicht einmal mein Mentor Phelic kann diese alten Runen entziffern, so alt ist die Inschrift. Dieser Dolch birgt magische Kräfte in sich, ich kann sie spüren. Ich bin Fornaxianer, ich kann magische Aura aufspüren, und von dieser Waffe geht eine enorme Kraft aus. Ich habe schon viel über sie gelesen, aber sie in meinen Händen zu halten, erfüllt mich mit Ehrfurcht.>
    <Nun, dann gehört sie jetzt Euch, Phelics Schüler. Ich denke, ein angehender Weiser mit magischer Begabung kann damit mehr anfangen als ein Krieger. Wenn dieser Dolch tatsächlich so wertvoll ist, passt gut auf ihn auf. Mindestens genauso gut, wie ich auf Euch aufpassen werde. Gehen wir.>

    • Official Post

    Ich habe meine Gefährten gewählt. Dies sind nun die Drei, die herausfinden sollen, was der Gruppe in den Höhlen zugestoßen ist: ein Ritter, ein unerfahrener Krieger und der Lehrling eines Weisen.


    Als wir gerade den langen Korridor zum Thronsaal nehmen, macht mich Sir Dinadon auf etwas aufmerksam.
    <Markus, ehe ich es vergesse: die Taverne, in der ich öfter verweile, ist nicht weit weg vom Gemach der Catheaner. Normalerweise sind sie immer ganz redselig und gesellschaftsfreudig, aber seit einiger Zeit verschanzen sie sich in ihren Gemächern. Ich glaube, da stimmt etwas nicht. Haben wir noch die Zeit, dort nach dem Rechten zu schauen?>
    <Ich denke, die Zeit haben wir noch. Lasst uns schauen, ob dort etwas faul ist.>
    Als wir am Gemach des catheanischen Königs ankommen, ist die Tür verschlossen. Also klopfen wir an. Es wird auch geöffnet.
    Ein Mann in grüner Überjacke steht vor uns. Grün ist die Tracht der Männer von Cathea. Ein weißes Roß prangt auf seiner Brust, die Catheaner gelten als das Volk der Reiter.
    <Guten Tag. Könnt Ihr eventuell Hilfe gebrauchen?>
    <Ich weiß nicht, wie ihr darauf kommt, aber...ja. Das könntet Ihr in der Tat. Folgt mir bitte.>
    Ich folge dem Mann um die Ecke und stehe vor einem Bett, in dem ein Mann liegt, dem das Leiden einer Krankheit ins Gesicht geschrieben steht. Sein Gesicht ist fahl und nass vom Fieberschweiß. Neben dem Bett steht eine Frau, die die Hand des Kranken hält. Der Kranke ist König Isdernus, Regent von Cathea und die Frau an seiner Seite ist Lady Chatwick, seine Verlobte. Vor dem Bett steht ein Mönch und versucht herauszufinden, welches Leiden den König befallen hat.


    Was als nächstes passiert, ist zu viel, um es hier in Gesprächen aufzuführen. Im Großen und Ganzen geht es darum, dass der König von Cathea vergiftet wurde und der Mönch weiß nicht, wer es getan haben könnte, noch was das für eine Vergiftung ist. Meine Aufgabe besteht also darin, herauszufinden, was es mit diesem Gift auf sich hat, um so den König retten zu können. Und welcher Mann könnte sich wohl mit Giften auskennen? Fester, der königliche Alchimist. Dieser erzählt mir, dass ihm vor ein paar Tagen Exgredenzien gestohlen wurden. Substanzen, die zur Behandlung von Hirnfieber verwendet werden. Er verweist mich an den Bibliothekar Marcus.
    Marcus erzählt mir, dass vor einigen Tagen ein Page zu ihm kam und nach einem Buch gefragt hat. In dem Buch ging es darum, mit welchen Medikamenten man Hirnfieber behandeln kann. Marcus erzählt mir weiter, dass diese Substanzen bei einem gesunden Menschen zum Tode führen können. Er erinnert sich noch an den Namen des Pagen: Simek. Aber leider nicht mehr, wo sich dieser Page meist aufhält. Ich erhalte von Marcus aber eine sehr nützliche Information, was die weiteren Bestandteile des Giftes angeht. Einige Kräuter sind im Innenhof beim Händler Rayous zu bekommen.
    Als ich Rayous im Innenhof aufsuche, erzählt er mir, dass der Page bei ihm diese Kräuter gekauft hat. Und er hält sich oft im Erdgeschoss der Burgfrieds auf. Ich weiß nicht, wieviel Zeit dem König noch bleibt, also muss jetzt alles sehr schnell gehen. Wenn der Mönch erst einmal weiß, welche Bestandteile verwendet wurden, kann er die Vergiftung womöglich noch aufhalten.
    Als ich im Korridor des Bergfriedes ankomme, sehe ich einen Pagen aufgeregt auf und ab rennen. Wenn das mal kein Zufall ist...


    <Hey Ihr da! Wartet einen Augenblick. Seid Ihr Simek?>
    <Wer will das wissen?>
    <Ein bisschen mehr Respekt, wenn ich bitten darf. Ich bin nicht umsonst Offizier. Seid Ihr Simek oder nicht?>
    <Ja, aber was wollt Ihr von mir?>
    <Ich habe gehört, Ihr interessiert Euch sehr für Kräuterkunde.>
    <Von wem habt Ihr das denn gehört? Ich habe nicht die Zeit, um mit Pflanzen zu spielen.>
    <Dann spielen wir jetzt das Wahrheitsspiel. Ihr habt ein Gift gebraut und damit den catheanischen König vergiftet.>
    <Nein, das habe ich nicht.>
    <Ich weiß bereits, wer Euer Auftraggeber ist, Ihr könnt es also ruhig zugeben.>
    <Das ist absurd, ich weiß nicht einmal, wer er ist und dass er mich...ups... Jetzt werdet Ihr sterben!>
    <Habt acht, Attentäter.>


    Als Krieger einen Pagen zu töten, bedarf keiner Kunst. Normalerweise würde ich einem so wehrlosen Mann kein Haar krümmen, aber wenn dieser Mann ein Messer zieht und auf mich los geht, fällt das unter Selbstverteidigung. Ich musste ihn notgedrungen töten. Seiner Tunika entnehme ich ein kleines grünes Fläschchen. Dies muss sofort dem Mönch gebracht werden. Als ich oben ankomme, sind alle heilfroh.


    <Guter Mönch, ich habe den Attentäter erledigt und ihm dies abgenommen. Ich hoffe, Ihr könnt mit der Zusammensetzung etwas anfangen.>
    <Und ob ich das kann. Diese Mischung kenne ich genau. Jetzt kann ich ein Gegenmittel brauen und den König heilen. Habt vielen Dank, mein Held. Das Catheanische Gefolge wird Euch ewig dankbar sein, Ihr habt den König gerettet.>
    <Das habe ich gern getan.>
    <Das glaube ich Euch. Aber lasst mich Euch trotzdem meine Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Ich möchte Euch zum Dank einen Zauber beibringen, der Euch gegen viele Formen des Schadens beschützen soll. Er heißt "Schutz vor allem" und schützt somit ein wenig vor Schwerthieben oder auch Magie.>
    <Habt vielen Dank, guter Mönch.>


    Und noch eine gute Tat auf meinem Weg. Wenn das so weitergeht, werde ich noch zum Liebling der ganzen Burg. Darauf habe ich es allerdings nie abgesehen. Bisher ist mir fast alles zufällig in die Hände gefallen...



