Dies sind die Aufzeichnungen von Markus, Ritter Elythrias und Krieger im Dienste der sieben Königreiche der Eurale.
Dies sind die Chroniken eines Kampfes gegen ein fremdes Volk in einer Zeit, in der die Welt von Schwertern und Magie beherrscht wird.
Die Geschichte handelt von der Belagerung der Festung Avalon im Grenzland von Oriam durch eine Rasse namens Sha'ahoul, angeführt durch einen Schamanen namens Mithras.
Es ist die Zeit von Kriegern, von echten Helden, die ihr Leben dafür gegeben haben, Avalon zu verteidigen.
Und es ist die Geschichte eines Mannes, der eigentlich nur die ihm gestellten Aufgaben erfüllte und dennoch in allen sieben Königreichen zur Legende wurde.
Ja, es ist die Legende von mir. Ich bin dieser Mann. Ich bin der strahlende Held, der Avalon den langersehnten Frieden brachte.
Fragt man mich, wie ich das gemacht habe, antworte ich: "Ich habe nur meine Befehle ausgeführt. Ich bin Soldat von Avalon."
Doch lest selbst...
Der Neue
Diese Reise dauert schon viel zu lang. So langsam habe ich das Gefühl, wir werden niemals ankommen...
Das Wasser ist rauh und der letzte Angriff aus dem Nebel hat unser Schiff fast zum kentern gebracht. Wir konnten den Feind in dieser Waschküche nicht einmal sehen und fragen uns, ob es dieser Kahn überhaupt bis nach Avalon schafft. Aber unser Hauptmann macht uns Mut, es sei nicht mehr weit.
Oh wie freue ich mich, meinen Bruder wiederzusehen. Wenn auch so düstere Zeiten uns wieder zusammenführen. 11 Monate ist es her, seit Corvus seine Heimat Elythria verlassen hat, um Avalon mit seinem Schwert zu unterstützen. Wie so viele hat er dem Ruf der Verzweiflung Folge geleistet, so jetzt auch ich.
Nach dem Tod unseres Vaters vor 6 Wochen gab es nichts mehr, was mich noch zu Hause hielt. Mutter ist zu ihrer Schwester gereist, es ist momentan das Beste für sie.
Jetzt werde ich alles in meiner Macht stehende tun, um mein Vaterland als eines der sieben Königreiche der Eurale zu verteidigen. Nein, der Krieg findet nicht in Elythria statt. Sonst befände ich mich jetzt nicht auf einem alten Kahn, umringt von lauter seekranken Männern, die mit bleichen Gesichtern über der Schiffsreling hängen. Nein, der Krieg führt mich in den entlegensten Winkel Oriams - nach Avalon. Eine Festung, belagert von einer Horde Wilder, so wie es uns erzählt wurde. Doch frage ich mich, ob primitive Wilde imstande sind, eines der festesten Bollwerke dieses Landes monatelang in Schach zu halten...
<Ist es noch sehr weit, Hauptmann Nicophorus?>
<Seht nach Backbord, mein Sohn, und überzeugt Euch selbst.>
<...Ich sehe nur Nebel, mein Hauptmann.>
<An der Westseite von Avalon ist es immer neblig.>
Doch dann sehe ich es: turmhohe Zinnen, die aus dem Nebel hinaus richtung Himmel ragen; die Umrisse einer Festung, die so stolz und schön zu sein scheint, dass nichts auf dieser Welt ihr etwas anhaben könne. Aber wenn es so wäre, was mache ich dann hier, zusammen mit den anderen Soldaten?
Die Backbordreling füllt sich und alle starren in den dicken Nebel, wie kleine Kinder, die als erste den Blick auf Avalon erhaschen wollen.