    Bevor wir uns nun endlich auf den Weg in die Höhlen machen können, müssen wir noch Nahrung für den langen Weg einpacken. Wir gehen deshalb hinunter in den Innenhof, um bei den Händlern ein wenig einzukaufen. Unser Weg führt uns auch in eine kleine Absteige, nördlich der Taverne. Dies sieht aus wie eine kleine Pension. Hinten an der Wand steht ein Mann, der hastig auf und ab läuft.


    <Hallo. Wie ist Euer Name, Soldat?>
    <Tristan, Herr.>
    <Mein Name ist Markus. Sagt, was tut ihr hier drinnen?>
    <Ich kann nachts schlecht schlafen, und so renne ich tagsüber auch herum wie ein aufgescheuchtes Huhn.>
    <Habt Ihr irgendetwas?>
    <Um ehrlich zu sein mache ich mir Sorgen um einen Freund von mir. Er ist vor einiger Zeit in die Höhlen gegangen und kehrte bisher noch nicht zurück.>
    <Ist er zufällig ein Ritter?>
    <Ja, ist er. Warum fragt Ihr?>
    <Nun, ich und meine Gefährten sollen in die Höhlen gehen, um nachzuschauen, was der Gruppe, der Euer Freund angehört, zugestoßen sein könnte.>
    <Oh, könntet Ihr mir Bescheid sagen, wenn Ihr wisst, was vorgefallen ist? Ich möchte wissen, was meinem Freund passiert sein könnte.>
    <Das mache ich, Tristan. Aber wie soll ich ihn erkennen? Vielleicht laufen dort unten ja auch andere Wachen herum.>
    <Er trägt immer einen Ring. Ein Familienring mit dem Siegel eines Fuchses. Daran könnt Ihr ihn erkennen.>
    <Ich melde mich bei Euch, sobald ich zurückkehre. Bis dahin versucht, ein wenig zu schlafen.>


    Nachdem wir alles Nötige eingepackt haben - Waffen und Wegzehrung - machen wir uns auf den Weg zum Kellereingang. Ein Mann in avalonischen Gewändern passt uns ab.


    <Hey, wer seid Ihr? Ihr seht so aus, als wolltet Ihr eine Wanderung unternehmen.>
    <So in der Art, ja. Mein Name ist Markus. Sir Roth sagte, Ihr wüsstet Bescheid.>
    <Stimmt, da war etwas. Nun, dann mache ich den Eingang für Euch frei. Wenn Ihr in den Höhlen seid, sagt bitte meinem Angestellen Weldon, dass seine Ablöse erkrankt ist.>
    <Das mache ich. Dann sagt Ihr bitte Euren Leuten, dass sie uns dort unten nicht einsperren sollen.>


    Der Mann wirkte ein bisschen komisch. Sein zerknauschtes Gesicht und dieses nervöse Zucken in den Augen. Diese Avalonier sind wirklich ein seltsames Völkchen...
    Als wir die Treppe hinunter in den Keller nehmen, wird es kälter. Hier unten ist es stockdunkel. Nur ein paar Wandfackeln spenden in den Gängen ein wenig Licht. Als wir gerade um die Ecke biegen wollen, um das Höhlentor zu passieren, fällt mir auf, dass von weiter hinten mehr Licht schimmert als in den anderen Gängen. Als wir näher kommen, macht es den Anschein, als würde hier jemand hausen. Aber wer nistet sich denn in solch einem kalten Keller häuslich ein?
    Ein großer Mann mit finsterer Miene und schwarzen Gewändern steht im Raum und mustert uns, als wir nähertreten.


    <Hallo. Sagt, wo bin ich hier? Wer seid Ihr?>
    <Mein Name ist Felious, Geisterbeschwörer von Avalon. Dies ist meine Behausung.>
    <Geisterbeschwörer? Heißt das, Ihr seid ein Nekromant? Aber warum praktiziert Ihr hier unten im dunklen Keller?>
    <Ja, ich bin ein Nekromant, ein Totenbeschwörer. Und mein Beruf erklärt auch die Tatsache, warum ich hier unten arbeite. Ich hatte mein Quartier ursprünglich im Obergeschoss, aber die anderen Bewohner haben sich über meine Anwesenheit und über den Geruch, den sie wahrnahmen, beschwert.>
    <Einen seltsamen Geruch nehme ich auch wahr. Ist es das, wofür ich es halte?>
    Ein schwacher Verwesungsgeruch steigt mir in die Nase. Ich muss meine Augen zusammenkneifen, aber ich will den Mann nicht beleidigen.
    <Wie gesagt, ich bin Totenbeschwörer. Dieser Geruch gehört zu meiner Arbeit dazu.>
    <Nun, meine Menschenkenntnis lehrt mich, nicht vorschnell über andere Leute zu urteilen, so seltsam ihre Interessen auch sein mögen. Vielleicht könntet Ihr mir ein wenig über Eure Arbeit erzählen.>


    Felious gibt mir eine kurze Einweisung in die Arbeit eines Nekromanten. Er spricht über alles Tote und über eine Welt fern von dieser. Keine dunkle Welt, wie man annehmen könnte, sondern eine helle Welt. Eine Welt, die er zu studieren versucht.
    <Guter Felious, vielleicht könntet Ihr mir ein wenig helfen. Ich muss in die Höhlen und wollte fragen, ob Ihr Euch dort ein wenig auskennt.>
    <Das nicht, aber eine gute Freundin von mir ging vor einiger Zeit in die Höhlen. Sie ist Kundschafterin und eine sehr gute noch dazu. Ich wüsste gern, was ihr zugestoßen sein könnte.>
    <Ich werde Euch berichten, was ich in den Höhlen gefunden habe.>
    <Seid Ihr ein wenig kundig in Magie?>
    <Nun ja, ein wenig.>
    <Falls Ihr eure magischen Kenntnisse ein wenig schärfen wollt, schlage ich vor, Ihr unterhaltet Euch mit meinem Skelett. Es steht dort drüben hinter der Tür.>


    Ich soll mit seinem Skelett reden? Ich wusste ja, dass Nekromanten einen kleinen Haumich haben, aber so etwas habe ich noch nie gehört. Felious muss verrückt sein. Ich öffne die Tür trotzdem.
    WAS IST DAS??? Ich kann es kaum glauben... Vor mir steht ein knochiges Skelett und scheint mich anzuschauen - aber mit blanken Augenhöhlen. Mir läuft ein eiskalter Schauer über den Rücken. Auch meine Gefährten springen einen Meter zurück.