Unser Schiff macht am Kai fest und zwischen den Zinnen ragen die Köpfe der Wachen empor, die mit eisernem Blick und dem Bogen in der Hand den nebelverhangenen Fluß Voél im Auge behalten. Man hat uns schon bemerkt, bevor wir die Festung überhaupt sehen konnten, und jetzt blicken dutzende Augen auf uns herab, als wollten sie sagen <Schaut mal, das sind die Neuen, die uns angeblich helfen sollen, schaut sie euch an...> Irgendwie fühle ich mich ein bisschen wie auf dem Präsentierteller. Was wird wohl schlimmer sein? Gegen die Wilden zu kämpfen oder die stechenden Blicke von Avalons Soldaten zu ertragen?
Andererseits kann ich die Sorge der Soldaten Avalons gut verstehen. Unser Schiff ist das einzige, dass die Burg überhaupt erreicht hat. Wir gehörten zu einer Flotte von 3 Schiffen, die Proviant, Waffen und Soldaten nach Avalon bringen sollten. Die anderen beiden Schiffe wurden im Nebel versenkt und unser Kahn hat inzwischen mehr Löcher als Planken. Mehr als die Hälfte unserer Ladung liegt auf dem Grund des Flusses, aber wenigstens haben alle Männer an Bord überlebt.
Ein Wachtrupp passt uns am Anleger ab. Langweilige Begrüßungsformeln, bevor sie uns endlich abladen lassen. Nur das Nötigste haben wir mitnehmen dürfen: Kleidung zum Wechseln und Wegzehrung für den Seeweg. Waffen bekommen wir in Avalon, hat man uns gesagt. Ein Jammer, mein gutes Schwert zu Hause lassen zu müssen. Vater hat es damals für mich anfertigen lassen, als ich noch ein Junge war. Ach, es ist sicher auch besser so. Wir werden hier viel trainieren müssen und bald werde ich sicher zu stark für mein altes kleines Schwert sein. (so langsam klinge ich schon wie Vater...)
Man geleitet uns durch das Westtor hinein in einen langen Korridor, der Westflügel genannt wird. Keine Zeit, die tollen Wandbehänge bestaunen zu können, der wachhabende Offizier hat einen ganz schönen Schritt drauf. Wir verlassen den Korridor durch ein kleines Tor weiter innen und sehen uns auf einmal dem hellen Sonnenlicht ausgesetzt. Ich muss meine Augen schließen; die ganze Zeit nur dichter Nebel und dann das! Als ich meine Augen wieder aufmachen kann, höre ich ein Raunen durch meine Kompanie gehen. Vor uns liegt ein Blumenmeer und überall verstreut stehen Stände der avalonischen Händler - wir sind im berühmten Innenhof von Avalon gelandet. Aber keine Zeit zum Staunen - der Offizier brüllt <Was glotzt ihr so? Das sind nur Blumen! Weiter, hurtig! Ich muss euch in eure Quartiere bringen, sonst reißt mir Hauptmann Avourus eigenhändig den Kopf ab!>
Wir passieren ein großes Tor an der Südseite des Innenhofes und kommen auf einen langen breiten Gang, der von 2 schwer gepanzerten Männern bewacht wird und auf dem jede Menge Patrouillen auf und ab gehen.
Man führt uns eine Treppe hinauf zu den Quartieren der gewöhnlichen Soldaten. Die Ritter und die Adligen sind im Bergfried untergebracht, sagt man uns widerwillig.
Die Unterkünfte sehen nicht sonderlich komfortabel aus, aber was erwarte ich in solch schweren Zeiten. Aber Mühe haben sie sich gegeben, die Avalonier: In allen 6-Bett-Zimmern hängt eine Flagge des Königreiches, dessen Soldaten darin schlafen. Stolz blicke ich auf zu dem grünen Drachen, dem Wappen meiner Heimat Elythria.
In einer Truhe neben meinem Bett liegen saubere Hemden, Hosen und Tuniken. Schwerter bekommen wir später, sagt der Offizier, der uns einquartiert hat.
Wir werden aufgefordert, uns in den Speisesaal der Außenburg zu begeben, sobald wir unser Hab und Gut auspackt haben. Seit der langen Seefahrt haben wir nichts anständiges mehr gegessen. Danach werden wir wieder in unsere Quartiere gehen und ein paar Stunden schlafen. Wir sind ziemlich müde von der langen Überfahrt...