    <Klick klick, klopf klopf, kratz kratz.>
    <Ähm... klick klick....klopf....kratz...>
    <Oh danke, dass Ihr mitgespielt habt. Mein Meister redet nicht sehr oft mit mir. Und vor allem nicht auf diese Weise.>
    <Ihr...Ihr könnt sprechen.>
    <Ja, mein Meister hat es mich gelehrt. Er hat mir alles beigebracht, was ich weiß.>
    <Wer seid Ihr?>
    <Mein Name ist Bones. Sehr treffend, wie ich finde. *er kichert* Falls Ihr neue Zaubersprüche lernen wollt, seid Ihr bei mir genau richtig.>
    <Ich habe bereits einen Magiekundigen in meiner Gruppe. Trotzdem danke für das Angebot, Bones.>


    Ich glaube, so langsam sollte mich nichts mehr überraschen in dieser Burg.
    Nun habe ich schon wieder mehrere Aufträge: das Verschwinden der Gruppe aufklären und nicht nur Sir Roth, sondern auch Felious und Tristan informieren, und Wacians Angestelltem Weldon sagen, dass er nicht abgelöst wird.


    So, nun wird es Zeit, meine Mission anzutreten. Ich hoffe nur, ich habe bei der Wahl meiner Begleiter die richtigen Entscheidungen getroffen; aber ich bin ganz zuversichtlich. Sir Dinadon ist ein hervorragender Kämpfer und Phelics Schüler vereinigt Wissen und Magie in sich. Auch wenn er kaum Erfahrung hat und ziemlich tolpatschig wirkt, glaube ich, dass diese Mission eine Chance für ihn ist, sich zu bewähren. Ich glaube, er wird sich trotzdem als nützlich erweisen.

    • Official Post

    Wir passieren das große Tor zum Eingang in die Höhlen. Die Wachen öffnen sofort und ich sehe schon die großen Stalagmiten heraufragen. Man hört deutlich das Geräusch von Wasser, das von der Decke tropft. Es hallt ziemlich laut nach. Überhaupt kann man jedes kleinste Geräusch hören, sogar unsere Stiefelschritte.
    Ich hatte erwartet, nach dem Durchschreiten des Tores beireits die Zivilisation hinter mir gelassen zu haben, aber hier stehen überall noch Fackeln und Vorratskisten herum. Außerdem steht alle paar Meter ein Wachposten, bewaffnet mit einem langen Kampfstab. Sollte die gesamte Höhle etwa bewacht sein? Unvorstellbar, sonst hätte sich die Gruppe nicht in Luft auflösen können. Außerdem sollen die Höhlen riesig sein; hier eine ganze Kompanie als Wache aufzuteilen, wäre zuviel Aufwand. Ein Soldat kommt auf mich zu.


    <Guten Tag, Sir. Ihr seid sicher die Gruppe, die das Verschwinden der letzen Exkursion aufklären soll. Man hat uns informiert.>
    <Seid gegrüßt. Ja, so ist es. Ihr seht ein wenig übermüdet aus. Fühlt Ihr Euch wohl?>
    <Um ehrlich zu sein Sir, das ist es nicht. Wir Wachposten hören seltsame Geräusche.>
    <Geräusche? Was für Geräusche?>
    <Das wissen wir nicht. Anfangs dachten wir, es wären vielleicht die Schritte unserer Kumpane, aber dann fiel uns auf, dass sie ziemlich unheimlich klingen. Nicht menschlich, wenn Ihr versteht.>
    <Nun, ich denke, es werden dann auch sicher nur die Geräusche Eurer Kollegen sein.>
    <Hier wird jedes Geräusch fast bis zur Unkenntlichkeit verzerrt. Es kann einen Mann fast wahnsinnig machen.>
    <Reißt Euch zusammen, Mann! Ihr seid hier die Wache und müsst bei Verstand sein. Und jetzt lasst mich durch, ich habe vor, gesund zurückzukehren.>
    <*seufz* Ich wusste, Ihr würdet es nicht verstehen.>


    Irgendwie hat mir das Gerede des Mannes einen Schauer über den Rücken gejagt. Vielleicht ist wirklich irgendetwas in den Höhlen...
    Ungefähr 100 Meter weiter passieren wir einen kleinen Tunnel. An seinem Ausgang steht noch eine Wache.


    <Hallo Sir. Gott sei Dank, mal wieder ein menschliches Gesicht.>
    <Redet ihr Wachposten nicht untereinander?>
    <Nein, wir haben Befehl, unseren Posten nicht zu verlassen. Genau genommen seid Ihr seit Stunden der Erste, den ich hier durchgehen sehe.>
    <Wer ist denn vor uns hier durchgekommen?>
    <Ein Bote. Es gibt nur zwei Wege aus den Höhlen heraus: nach Avalon oder hinaus in die Wälder. Da der Bote aus Avalon kam, muss er den Weg in den Wald eingeschlagen haben. Der Durchgang ist ein paar hundert Meter weiter westlich. Er wird von einem Kollegen von mir bewacht: Weldon.>
    <Danke für die Information, Soldat. Bleibt wachsam.>


    Ich bin gespannt, wohin dieser Bote unterwegs ist. Er hatte es schon sehr eilig, als er Sir Roths Gemach verlassen hat. Und was er wohl mit dieser "Warnung" meinte? Nun, ich denke, das werde ich nie herausfinden. Der Bote ist sicherlich schon weit in die Wälder vorgedrungen, er ist schon seit Stunden weg.
    Als wir ein paar hundert Meter gegangen sind, steht nur noch eine einzige Fackel an der Wand. Davor ein Mann, der mir sagt, dass er die letzte Wache auf dem Weg in die Höhlen ist. Alles, was sich jenseits von seinem Posten befindet, ist unerforscht. Bis auf den Durchgang zum Wald, und genau den werde ich jetzt suchen. Dort soll sich dieser Weldon aufhalten.


    Ich brauche nicht lange nach dem Durchgang zu suchen, man sieht schon von weitem den Sonnenschein, wie er den kahlen Höhlenboden flutet. Er ist durch ein schweres Eisengatter versperrt und wird von einem Mann bewacht, der von seiner Arbeit gezeichnet zu sein scheint. Sein Haar zerzaust vom Wind, der durch das Gitter pfeift und seine Haut wie Pergament durch die kühle Luft in den Höhlen.


    <Seid gegrüßt, Soldat.>
    <Ihr auch, Sir. Tut mir leid, ich darf Euch nicht durch das Tor lassen. Dafür ist ein Beschluss des Rates erforderlich. Außerdem habe ich keinen Schlüssel.>
    <Ihr dürft mich nicht durch lassen?>
    <Nein, wie ich Euch versucht habe klarzumachen, besitze ich keinen Schlüssel.>
    <Keine Panik, ich will gar nicht durch das Tor. Sagt, seid Ihr Weldon?>
    <Ja. Seid Ihr meine Ablöse?>
    <Nein, leider nicht. Wacian schickt mich. Ich soll Euch ausrichten, dass eure Ablöse erkrankt ist und ein Ersatz gesucht wird.>
    <*gähn* Na gut, die paar Stunden mehr machen den Kohl auch nicht mehr fett. Ich stehe ja auch erst seit 16 Stunden auf meinem Posten...>
    <Das tut mir sehr leid für Euch, Weldon. Aber wartet mal; Ihr sagtet eben, dass Ihr keinen Schlüssel für das Tor habt und dass ein Beschluss des Rates erforderlich ist, es öffnen zu lassen.>
    <Richtig.>
    <Sagt, wann ist der Bote hier durch gekommen?>
    <Bote? Welcher Bote? Ich habe seit Beginn meiner Schicht niemanden gesehen.>
    <Was sagt Ihr da? Euer Kollege am Tunnel sagte mir, der Bote sei vor ein paar Stunden an ihm vorbeigekommen. Er war auf dem Weg in den Wald.>
    <An mir ist niemand vorbeigekommen. Wie gesagt, er wäre gar nicht durch das Tor gekommen ohne Schlüssel. Und ich bin die ganze Zeit über hellwach gewesen.>
    <Danke Weldon. Versucht, weiterhin wachsam zu bleiben. Ich glaube, hier geht etwas vor sich...>


    Das ist höchst seltsam. Der Bote hat Sir Roths Gemach verlassen und hat dann die Wache am Tunnel passiert. Aber niemand sonst hat ihn seitdem gesehen. Irgendetwas muss ihm zugestoßen sein. Ich sollte auf der Hut sein.
    Meine Gefährten und ich dringen weiter in die Höhlen vor, immer damit rechnend, dass wir auf unangenehme Überraschungen stoßen. Viele Wege entpuppen sich als Sackgasse oder sind durch Felsen versperrt. Überall kann man das Schwirren von Fledermäusen hören. Außerdem hören wir auch diese seltsamen Geräusche, von denen die Wache sprach. Sie hören sich in der Tat sehr unheimlich an. Vielleicht sind es die Geräusche des Boten, der sich eventuell verlaufen hat.


    Wir sind erst eine gute halbe Stunde unterwegs und schon jetzt wirken die Höhlengänge wie ein Labyrinth. Immer wieder stoßen wir auf Sackgassen und kleine Felsspalten, durch die wir aber unmöglich hindurchschlüpfen können. Als wir einen kleinen Pfad betreten, hören wir Geräusche. Aber nicht die üblichen Geräusche von Wasser oder Fledermäusen, sondern Geräusche von Menschen. Wir hören ein Räuspern. Langsam pirschen wir uns an. Wer weiß, wer hinter der nächsten Wand auf uns lauert.
    Doch wer sitzt da, eine Decke unter sich ausgebreitet und gerade ein Butterbrot kauend? Der Bote! Er sitzt einfach so da und bemerkt uns nicht einmal, als wir um die Ecke spähen.
    Ich rufe zu ihm rüber. Sir Dinadon legt die Hand an den Schwertknauf.


    <Hey Ihr da! Was habt Ihr hier verloren?>
    Der Mann fährt erschrocken hoch.
    <Wer? Ich?>
    <Seid Ihr nicht der Bote, der von Sir Roth ausgesandt wurde?>
    <Ähm, ja. Könnt Ihr mir helfen, hier herauszukommen? Ich habe mich verlaufen und...>
    <Verlaufen? Das soll ich Euch abkaufen? Mit aufgeknöpfter Tunika und ausgezogenen Stiefeln und Strümpfen? Sieht eher so aus, als hättet Ihr Euch hier häuslich niedergelassen. Davon wird Sir Roth erfahren.>
    <Nur zu schade, dass Ihr keine Zeit mehr haben werdet, es ihm auszurichten.>
    Ich hätte ihn nur zu gern am Leben gelassen, damit er bei seinem Prozess alles ausplaudern kann. Doch als der Mann nach seinem Bogen greift und einen Pfeil einspannt, bekommt er meine Klinge zu spüren.
    Ich muss sofort Sir Roth aufsuchen, ihm davon Bericht erstatten. Der Bote hat einen Brief bei sich, der an die Kavallarie von Taberland gerichtet ist.


    Meine Gefolgsleute und ich hetzen so schnell es geht den Höhlengang zurück zur Festung und stürzen die Treppen zum Obergeschoss hinauf.


    <Sir Roth, Sir Roth!>
    <Was habt Ihr, Markus? Schon zurück? Habt Ihr schon etwas über die Gruppe herausgefunden?>
    <Das nicht, Sir. Aber der Bote, den Ihr entsandt habt, entpuppte sich als Verräter. Er hatte in den Höhlen ein Lager aufgeschlagen und wollte die ganze Sache vermutlich einfach aussitzen. Er griff mich an und ich musste ihn töten. Ich habe ihm den Brief abgenommen. Hier ist er.>
    <Noch ein Verräter. Werden wir diese Schurken denn nie los? Danke Markus, das war gute Arbeit. Ihr scheint ein Gespür für Verräter zu haben. Daher ist es gut, dass Ihr für mich arbeitet. Ich muss mich mit den anderen Ratsmitgliedern beratschlagen. Jetzt macht Euch bitte wieder an Euren Auftrag. Ihr habt noch viel zu tun.>


    Als wir die Treppe hinabgehen, erstatte ich noch eben Wacian Bericht, dass ich Weldon angetroffen habe. Dann geht die Reise weiter. Weiter durch die Höhlen, immer tiefer ins Ungewissene hinein...

    • Official Post

    Die Wachen grüßen abermals, als wir erneut an ihnen vorbeigehen. Ich bin der leisen Hoffnung, dass wir die Gruppe genauso schnell finden wie den Boten. Aber angesichts der Tatsache, dass wir bisher nur einen kleinen Teil der Höhlen ausgekundschaftet haben, schwindet diese Hoffnung. Ich hoffe nur, dass wir alle drei Personen lebendig und unversehrt vorfinden.


    Wir gehen den gleichen Weg, den wir bei unserem letzten Gang schon eingeschlagen haben. Doch es gibt noch viele Wege, die wir auskundschaften müssen. Wir müssen jeden Winkel der Höhlen genau unter die Lupe nehmen. Unser Weg führt uns auf einen großen breiten Gang, der jenseits der letzten Wache richtung Norden führt. Hier wird die Luft deutlich kühler und der Schein der letzten Fackel verblasst, sodass es beinah stockdunkel wird. Die seltsamen Geräusche, die wir schon anfangs vernahmen, werden lauter und unheimlicher. Das Schwirren der Fledermäuse und das Tropfen des Wassers geht unter zwischen seltsamen Stöhn- und Pfeifgeräuschen. Es klingt beinah so, als würde hier der Wind durchfegen, aber es bewegt sich nicht ein einziges Haar auf meinem Kopf...
    Die Stalagmiten und Stalagtiten sind hier sehr groß und hinter ihnen wäre genug Platz, um sich mit mehreren Leuten dahinter zu verstecken. Ich rechne jede Sekunde damit, dass ein Ungeheuer dahinter hervorbricht oder dass wir die Gruppe hinter einer solchen Felsformation vorfinden. Auch habe ich noch nie solche großen Pilze gesehen. Die Wände sind hier sehr feucht und über und über mit Moos bedeckt. Daher gedeihen hier seltsame Pilze, deren Schirm gut einen halben Meter misst. Dieser Ort wäre ein Paradies für jeden Floristen. Wenn nur der kalte Schauer nicht wäre, der mich immer wieder überkommt...
    Als wir weiter in die Höhlen vordringen, werden die Gänge immer enger und die Felsformationen sehen sehr seltsam aus. Als wären sie in die Wände hineingehauen worden. Einige Meter vor uns bewegt sich plötzlich eine Felswand.
    <Markus, Dinadon! Habt Ihr das gerade gesehen?>
    <Was, Phelics Schüler? Was sollen wir gesehen haben?>
    <Der Fels dort vorn hat sich bewegt...>
    <Wie soll sich ein Fels bewegen? Ihr lest zuviele Bücher, so scheint es mir.>


    Doch dann sehen wir es auch. Ein Teil der Wand löst sich ab und ein großer grauer Felsbrocken kommt direkt auf uns zu. Ich würde es nicht glauben, wenn ich es nicht mit eigenen Augen sehen würde...
    Dieser Felsbrocken hat zwei Beine, zwei Arme und einen Kopf. Zwar kann ich keine Augen erkennen, aber er scheint uns genau wahrzunehmen.
    <Was ist das für ein Ding? Phelics Schüler, Ihr seid doch hier der Gelehrte. Stand von wandelnden Felsen irgendwas in Euren Büchern?>
    <Das ist ein Golem.>
    <Ein was?>
    <Ein Golem. Eine Kreatur, die sich scheinbar aus jedem Element heraus selbst erschaffen kann. Aus Fels, aus Sand, aus Lava...>
    Dinadon <Und was sollen wir jetzt tun, Markus?>
    <Weglaufen wäre eine gute Idee.>


    Wir wollen gerade den Rückzug antreten, da taucht hinter uns ein weiteres Monstrum auf. Unser Rückweg ist abgeschnitten. Und der Weg nach vorn ebenfalls.
    <Noch irgendwelche grandiosen Vorschläge, Markus?>
    <Ich glaube kaum, dass unsere Schwerter viel nützen würden.>
    <Um Eures mache ich mir Sorgen. Meines nutzt sich nicht ab. Das erkläre ich Euch später.>
    <Gute Idee, denn für Erklärungen wäre das jetzt wohl kaum der passende Zeitpunkt. Wir müssen uns etwas einfallen lassen.>


    Ich bin gerade noch dabei, mir einen Plan auszudenken, da höre ich, wie Phelics Schüler eine Beschwörungsformel ausspricht. Ich drehe mich zu ihm um und sehe, wie sich eine blaue Kugel zwischen seinen Händen formt. Ehe ich mich versehe, schleudert er die Kugel in Richtung des Golems, der vor uns steht. Mit einem Knall zerplatzt sie auf seinem Steinkörper und der Golem ist mit langen Eiszapfen übersät.
    <Was habt Ihr da gerade gemacht?>
    <Das war ein Frostzauber. Er friert den Gegner ein.>
    <Gut gemacht, Phelics Schüler.>
    <Das bezweifle ich. Ich hatte vergessen, dass Frost einem Felsbrocken nichts anhaben kann. Da, er bewegt sich wieder!>
    <Mein Kompliment von eben nehme ich zurück, Phelics Schüler.>
    <Mir ist eben nicht besseres eingefallen. Mein Mentor hat mich nicht mit vielen Angriffszaubern ausgestattet. Vor meinen Büchern habe ich die ja auch bisher noch nie gebraucht.>
    <Wenn Ihr beiden endlich fertig seid mit Streiten, würde ich gern etwas vorschlagen.> höre ich Sir Dinadon rufen.
    <Ich bin für jeden Vorschlag zu haben.>
    <Phelics Schüler, belegt die beiden Golems mit einem Lähmenzauber.>


    Gesagt, getan. Der Lähmen-Spruch wirkt im Gegensatz zum Frostzauber. Die beiden gehenden Felsen stehen starr wie Salzsäulen.
    <Und jetzt?>
    <Treten wir sie um.>
    <Ich muss mich wohl verhört haben. Ich dachte, Ihr hättet gerade "umtreten" gesagt...>
    <Ganz recht.>


    Ich dachte, Sir Dinadon sei nun plötzlich von allen guten Geistern verlassen worden, aber er nimmt Anlauf und tritt mit ganzer Kraft gegen den Golem, der mit einem lauten Knall zu Boden geht und in tausend kleine Felssplitter zerspringt.
    <Na das war doch gar nicht so schwer.>
    Dieselbe Prozedur wiederholen wir auch bei dem zweiten Golem und der Weg steht uns wieder frei.
    <Und was, wenn die beiden wieder aufstehen?>
    Phelics Schüler<Werden sie nicht. Wenn Golems einmal zersprungen sind, können sie sich nicht wieder formieren.>
    <Das hört sich gut an. Hoffentlich laufen wir nicht noch mehreren Golems in die Arme. Ich möchte nicht von so einem Monstrum getroffen werden. Ich stelle mir einen Faustschlag von ihm sehr schmerzhaft vor. Sir Dinadon, Ihr sagtet vorhin, Euer Schwert würde sich nicht abnutzen. Was habt Ihr damit gemeint?>
    <Dies ist Occums Klinge. Sie ist sehr scharf und mit einem Zauber belegt, sodass sich die Schneide niemals abnutzt. Aber Euer Schwert ist mir vorhin auch aufgefallen. Woher habt Ihr ein Schwert von solcher Qualität?>
    <Das ist eine Spezialanfertigung von Freeman. Es ist ein Offiziersschwert, sehr leicht und unheimlich scharf. Es ist aus reinstem Edelstahl gefertigt.>
    <Dann hoffe ich, dass es Euch noch gute Dienste leisten wird.>


    Nach dem Kampf gegen die Golems sind wir noch vorsichtiger geworden. Wie spähen um jede Ecke und passen besonders gut auf die Wände auf. Aber die Golems sind nicht die einzigen Monster, die in den Höhlen auf uns lauern. Die nächsten Geschöpfe lassen nicht lange auf sich warten.
    Bei ihnen handelt es sich um circa 2,5 Meter große Kreaturen, die keine menschlichen Züge haben, dafür aber lange Arme, die über den Boden schleifen und mit denen sie nach ihren Gegnern schlagen.
    Diese Biester treffen wir von da an in den Höhlen häufiger an. Mit unseren Schwertern kommen wir gegen sie an, aber vor ihren Schlägen müssen wir uns hüten. Phelics Schüler hat glaube ich noch nie so oft einen Heilungsspruch aussprechen müssen, um unsere Wunden zu versorgen.
    Als wir eine ziemlich enge Gasse verlassen, finden wir uns auf einem breiten Gang wieder. Wir spähen vorsichtig um eine Ecke, als Dinadon uns plötzlich zurückhält.
    <Markus, seht doch. Dort drüben>
    <Sha'ahoul. Mit denen hätte ich hier unten am allerwenigsten gerechnet.>
    <Aber sie sind alle tot.>
    <Vermutlich von Golems oder diesen langarmigen Monstern getötet.>
    <Das glaube ich nicht. Schaut doch, zwischen ihnen liegt noch jemand anderes.>
    Vorsichtig schleichen wir uns an die Leichen heran. Man kann schließlich nie wissen, ob nicht noch mehr Feinde in der Nähe sind. Aber der Gang ist sauber.
    <Es ist ein Ritter aus Avalon. Sein Schild trägt das Wappen von Nisos.>
    <Dinadon, ich ahne Schlimmes. Was, wenn das nun der Ritter ist, der der Gruppe angehörte?>
    <Er trägt einen Ring. Und dieser ist mit einem Siegel geprägt - mit dem Siegel eines Fuchses.>
    <Oh nein. Ich hatte es befürchtet. Ich werde Tristan diese schlimme Nachricht überbringen müssen.>
    <Es sieht so aus, als sei er den Heldentot gestorben. Die Leichen weisen alle Schnittwunden einer Schwertklinge auf. Er muss sie alle getötet haben und ist dann an seinen Verletzungen gestorben.>
    <Begraben können wir ihn hier unten nicht, dafür haben wir keine Zeit. Lasst uns eine Schweigeminute einlegen und ein paar Worte des Friedens sprechen.>
    Es tut weh, ihn dort liegen zu lassen. Aber wir haben eine Mission, obwohl das Schicksal einer Person jetzt aufgeklärt ist. Doch die Umstände sind nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte.
    <...und ruhe in Frieden. Legt ihm sein Schwert in die Hände. Wir können hier nichts mehr tun, wir müssen weiter.>


    Die Anwesenheit der Sha'ahoul in diesen Höhlen macht unsere Mission umso gefährlicher. Wir müssen jetzt noch mehr auf der Hut sein. Und diese Sha'ahoul waren keine einfachen Kundschafter. Sie waren sehr gut gerüstet und trugen Breitschwerter. Das müssen Krieger gewesen sein. Doch wenn die Wache am Tunnel sagte, dass es nur zwei Eingänge zu den Höhlen gebe, nämlich von Avalon und von den Wäldern aus, frage ich mich, wie diese Burschen hier hineingekommen sind. Es muss noch einen Eingang geben. Doch wo?


    Wir gehen den langen Gang weiter richtung Norden und halten uns dann westwärts. Wir haben immer noch Hoffnung, die beiden verbleibenden Gruppenmitglieder lebend zu finden. Aber angesichts der Präsenz der Sha'ahoul schwindet auch diese Hoffnung zusehends.
    Als wir einen weiteren Tunnel passieren, geschieht es: wir haben Feindkontakt. Drei Sha'ahoul Krieger passen uns am anderen Ende ab und stürmen mit wildem Geschrei auf uns zu. Sir Dinadon und ich ziehen die Schwerter und zum ersten Mal mache ich mir ernsthafte Sorgen um Phelics Schüler. Er hat keine Kampferfahrung und diese Krieger sind nicht so dumm wie Golems oder diese langarmigen Kreaturen. Doch wie wir weiß er sich zu verteidigen. Mir fällt in diesem Moment der Schutzzauber ein, den mir der Mönch bei den Catheanern geschenkt hat. Ich spreche die Beschwörungsformel und wir stürmen nach vorn.
    Drei gegen drei - ein ausgeglichener Kampf. Sir Dinadon und ich liefern uns einen heißen Schwertkampf mit den Sha'ahoul und Phelics Schüler lässt seinen magischen Kräften freien Lauf. Er friert mit einem Frostzauber die Klinge seines Gegners ein, die mit einem Klirren zu Boden fällt und in tausend Eiskristalle zerbricht. Phelics Schüler bohrt die Mystische Klaue in die Brust seines Angreifers. Als einer der beiden übrigen Sha'ahoul zum Schlag gegen Sir Dinadon ausholt, schleudert der Schüler ihm einen Feuerball entgegen, der ihn sofort außer Gefecht setzt. Dem Letzten mache ich mit meiner Klinge den Garaus. Alle drei Feinde sind besiegt.
    <Alles in Ordnung mit Euch?>
    <Ja, Markus. Ich bin wohlauf. Wie geht es Euch, Schüler?>
    <Mir geht es gut. Um ehrlich zu sein, richtig gut. Das war gerade mein erster richtiger Kampf.>
    <Das war Eure Feuertaufe. Und Ihr habt Euch verdammt gut geschlagen, meinen Glückwunsch. Aber jetzt lasst uns weiter, ich rechne noch mit mehr Feinden.>


    Und in der Tat warten noch etliche Feinde auf uns. Bis jetzt haben wir 20 Sha'ahoul Krieger in die ewigen Jagdgründe geschickt. Und ich bin froh über die Wahl meiner Gefährten. Dies war die richtige Entscheidung.


    Wir gehen den Weg weiter nach Westen und stehen plötzlich vor einem großen Steinbogen, in den uralte Runen und Schriftzeichen eingeschlagen sind. Dahinter stehen zu beiden Seiten dicke Steinwände, die jeweils aus großen, aufeinandergesetzten Steinklötzen bestehen. Das sieht nach Zivilisation aus - auch wenn sie schon sehr viele Jahrhunderte zurück liegen muss. Dieses Tor und die Wände sind eindeutig von einem Volk geschaffen worden, dass hier einmal gelebt hat.
    <Ich weiß nicht, wie es Euch geht, aber ich habe das Bedürfnis, hineinzugehen um mir das näher anzusehen.>
    <Wir sind dicht hinter Euch, Markus. Seid vorsichtig.>


    Wir passieren den großen Steinbogen und stehen plötzlich vor riesigen Ruinen; den Ruinen einer uralten Stadt. Uns fällt vor Staunen beinah die Kinnlade herunter. Dieser Teil der Höhle ist so hell, dass man alles erkennen kann. Die Wände von riesigen Häusern und die Ruinen zeugen von einer uralten Zivilisation.
    Doch mit einem hätten wir nicht gerechnet...

    • Official Post

    Direkt vor uns steht wieder eines dieser langarmigen Monster, die uns in den Höhlen jetzt schon häufiger angegriffen haben. Es blickt mir direkt in die Augen. Als ich meinen Kopf kurz nach hinten neige, sehe ich, dass Sir Dinadon sein Schwert bereits gezogen hat. Auch Phelics Schüler ist bereit für einen weiteren Kampf.
    Ich weiß nicht warum, aber mit einer kurzen Handbewegung signalisiere ich den beiden, stehen zu bleiben. Das Monstrum greift nicht an, sondern steht einfach da und schaut mich an. Seine Augen sind zusammengekniffen und strahlen eine ungewohnte Ruhe aus. Ich kann mir nicht erklären, warum ich auf die Kreatur zugehe, sie scheint mich magisch anzuziehen. Plötzlich öffnet sie ihren Mund, als wolle sie zu mir sprechen.


    <Was Ihr wollen?>
    Ich reiße vor Staunen die Augen weit auf.
    <Du kannst sprechen... Hey Leute, hier ist einer, der nicht nach meinem Blut dürstet!>
    <Nicht witzig.>
    <Verzeiht. Wer seid Ihr?>
    <Ich ein Lurker.>
    <Ein was?>
    <Lurker. Altes Volk. Sehr alt. Verflucht.>
    <Verflucht, sagt Ihr? Wann? Durch wen?>
    <Viele hundert Jahre her. Früher schönes Volk. Lebten glücklich. Beteten Stein und Göttin an. Dann Zauberer kam. Klaute Stein und verfluchte uns.>
    <Warum habt Ihr mich nicht angegriffen wie Eure Brüder dort draußen in den Höhlen?>
    <Meine Brüder nicht so gut verkraften Fluch. Wurden wahnsinnig. Ich einer der letzten, die noch können sprechen und denken.>
    <Ihr sagtet grade, Euer Volk ist schon mehrere hundert Jahre alt. Wie ist das möglich?>
    <Unsterblich.>
    <Das kann nicht sein. Ich habe Eure Brüder dort draußen getötet.>
    <Ihr Leichen sehen?>
    <Was?>
    <Stehen wieder auf. Unsterblich durch Fluch.>
    <Ihr habt früher eine Göttin und einen Stein angebetet? Was war das für eine Göttin und was war das für ein Stein?>
    <Schöne Göttin. Wachte über uns. Hatte Stein, der Welt am Leben hält. Aber geriet in falsche Hände. Hände von böser Zauberer. Jetzt Stein verloren und wir nicht mehr können werden wie früher.>
    <Ist das zufällig der Erdstein?>
    <Weiß nicht, wie Ihr ihn nennen. Möglich.>
    <Hört zu, ich bin gerade auf dem Weg, einen mysteriösen Stein zu suchen. Vielleicht ist das der Stein, von dem Ihr sprecht.>
    <Wäre zu schön, um zu sein wahr. Falls Stein wieder bei Göttin, Tempel wieder aufsteigen an die Sonne.>
    <Das geht nicht. Wir haben über Eurer Tempelanlage eine Zitadelle errichtet und falls der Tempel wieder emporstiege, würde er die Zitadelle vernichten.>
    <Oh nein.>
    <Es muss einen anderen Weg geben.>
    <Oh, Ihr werdet finden anderen Weg.>
    <Woher wollt Ihr das wissen?>
    <Göttin es mir sagen. Sie immer noch zu mir sprechen. Ich nicht dumm wie meine Brüder. Wir im Tempel noch nicht ganz verfallen Fluch.>
    <Ich verspreche Euch, dass ich einen Weg finde, Euch von diesem Fluch zu befreien. Ihr habt lange genug solch ein Leben geführt. Gehabt Euch bis dahin wohl, tapferer Lurker.>


    Das ist ja kaum zu glauben. Es lebt ein Volk in den Höhlen, dass durch einen Fluch unsterblich, aber potthässlich wurde. Einige von ihnen sind dem Fluch vollständig unterlegen und greifen alles an, was sich bewegt und ein paar wenige können noch einigermaßen sprechen, wenn auch nur noch bruchstückweise. Wenn es stimmt, dass dieses Volk unschuldig ist und früher einmal eine strahlende Tempelanlage bewohnte, von der heute nur noch Ruinen übrig sind, muss ich ihnen helfen.
    Doch vorher haben wir noch einen Auftrag zu erfüllen. Wäre der Trupp, der verloren ging, hier vorbeigekommen, hätte der Lurker es mir sicher gesagt. Wir sollten trotzdem lieber die Tempelanlage unter die Lupe nehmen. Überall in dem Höhlentrakt prasseln kleine Lagerfeuer und einige Lurker stehen drum herum. Als wir näherkommen, laufen sie aufgeregt und zerstreut weg. Einige sagen auch, dass wir sie in Ruhe lassen sollen.


    In der Mitte der Höhle steht ein großer Tempel, der noch nicht völlig verfallen ist. Sogar das Eingangstor ist noch verschlossen und lässt sich durch einen Schalter öffnen. Als wir hineingehen, ist es so dunkel, dass man nicht einmal mehr die Hand vor den Augen sehen kann. Phelics Schüler nimmt ein Holzscheit von einem der Lagerfeuer und verschafft uns einige Meter Sicht. Wir schleichen langsam durch die Dunkelheit. Immer wieder streifen uns Spinnennetze durchs Gesicht; hier müssen selbst die Lurker lange nicht mehr drin gewesen sein.
    Im Schein der Fackel sieht es so aus, als husche ein Schatten direkt an uns vorbei. Hastig drehen wir uns um und Sir Dinadon und ich ziehen unsere Waffen. Phelics Schüler fährt mit der Fackel um sich und schon wieder huscht etwas an uns vorbei. Es läuft mir eiskalt den Rücken herunter, nur Sir Dinadon scheint seine innere Ruhe zu bewahren. Und da wieder.


    <Verflucht, was ist das? WER IST DA?>
    Niemand antwortet. Ich hatte auch nicht erwartet, dass sich jemand meldet.
    <Also Markus, entweder lauert hier etwas Böses auf uns oder es will uns jemand einfach nur Angst einjagen.>
    Phelics Schüler <Das gelingt ihm bis jetzt auch ziemlich gut, muss ich gestehen.>
    <Reißt Euch zusammen. Wir sind Verteidiger Avalons; wir dürfen jetzt keine Schwäche zeigen.>


    Und da huscht der Schatten erneut vorbei. Zu schnell, um sehen zu können, was es ist. Beim nächsten Mal kann ich aber erkennen, dass es Beine hat. Und es scheint Stiefel zu tragen. Es muss also ein Mensch sein. Als Phelics Schüler aber im nächsten Moment die Fackel vor sich richtet, erscheint etwas, was den Schüler schier nach hinten umhaut.
    <E...e...e...ein G..g..g..eist!!!>
    <Was sagt Ihr da? Dinadon, gebt mir die Fackel und kümmert Euch um Phelics Schüler. Ein Geist? Uns will hier sicher jemand verkackeiern.>


    Doch dann taucht das Wesen plötzlich genau im Schein der Fackel vor mir auf. Es sieht aus wie ein Mensch, doch ich kann durch ihn hindurchsehen wie durch ein Glas Ale. Das sieht tatsächlich aus wie ein Geist. Ich weiche vor Schreck ein paar Schritte zurück, aber das Wesen ist noch immer vor mir im Schein der Fackel.
    <Markus, Phelics Schüler hatte recht, das ist tatsächlich ein Geist.> höre ich Sir Dinadon rufen.
    Aber plötzlich packt mich ein Gefühl, dass nichts auf der Welt mir etwas anhaben könnte. Vielleicht ist es nur Überheblichkeit, aber mir fällt in diesem Moment nichts Besseres ein, als mein Schwert zu ziehen und es dem vermeintlichen Geist direkt in den Oberkörper zu rammen. Ich rechne damit, dass meine Klinge durch ihn hindurchgeht wie durch Butter, aber die Klinge bleibt stecken und der Geist bleibt stehen. Ich ziehe meine Klinge heraus und es ist nicht ein Tropfen Blut daran. Der Geist fällt dennoch zu Boden und ich höre ein letztes Ächzen wie von einem sterbenden Mann. Dann ist es plötzlich ganz still. Der Geist ist nicht verschwunden, sondern liegt vor mir. Er liegt da und eine Wunde klafft in seiner Brust, aber es kommt kein Blut heraus. Trotzdem sieht er aus wie ein toter Mann, nur dass sein Körper durchsichtig erscheint.
    <Phelics Schüler, seid Ihr in Ordnung?>
    <Ja, es geht schon wieder. Ich war nur so erschrocken. Was um alles in der Welt ist das? Wirklich ein Geist?>
    <Scheint so. Aber wie konnte ich einen Geist mit meinem Schwert töten? Sind Geister nicht schon tot? Und warum kein Blut? Und wer zum Teufel ist das überhaupt?>
    Sir Dinadon <Dieses Gesicht! Wo habt Ihr beiden dieses Gesicht schon einmal gesehen?>
    <In meinen Büchern zumindest nicht. Markus, wisst Ihr, was Sir Dinadon meint?>
    <Aber ja! Das Portrait in der Bibliothek. Der Mann mit Bart. Das ist Bauldazar.>
    <Bauldawer?>
    <Bauldazar, ein alter Ritter, ein Held. Viele Bücher wurden über ihn geschrieben.>
    <Wenn das hier Bauldazar ist, muss er sehr alt geworden sein oder er ist wirklich schon tot. Aber wie kann man einen Geist töten?>
    <Es gibt Dinge in dieser Welt, die kann man einfach nicht erklären. Das müsste der Lehrling eines Weisen doch am besten wissen, oder?>
    <Gerade nicht. Meine Studien sind dazu da, Dingen auf den Grund zu gehen. Ich versuche, alles rational zu sehen und jedem Mysterium seine Ursache zuzuschreiben.>
    <Wie auch immer. Ich denke, von dem Geist von Bauldazar haben wir nicht mehr allzuviel zu befürchten. Wir sollten diese Halle verlassen und wieder in die Höhlen gehen.>
    <Gute Idee. Phelics Schüler, kommt jetzt. Wir haben genug getrödelt.>


    Nach diesem Zwischenfall sollte mich wirklich nichts mehr überraschen. Riesenspinnen, Werwürmer, Golems, Lurker und ein Geist, den man mit einem Schwerthieb töten kann. Jeder Hasenherzige würde sofort flüchten und den verschollenen Suchtrupp seinem Schicksal überlassen. Aber hier sind zwei Krieger Elythrias und ein Mann aus Fornax und wir haben eine Mission, die wir zu Ende bringen werden.


    Als wir wieder die Höhlen betreten, fällt mir auf, dass die Leichen der "bösen" Lurker tatsächlich verschwunden sind. Der Lurker am Eingang des Tempels hatte recht. Sie stehen tatsächlich wieder auf. Wir müssen vorsichtig sein. Aber was mir noch mehr Sorgen macht, sie die Präsenz der Sha'ahoul in den Höhlen.
    Je weiter wir vordringen, umso mehr Feinde kreuzen unseren Weg. Und sie sind nicht allein: Sie werden oft von Zauberern begleitet. Als wir auf eine große Gabelung zweier Wege kommen, ist es nicht mehr zu vermeiden. Wir wurden entdeckt! Entdeckt von einer Truppe von 6 Kriegern, 2 Kundschaftern und einem Zauberer. Man sagt, beim Schach opfert man zuerst die Bauern. So greifen uns als erstes die beiden Kundschafter an. Sir Dinadon und ich legen uns besonders ins Zeug, um den Kriegern im Hintergrund zu signalisieren, dass man sich mit Kriegern Elythrias besser nicht anlegen sollte. Und in der Tat scheinen die Sha'ahoul ein klein wenig verunsichert, aber durch die Kraft des Schamanen im Rücken finden sie wieder zum alten Kampfesmut. Phelics Schüler spricht einen Zauber und lässt eine Feuerkugel dramatisch zwischen seinen Händen aufblitzen. Doch ehe ich eingreifen kann, hat ihn der Zauberer der Sha'ahoul bereits gelähmt. Der Schüler steht da wie eine Salzsäule und muss mit ansehen, wie die 6 Krieger über Sir Dinadon und mich herfallen. Als wäre 6 gegen 2 nicht schon ungerecht genug, versorgt der Shaman seine Krieger auch ständig mit neuer Energie, indem er Heilungssprüche über jeden wirkt. Auch scheint er über einen Zauber zu verfügen, der den Krieger gegen die Klinge seines Gegners fast immun macht. Wir müssen es irgendwie schaffen, den Shaman zu töten. Sonst haben wir keine Chance. Phelics Schüler kämpft immer noch gegen die Lähmung an. Scheinbar verbraucht der Shaman so viel Energie dabei, seine Krieger zu stärken, dass der Lähmen-Zauber auf Phelics Schüler nachlässt. Man kann es der Mimik des Schülers ansehen, dass er wütend ist. So wütend, dass er dem Shaman einen Feuerball mit voller Wucht entgegenschleudert. Dieser kann in letzter Sekunde ausweichen, doch ein zweiter Feuerball erwischt ihn mit voller Härte. Er ist auf der Stelle tot und Phelics Schüler macht sich daran, uns beide zu unterstützen.
    Sir Dinadon und mir geht langsam die Puste aus, da bekommen wir Rückendeckung. Phelics Schüler breitet theatralisch seine Hände über dem Kopf aus und lässt eine blaue Eiskugel vor den Sha'ahoul auf den Boden krachen, die daraufhin einige Meter zurückweichen. Ich werfe mein Schwert auf einen der Krieger. Dieser Wurf saß. Ich nehme meinen Bogen von der Schulter und spanne einen Pfeil ein. Auf 3 Meter Entfernung ein absolut tödliches Instrument. Da waren es nur noch 4. Die Sha'ahoul scheinen geschockt und treten trotz Überzahl den Rückzug an. Doch nur wenige Meter weiter haben wir sie eingeholt und machen ihnen den Garaus.
    Wir 3 lassen uns zu Boden sinken und müssen erst einmal verschnaufen. Das war bisher sicher der härteste Kampf. Aber lange ruhen wir uns nicht aus, allen ist klar, dass wir an unserer Mission festhalten müssen.


    <Phelics Schüler, das war gerade eine eindrucksvolle Demonstration Eurer magischen Künste.>
    <Danke sehr. Ich weiß auch nicht, warum ich auf einmal so stark wurde. Ich habe eine richtige Woge der Magie in meinem Körper gefühlt.>
    <Ihr saht sehr wütend aus, als Ihr Euch wieder bewegen konntet.>
    <Was fällt diesem Kerl auch ein, mich gerade dann zu lähmen, wenn ich einen Feuerball-Zauber ausspreche? Die Flamme zwischen meinen Händen wurde ganz schön heiß mit der Zeit. Klar, dass ich da wütend werde.>
    <Nun hört mal auf zu plaudern, ihr zwei. Wir müssen weitergehen.>
    <Ja, Sir Dinadon. Wir werden uns nördlich halten. Dort vorne ist ein dunkler Durchgang. Wo der wohl hinführt? Und was ist das für ein Brüllen?>